André Heller in der Sendung Alpenfestung
Rückzug ins Réduit mit der Klarinette

Der Murianer André Heller zieht in den Zweiten Weltkrieg. Er nimmt an der Fernsehsendung «Alpenfestung» teil, die vom 27. Juli bis zum 14. August ausgestrahlt wird. Das Projekt des Schweizer Fernsehens stellt das Leben in den 1940er-Jahren nach.

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Aargauer Zeitung

Roman Schenkel

Normalerweise freuen sich Soldaten nicht, wenn sie für drei Wochen in den Bunker einrücken müssen. Es ist eng, kalt und das Tageslicht bekommt man nur selten zu Gesicht. André Heller jedoch kann es kaum erwarten, sich endlich mit seinen Kameraden in die Artilleriefestung bei Fürigen in Nidwalden zurückzuziehen. «Die Zeit während des Zweiten Weltkrieges interessiert mich sehr, und ich finde es spannend, mich auf etwas Unerwartetes einzulassen», erklärt der 37-Jährige. «Das will ich machen», habe er sich darum gedacht, als er das erste Mal von der Sendung gehört habe. «Ich spürte, dass das klappen könnte - ich hatte dieses spezielle Bauchgefühl.»

Interessiert, aber kein Militärnarr

Auf der Homepage des Schweizer Fernsehens informierte er sich über das Projekt und meldete sich kurzerhand an. «Meine Zeit im Militär hat mir gefallen, aber ich bin jetzt nicht ins Militär vernarrt», stellt Heller klar. Er habe mit seiner Klarinette bei der Militärmusik gespielt und so die Marschmusik schätzen gelernt. Gerne möchte er erfahren und erleben, wie es damals war. «Soweit dies möglich ist, natürlich.»

Nach kurzer Zeit erhielt er die Einladung für das Casting im Rekrutierungszentrum Windisch. «Neben einem Interview

800 wollten in die Festung

Der Aufruf des Fernsehens, sich für die «Alpenfestung» zu bewerben, hat eine Flut von Anmeldungen ausgelöst. 800 Personen aus jedem Alter hätten sich laut SF DRS für die Sendung beworben. Personen aus allen Alters- und sozialen Schichten wollten erleben, wie es ist, während dreier Wochen im Bunker zu leben. Davon wurden 80 Personen für ein zweitägiges Casting eingeladen. Im Rekrutierungszentrum in Windisch mussten sie verschiedenste Aufgaben lösen. Das Erstellen der so genannten Vollpackung stellte eine grosse Herausforderung dar. Eine Wissenschaft an sich, war das Falten des Militärmantels. Wahrscheinlich mühten sich auch ihre Vorgänger im letzten Jahrhundert schwer damit ab. Während sich die 25 Soldaten in einer Artilleriefestung in den Alpen an den Waffen der 1940er-Jahre üben und das Vaterland verteidigen, ziehen auf einem Bauernhof in Emmetten drei Frauen und fünf Kinder ein. Sie bewirtschaften einen ärmlichen Bauernhof, beteiligen sich an der Anbauschlacht und leisten so ihren Beitrag zur Landesverteidigung während des Zweiten Weltkriegs. (ROS)

Keine Angst vor Bunkerkoller

Angst vor dem Bunkerkoller habe er nicht. «Ich war noch nie in einer Festung. Panik habe ich aber nicht. Ich lasse es daher ruhig auf mich zukommen», sagt Heller. «Vielleicht ist die Uniform unangenehm eng und kratzt oder die Ordonnanzschuhe sind unbequem. Doch die Freude ist viel grösser als die Angst.» Besonders freue er sich auf die Kameradschaft unter den Soldaten. Gleichzeitig sei es für ihn aber auch spannend zu sehen, wie ein solches Projekt entstehe. «Ich kann teilnehmen und zudem den Machern über die Schulter gucken.»

Dass die Nagelschuhe sehr schwer sind, weiss er inzwischen. Er habe sie bereits zu Hause. Vor dem Einrücken müsse er sie genügend einlaufen. «Sie sind ziemlich massiv und an der Unterseite mit viel Metall beschlagen.»

Alte Klarinette und Liederbuch

Seine musikalische Ader möchte er auch in die Sendung einfliessen lassen. Dafür hat er sich eigens eine Klarinette aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgeliehen. «Das Instrument ist komplett aus Metall, damit die Soldaten bei jedem Wetter damit musizieren konnten», erklärt Heller. Er hat sich sogar ein original Soldaten-Liederbuch aus dem Jahr 1941 beschafft. Und nun übe er zur Einstimmung auf die Sendung verschiedene Lieder auf der alten Klarinette, die er auch in die Festung mitnehmen dürfe. «Das ist meine persönliche Vorbereitung, und es macht mir grossen Spass die Melodien und Stücke zu üben.» In tristen Zeiten in der Festung kann er so die Kameraden mit einem rassigen Stück beglücken.