Münster
Rucksack stört auch Touristen

«Die wunderschöne Altstadt-Silhouette wird mit dem Münster-Rucksack verschandelt», klagt Hans-Ulrich Gränicher, Präsident der Vereinigung Heit Sorg zu Bärn. Eine Petition soll für Besserung sorgen.

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Bruno Utz

Dass das Berner Münster nicht dauernd mit einem Gerüst behangen sein müsste, sei früher bewiesen worden. «Damals fertigten die Steinhauer ihre Steine in einem Werkhof an der Langmauerstrasse und nicht auf einem Gerüst am Münsterturm», blickt Hans-Ulrich Gränicher Jahrzehnte zurück. Für die Münsterbauleute sei es eben bequemer, auf dem Gerüst zu arbeiten. Der jetzige Zustand sei jedoch ein Armutszeugnis für Bern. «Aus touristischer Sicht ist der Zustand nicht haltbar.» In keiner anderen Stadt der Welt gebe es solche permanente Baugerüste an Sakralbauten. «Warum ausgerechnet in Bern, der mit dem Unesco-Label Weltkulturerbe ausgezeichneten Stadt?», fragt Gränicher.

Weg mit dem Baugerüst

Die Antwort gibt der Verein mit einer jetzt lancierten Petition. «Weg mit dem Münster-Baugerüst», ist die Bittschrift betitelt. Der Vorstand der Vereinigung habe sich bereit erklärt, selber Unterschriften zu sammeln. Angeschrieben würden zudem die «rund 400 Mitglieder». Ziel sei es, die Petition Ende August beim Gemeinderat einzureichen. «Wenn wir bis dann 500 Unterschriften beisammen haben, ist das ein starkes Zeichen», sagt Gränicher. Vom Gemeinderat erwarteten die Bittsteller, dass sich dieser Gedanken mache, wie es weitergehen könnte. Und: «Die Behörde sollen ein Machtwort sprechen», so Gränicher.

Ein gerüstfreies Münster dürfte jedoch Utopie bleiben. An einer Medienorientierung im November 2007 hiess es seitens der Münster-Stiftung: «Die Berner müssen sich an Gerüste am Turmoktogon und Turmhelm in den nächsten sechs bis sieben Jahren gewöhnen.» Zwar sollen die Konservierungsarbeiten am Turmoktogon nächstes Jahr abgeschlossen werden, danach soll es aber nahtlos beim Turmhelm weitergehen. Dieser sei seit 1894 nie restauriert worden. «Für einen natursteinernen Bauteil, der völlig ungeschützt der Witterung ausgesetzt ist, ist dies ein hohes Alter.» Die Arbeiten in der Höhe von 64 bis 101 Meter über Boden werden laut der Stiftung drei bis vier Jahre dauern. Eine kurzzeitige Entfernung des Gerüstes, wie sie für die Euro 08 in Betracht gezogen wurde, käme die Stadt teuer zu stehen: Kosten bis zu 390 000 Franken wurden dafür errechnet.

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