Bundesrat
Ruth Humbel will nicht Nachfolgerin von Doris Leuthard werden – auch aus privaten Gründen

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel hat sich entschieden, auf eine Bundesratskandidatur zu verzichten. Dafür gibt sie mehrere Gründe an.

Patrik Müller
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André Albrecht

Die Birmenstorferin sagte am Dienstagmorgen zur AZ, sie sei nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit der CVP Aargau zum Schluss gekommen, nicht für eine Bundesratskandidatur zur Verfügung zu stehen.

Ruth Humbel galt als nicht chancenlos, da die bisher meistgenannte CVP-Anwärterin, die Walliserin Viola Amherd, am linken Flügel der Partei steht, was im bürgerlich dominierten Parlament ein Nachteil ist. Ausserdem ist Amherd wegen eines Mietzins-Streits in die Kritik geraten. Humbel ist leicht rechts der Mitte positioniert.

Ruth Humbels Karriere in Bildern:

Ruth Humbel, geboren 1957 in Baden, ist ein politisches Urgestein im Aargau. Bild aus dem Jahr 1999.
10 Bilder
Von 1981 bis 2003 sass sie für die CVP im Grossen Rat. Bild aus dem Jahr 2000.
Neben ihrem politischen Engagement ist Humbel als Juristin tätig und war langjährige Spitzenläuferin im Orientierungslauf. Bild vom 22. Gippinger Stauseelauf 2000. Humbel rannte auf den ersten Platz.
2003 schaffte sie den Sprung in den Nationalrat.
Zuhause bei Ruth Humbel in Birmenstorf: Die Nationalrätin ist mit Althistoriker Beat Näf verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder.
Humbel ist Verwaltungsratspräsidentin der Klinik Villa im Park in Rothrist, sowie Verwaltungsratmitglied der RehaClinic in Bad Zurzach und der Versicherung Concordia.
Ruth Humbel: «Mein Credo heisst: Gesundheit lässt sich nicht delegieren. Wir dürfen nicht den Anspruch haben, andere seien für unsere Gesundheit verantwortlich. Wir sind es selbst und müssen etwas dafür tun.»
Die Gesundheitspolitikerin sorgte vor Jahren mit der Aussage für Kritik, dass Übergewichtige höhere Selbstbehalte zahlen und damit die Folgen ihres ungesunden Lebensstils selbst mitfinanzieren sollten.
2015 kandidierte Humbel für den Ständerat, erreichte jedoch nur einen Bruchteil der Stimmen von Philipp Müller (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP).

Ruth Humbel, geboren 1957 in Baden, ist ein politisches Urgestein im Aargau. Bild aus dem Jahr 1999.

Alex Spichale

"Es ehrt einen, wenn der politische Leistungsausweis gewürdigt wird und zu einer möglichen Bundesratskandidatur qualifiziert", sagt Humbel. "Mich haben die vielen aufmunternden Reaktionen positiv überrascht und mich zusätzlich zu einer gründlichen Standortbestimmung motiviert." Sie habe grossen Respekt gegenüber diesem Amt. "Eine Bundesrätin oder ein Bundesrat steht unter ständiger Beobachtung und hohem Druck", begründet Humbel ihren Verzicht: "Das notwendige innere Feuer und das bedingungslose Streben nach dem höchsten politischen Amt gehen mir unter Würdigung aller Kriterien ab, zumal das Privatleben kaum Platz findet."

Humbel kandidiert erneut als Nationalrätin

Seit 15 Jahren vertritt die nunmehr 61-Jährige den Kanton Aargau im Nationalrat - nach dem Sitzverlust der CVP ist sie die einzige Aargauer Christdemokratin im Parlament. Humbel kündigt an: "Ich kandidiere im kommenden Herbst erneut. Als derzeitige Vizepräsidentin Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit werde ich bei einer Wiederwahl die SGK in der ersten Hälfte der nächsten Legislatur präsidieren." Humbel hat sich als Gesundheits- und Sozialpolitiker profiliert und betont, es stünden wichtige Reformen an, wie "einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen" und "Reform der Altersvorsorge". Hier möchte sie "gerne mitwirken".

Im Bundesratsrennen erhöht Humbels Verzicht nun die Chancen zweier anderer CVP-Frauen: Nebst Viola Amherd liebäugeln die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter und die Urner Justizdirektorin Heidi Z’graggen mit einer Kandidatur. Man erwartet ihren Entscheid noch diese Woche.

Sie wurden als Bundesrats-Kandidaten gehandelt – und haben abgesagt:

Sie wurden als Nachfolger von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt – und winkten ab: Pirmin Bischof (Ständerat/SO).
21 Bilder
Stefan Engler (Ständerat/GR).
Erich Ettlin (Ständerat/OW)
Daniel Fässler (Landammann/AI).
Isidor Baumann (Ständerat/UR)
Konrad Graber (Ständerat/LU).
Gerhard Pfister (Parteipräsident und Nationalrat/ZG).
Andrea Gmür (Nationalrätin/LU).
Ruth Humbel (Nationalrätin/AG).
Martin Candinas (Nationalrat/CVP).
Benedikt Würth (Regierungsrat/SG).
Erich Ettlin (Ständerat/OW).
Bei der FDP nahm sich Parteipräsidentin und Nationalrätin Petra Gössi früh aus dem Rennen für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann.
Auch Carmen Walker Späh (Regierungsrätin/ZH) will nicht in den Bundesrat. Ebenso wie die folgenden Freisinnigen.
Ruedi Noser (Ständerat/ZH).
Martin Schmid (Ständerat/GR).
Christa Markwalder (Nationalrat/BE).
Andrea Caroni (Ständerat/AR).
Regine Sauter (Nationalrätin/ZH).
Daniela Schneeberger (Nationalrätin/BL).
Josef Dittli (Ständerat/UR).

Sie wurden als Nachfolger von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard gehandelt – und winkten ab: Pirmin Bischof (Ständerat/SO).