Für den Schweizer Verteidigungsattaché in Moskau, Simon Eugster, hat sich seit Ausbruch der Krim-Krise wenig geändert. Während seine Kollegen aus anderen Ländern einen weiten Bogen um bestimmte russische Militärs machen müssen, offizielle Anlässe meiden oder nur in zivil daran teilnehmen dürfen, kann der 45-Jährige seiner Arbeit ungestört nachgehen.

Als Vertreter der neutralen Schweiz habe er mehr Bewegungsspielraum, sagte Eugster der «Nordwestschweiz» am Rande von Ueli Maurers Kasernengespräch in Bern. Er hält sich zurzeit für einige Tage im Land auf, um der Armeeführung und dem Verteidigungsminister über die aktuelle Stimmung in Moskau zu berichten.

Die Beziehungen zwischen der Schweizer und der russischen Armee sind nach wie vor hervorragend: Die Kooperation geht trotz Krim-Krise weiter. Ein Schweizer Student lässt sich an der Militärakademie des Generalstabs in Moskau ausbilden. In zwei Monaten schliesst er ab. Die Militärorchester der beiden Armeen werden sich gegenseitig Besuche abstatten. Auch der Moskauer Oberfeldarzt soll in die Schweiz reisen.

«Verschoben, nicht abgesagt»

Selbst die aktuell auf Eis gelegte Ausbildung von russischen Soldaten im Kanton Uri soll schon bald fortgesetzt werden. Laut Eugster sind die umstrittenen Gebirgskurse in Andermatt «nicht abgesagt, sondern verschoben, bis sich die Wogen geglättet haben».

«Ob alle weiteren für dieses Jahr geplanten Aktivitäten zum vorgesehenen Zeitpunkt stattfinden werden, wird in den kommenden Wochen und Monaten im Gespräch mit den russischen Partnern entschieden», sagte er. Das Verteidigungsdepartement bestätigt diese Darstellung. Die Armee könnte die Ausbildung von Soldaten aus Russland je nach Entwicklung in der Ukraine also schon im kommenden Winter wieder aufnehmen.

Russische Soldaten kommen seit 2012 nach Andermatt, um sich während dreier Wochen in Gebirgstechnik zu üben. Die Kooperation beruht auf einem Abkommen aus dem Jahr 2011. Das VBS setzte die Kurse Anfang März aus, nachdem russische Streitkräfte die Krim besetzt hatten.

Maurer lobt Burkhalter

Verteidigungsminister Ueli Maurer äusserte sich am Kasernengespräch positiv über das Engagement von Bundespräsident Didier Burkhalter als Vorsitzender der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Dessen Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnete er als «gute Aktion», warnte aber auch vor Euphorie: «Die Situation in der Ukraine ist nach wie vor labil.» Die Schweiz müsse sich weiter davor hüten, zwischen die Fronten der Grossmächte zu geraten.

Attaché Eugster gab sich weniger zurückhaltend: Burkhalter habe vielleicht einen Bürgerkrieg verhindert und mit Sicherheit einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung des Konfliktes geleistet. Sein Engagement sei aus diplomatischer Sicht fantastisch: «Ich bin stolz auf ihn.»