Die Birmenstorferin sagte am Dienstagmorgen zur AZ, sie sei nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit der CVP Aargau zum Schluss gekommen, nicht für eine Bundesratskandidatur zur Verfügung zu stehen.

Ruth Humbel galt als nicht chancenlos, da die bisher meistgenannte CVP-Anwärterin, die Walliserin Viola Amherd, am linken Flügel der Partei steht, was im bürgerlich dominierten Parlament ein Nachteil ist. Ausserdem ist Amherd wegen eines Mietzins-Streits in die Kritik geraten. Humbel ist leicht rechts der Mitte positioniert.

Ruth Humbels Karriere in Bildern:

"Es ehrt einen, wenn der politische Leistungsausweis gewürdigt wird und zu einer möglichen Bundesratskandidatur qualifiziert", sagt Humbel. "Mich haben die vielen aufmunternden Reaktionen positiv überrascht und mich zusätzlich zu einer gründlichen Standortbestimmung motiviert." Sie habe grossen Respekt gegenüber diesem Amt. "Eine Bundesrätin oder ein Bundesrat steht unter ständiger Beobachtung und hohem Druck", begründet Humbel ihren Verzicht: "Das notwendige innere Feuer und das bedingungslose Streben nach dem höchsten politischen Amt gehen mir unter Würdigung aller Kriterien ab, zumal das Privatleben kaum Platz findet."

Humbel kandidiert erneut als Nationalrätin

Seit 15 Jahren vertritt die nunmehr 61-Jährige den Kanton Aargau im Nationalrat - nach dem Sitzverlust der CVP ist sie die einzige Aargauer Christdemokratin im Parlament. Humbel kündigt an: "Ich kandidiere im kommenden Herbst erneut. Als derzeitige Vizepräsidentin Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit werde ich bei einer Wiederwahl die SGK in der ersten Hälfte der nächsten Legislatur präsidieren." Humbel hat sich als Gesundheits- und Sozialpolitiker profiliert und betont, es stünden wichtige Reformen an, wie "einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen" und "Reform der Altersvorsorge". Hier möchte sie "gerne mitwirken".

Im Bundesratsrennen erhöht Humbels Verzicht nun die Chancen zweier anderer CVP-Frauen: Nebst Viola Amherd liebäugeln die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter und die Urner Justizdirektorin Heidi Z’graggen mit einer Kandidatur. Man erwartet ihren Entscheid noch diese Woche.

Sie wurden als Bundesrats-Kandidaten gehandelt – und haben abgesagt: