Krim-Krise
Russische Soldaten sollen wieder kommen, wenn sich die Wogen geglättet haben

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die militärische Kooperation mit Moskau zur Ausbildung russischen Gebirgssoldaten läuft laut dem Schweizer Verteidigungsattaché weiter.

Lorenz Honegger
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Bundesrat Maurer während des gestrigen Kasernengesprächs in Bern.

Bundesrat Maurer während des gestrigen Kasernengesprächs in Bern.

Keystone

Offiziere Komitee gegen Gripen

Heute, acht Tage vor der Abstimmung über den Kauf des Kampfjets Gripen, schliesst sich eine Gruppe von Armeeoffizieren im überparteilichen Komitee «Offiziere gegen den Gripen» zusammen. Dabei handelt es sich um eine Reaktion auf den Werbebrief von Armeechef André Blattmann an 18 000 Offiziere von Anfang Woche. Die Liste der Komitee-Mitglieder liegt der «Nordwestschweiz» vor. Sie umfasst zwei Majore, fünf Oberleutnants, vier Hauptleute und zwei Fachoffiziere. Als Erste haben die Nationalräte und Gripen-Gegner Roland Fischer (GLP/LU) und Daniel Jositsch (SP/ZH) unterzeichnet. Sie und ihre Mitstreiter warnen: «Es droht ein Fehlentscheid.» Unter anderem seien die Zweifel an der Einsatztauglichkeit des Gripen nicht befriedigend aus der Welt geräumt. Und: Der Milliardenkauf binde während Jahrzehnten finanzielle Mittel, die anderswo gebraucht würden. (LHN/SSM)

Als Vertreter der neutralen Schweiz habe er mehr Bewegungsspielraum, sagte Eugster der «Nordwestschweiz» am Rande von Ueli Maurers Kasernengespräch in Bern. Er hält sich zurzeit für einige Tage im Land auf, um der Armeeführung und dem Verteidigungsminister über die aktuelle Stimmung in Moskau zu berichten.

Die Beziehungen zwischen der Schweizer und der russischen Armee sind nach wie vor hervorragend: Die Kooperation geht trotz Krim-Krise weiter. Ein Schweizer Student lässt sich an der Militärakademie des Generalstabs in Moskau ausbilden. In zwei Monaten schliesst er ab. Die Militärorchester der beiden Armeen werden sich gegenseitig Besuche abstatten. Auch der Moskauer Oberfeldarzt soll in die Schweiz reisen.

«Verschoben, nicht abgesagt»

Selbst die aktuell auf Eis gelegte Ausbildung von russischen Soldaten im Kanton Uri soll schon bald fortgesetzt werden. Laut Eugster sind die umstrittenen Gebirgskurse in Andermatt «nicht abgesagt, sondern verschoben, bis sich die Wogen geglättet haben».

«Ob alle weiteren für dieses Jahr geplanten Aktivitäten zum vorgesehenen Zeitpunkt stattfinden werden, wird in den kommenden Wochen und Monaten im Gespräch mit den russischen Partnern entschieden», sagte er. Das Verteidigungsdepartement bestätigt diese Darstellung. Die Armee könnte die Ausbildung von Soldaten aus Russland je nach Entwicklung in der Ukraine also schon im kommenden Winter wieder aufnehmen.

Russische Soldaten kommen seit 2012 nach Andermatt, um sich während dreier Wochen in Gebirgstechnik zu üben. Die Kooperation beruht auf einem Abkommen aus dem Jahr 2011. Das VBS setzte die Kurse Anfang März aus, nachdem russische Streitkräfte die Krim besetzt hatten.

Maurer lobt Burkhalter

Verteidigungsminister Ueli Maurer äusserte sich am Kasernengespräch positiv über das Engagement von Bundespräsident Didier Burkhalter als Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Dessen Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete er als «gute Aktion», warnte aber auch vor Euphorie: «Die Situation in der Ukraine ist nach wie vor labil.» Die Schweiz müsse sich weiter davor hüten, zwischen die Fronten der Grossmächte zu geraten.

Attaché Eugster gab sich weniger zurückhaltend: Burkhalter habe vielleicht einen Bürgerkrieg verhindert und mit Sicherheit einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung des Konfliktes geleistet. Sein Engagement sei aus diplomatischer Sicht fantastisch: «Ich bin stolz auf ihn.»