Todesfall

Ruth Dreifuss: Bundesrat kann Jean-François Bergier dankbar sein

Der Historiker Jean-Francois Bergier (Archiv)

Der Historiker Jean-Francois Bergier (Archiv)

Der Sozial- und Wirtschaftshistoriker Jean-François Bergier ist 78-jährig verstorben. Er hatte sich als Vorsitzender der Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg einen Namen gemacht. Aus Sicht von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss ist ihm die Landesregierung zu Dank verpflichtet.

Die Untersuchung der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg sei für den Historiker selbst schmerzhaft gewesen, sagte Dreifuss. Bergier habe dem Bundesrat sofort zugesagt, das Präsidium der Kommission zu übernehmen, erinnerte sich Dreifuss. Sie war von 1994 bis 2002 Innenministerin.

Mit grösster Integrität habe Bergier seine Aufgabe wahrgenommen und die Unabhängigkeit der Expertenkommission immer wieder erfolgreich verteidigt. "Bei seiner Arbeit entdeckte er Elemente der Schweizer Geschichte, die er zuvor nicht kannte", sagte sie. "Und er akzeptierte es auch, wegen seiner Arbeit angefeindet zu werden."

Bergier wurde am 5. Dezember 1931 in Lausanne geboren. Er starb nach kurzer Krankheit an seinem Wohnort in Clarens VD. Ein Familienmitglied bestätigte einen entsprechenden Bericht des Westschweizer Radios RSR.

Bergier spezialisierte sich nach Studien in Lausanne, Oxford und Paris auf dem Gebiet der Wirtschaftsgeschichte der Schweiz und der Alpen. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Die Schweiz in Europa", "Wilhelm Tell - Ein Europäer?", "Wirtschaftsgeschichte der Schweiz" und "Die Geschichte vom Salz".

Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um die Schweiz und die nachrichtenlosen Vermögen von Holocaust-Opfern war Bergier Ende 1996 vom Bundesrat an die Spitze der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg berufen worden. Dieses Gremium untersuchte während fünf Jahren die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der Schweiz zum Dritten Reich.

Die Arbeiten, für die ursprünglich 5 Mio. Franken bewilligt worden waren, kosteten schliesslich 22 Millionen. "Das entspricht den Kosten für den Bau von 300 Metern Autobahn", konterte Bergier jeweils die Kritik an der Kostenüberschreitung.

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