Rüti / Arch / Leuzigen

Die neue 132-Kilovolt-Stromleitung von der Unterstation Pieterlen bis nach Leuzigen soll mit einem erdverlegten Kabel über Lengnau– Grenchen–Selzach führen. Nicht der Widerstand der Bevölkerung im unteren Bürenamt sei dafür ausschlaggebend gewesen: BKW Energie AG nennt andere Gründe.

Es geht also doch. Was vor gut anderthalb Jahren als schier unmachbar deklariert worden ist, soll nun realisiert werden: Eine neue 132-Kilovolt-Leitung zwischen der BKW-Unterstation Pieterlen bis zur Unterstation Leuzigen soll in der Erde verlegt werden.

«Wir haben sechs verschiedene Varianten geprüft. Nach Abwägen aller Argumente sowie von Vor- und Nachteilen haben wir uns dafür entschieden, die Leitung mit einem erdverlegten Kabel von Pieterlen über Lengnau–Grenchen–Selzach bis nach Leuzigen zu realisieren.» Dieter Widmer, Leiter Public Affairs bei den BKW, sagte zu diesem Umdenken: «Nicht der grosse Druck aus der Bevölkerung hat den Ausschlag für diese Variante gegeben.

Vor zwei Jahren stand der Transport der elektrischen Energie im Vordergrund. In der Zwischenzeit haben wir noch weitere Überlegungen in das Projekt einbezogen. So die Verbesserung der Stromversorgung im Raum Grenchen. Wir bieten jetzt eine massgeschneiderte Lösung an.»

Versorgungssicherheit erhöhen

Die Leitungsprojektierung sei in Absprache mit der AEK Energie AG, Solothurn, und den Städtischen Werken Grenchen (SWG) erfolgt, sagte Mohamed Benahmed, Leiter Asset Management Netze der BKW, und weiter: «Mit dieser Variante können langfristig die Versorgungsbedürfnisse im Raum Grenchen-Bettlach-Selzach abgedeckt werden.

Mit einem Direktanschluss verbessern sich die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Entwicklung dieses Gebiets.» Mit der Erweiterung der AEK-Unterstation in Selzach werde sogar ein Direktanschluss an das überregionale Stromnetz ermöglicht. Stromausfälle wie am 19. August 2006, als an einem Samstagabend plötzlich die Region entlang des Jurasüdfusses im Dunkeln sass, könnten zwar nicht ausgeschlossen, aber schneller überbrückt werden.

Darum sei es sinnvoll, dass nun eine Leitungsführung über Lengnau bis Selzach und dann nach Leuzigen gewählt werde. «Die Vertreter der betroffenen Gemeinden sind heute von uns informiert worden. Das Projekt ist durchwegs gut aufgenommen worden», sagte Dieter Widmer an der Medienkonferenz letzte Woche in Arch.

Erleichterung auch bei den Behördevertretern der Gemeinden Rüti, Arch und Leuzigen. Christian Kurth, Gemeindeschreiber in Arch, sagt stellvertretend: «Das ist natürlich gute Kunde für unsere Nachbarn und uns. Auch wenn es die BKW nicht zugeben wollen, hat der Widerstand aus der Bevölkerung bestimmt etwas zu diesem Sinneswandel beigetragen.»

«Unterhalt und Betrieb eines erdverlegten Kabels sind nach wie vor recht aufwändig, und die wichtigsten Gründe, wieso Freileitungen bevorzugt werden.» Thomas Freudiger, Leiter Leitungsbau BKW, macht klar, dass sich innerhalb der letzten 16 Monate an dieser Tatsache nichts geändert hat. «In diesem dicht besiedelten Gebiet eine Freileitung zu planen, ist undenkbar.

Ein solches Projekt ist von vornherein chancenlos.» Freudiger bleibt realistisch und weist zudem daraufhin, dass die Variante mit dem erdverlegten Kabel die BKW fast viermal teurer zu stehen kommt. «Beim ursprünglichen Projekt haben wir mit rund 10 Millionen Franken gerechnet. Die Kosten für die nun vorgesehene Variante werden voraussichtlich 37 Millionen Franken betragen.»

Freileitungs-Projekt vorerst nur sistiert

«In den nächsten Wochen werden wir mit der Projektierung beginnen. Wenn der neuen Leitung keine grossen Widerstände erwachsen und das Bewilligungsverfahren seinen üblichen Lauf nimmt, so können wir die neue Netzverbindung Anfang 2012 in Betrieb nehmen.»

Dieter Widmer nannte die weiteren Schritte und ergänzte, dass das ursprüngliche Projekt mit einer Freileitung Pieterlen–Rüti–Arch–Leuzigen so lange sistiert bleibe, bis die Baubewilligung für die Kabelleitung Pieterlen- Grenchen–Selzach vorliege. Er wies auch darauf hin, dass bei einem fehlenden Konsens das Bundesamt für Energie letztlich einen Entscheid fällen werde. Dieser könnte noch bis vor Bundesgericht gezogen werden. (mz/sl/ibo)

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