CVP-Präsidium
Rückt die CVP jetzt wieder nach rechts?

Am Samstag haben die Parteidelegierten Gerhard Pfister ins CVP-Präsidium gewählt. In der Fraktion steht kein Christdemokrat weiter rechts als der Zuger Nationalrat.

Gieri Cavelty
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

2008, bei der letzten Besetzung des CVP-Präsidiums wurden Sie gedemütigt und nicht gewählt...

Gerhard Pfister: Das war keine Demütigung. Die Delegiertenversammlung nahm damals eine politische Beurteilung vor. Weil ich kurz zuvor heftige Kritik an der Abwahl von Christoph Blocher geübt hatte, sahen mich die Delegierten nun einmal nicht als die geeignete Wahl.

Dann räumt die Partei inzwischen indirekt ein, dass die Abwahl von Herrn Blocher ein Fehler war.

Das glaube ich weniger. Vielmehr ist es doch so: Die Delegierten haben gesehen, wie wichtig es ist, dass der rechte und wirtschaftsfreundliche Parteiflügel ebenfalls im Präsidium vertreten ist.

Welchen Lernprozess hat die Partei da denn genau durchgemacht?

Sehen Sie: Wenn Kathrin Amacker nicht aus Nationalrat und Parteivorstand ausgeschieden wäre, hätte sich die Frage meiner Wahl gar nicht gestellt. Nun hat mich aber CVP-Präsident Christophe Darbellay für den Posten angefragt, und ich bin seinem Wunsch gerne gefolgt.

Auch wenn Sie der vorherigen Frage diplomatisch ausgewichen sind: Es gibt auf alle Fälle auch kritische Stimmen zu Ihrer Wahl. Namentlich im Kanton Zürich fürchtet man einen rechten Backlash.

Ja, kritische Stimmen gibt es hoffentlich immer. Solche Diskussionen gehören zu jeder lebendigen Partei.

Die Frage ist: Zeugt Ihre Wahl in den Vorstand davon, dass die CVP rechter geworden ist? Oder wird die CVP mit Ihnen nun rechter?

Es geht nicht um eine Kurskorrektur. Im Präsidium bin ich eine von elf Personen. Es geht lediglich darum, dass man gewisse Akzente aus der Wirtschaft und aus den Stammlanden in die Parteileitung hineinbringt.

Wie wird sich das zeigen?

Im Migrationsbereich, wo ich die zuständige Kommission 2007/08 präsidierte, vertrete ich sicher eine konsequente Linie. In Wirtschaftsfragen werde ich eine liberale Grundhaltung einbringen. Und dann gibt es natürlich all jene Themen, die bei der neuen Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr und Energie auf dem Tisch liegen.

Sie denken da vermutlich speziell an den Postmarkt...

In der Tat.

Die neue, liberalisierungsfreundliche Post-Ministerin Doris Leuthard wird sich mit der mehrheitlich liberalisierungsfeindlichen CVP bald verkrachen.

Es wird für Doris Leuthard in ihrer neuen Position bestimmt nicht immer nur einfach sein. Der Konflikt mit der Partei in Sachen Postmarktliberalisierung wird so herausfordernd sein wie jener, den sie heute als Landwirtschafts-Ministerin führt.

Und Sie sind jetzt sozusagen Leuthards Mann im CVP-Präsidium, der die Kollegen auf ihren Kurs zu trimmen versucht.

Das hat Doris Leuthard zum Glück nicht nötig. Im Übrigen muss man von der Vorstellung wegkommen, eine Partei habe in jedem Dossier einfach ihrem Bundesratsmitglied zu folgen. Aber natürlich wird es mir ein Anliegen sein, die CVP beim Postdossier näher auf die Linie der neuen Post-Ministerin zu bringen.

Noch ein Wort dazu, dass mit Ihnen das konservative Element in der CVP gestärkt wird: Letzte Woche hat sich in der CVP eine Homosexuellen-Gruppe gebildet. Ist das nicht selbst für die CVP etwas gar viel Jekami?

Keineswegs. Es ist doch selbstverständlich, dass auch innerhalb einer Partei verschiedene Interessengruppen für ihre Anliegen kämpfen.

Und wenn die Forderung, dass Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen, plötzlich im CVP-Parteiprogramm auftaucht?

Mir persönlich – und ich denke auch einer Mehrheit in der Partei – geht das zu weit. Im Übrigen muss diese Gruppe jetzt erst einmal ihre politische Forderungen formulieren. Man wird dann sehen, welche Vorstellungen eine Chance auf eine Mehrheit bei der Basis haben.