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RSV-Virus-Alarm: Viel Schleim? Keine Panik!

Nicht angenehm, aber hilfreich: Die «Nasentoilette» mit Kochsalzlösung.Hannes Eichinger/Fotolia

Nicht angenehm, aber hilfreich: Die «Nasentoilette» mit Kochsalzlösung.Hannes Eichinger/Fotolia

Die Schweizer Kinderspitäler sind überfüllt. Winzige Patienten mit verschleimten Atemwegen und Schleim, der in den Bronchien rasselt, halten Ärzte- und Pflegeteams schon seit Anfang Januar auf Trab. Kritisch ist es nur für Säuglinge unter 6 Monaten.

Das RS-Virus, mit vollem Namen Respiratorisches Synzytal-Virus (RSV), ist über die ganze Schweiz geschwappt. In der Kinderklinik des Kantonsspitals Baden beispielsweise liegen dieser Tage
20 statt wie normalerweise 15 kleine Patienten, und rund die Hälfte von ihnen ist mit dem RS-Virus infiziert.

Pflege von zu Hause

Panik ist jedoch nicht angesagt: «Die kleinen Patienten sind nicht lebensgefährlich krank, sondern brauchen hauptsächlich Unterstützung bei der Sauerstoff- und Nahrungsaufnahme», versichert Markus Wopmann, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Kantonsspital Baden. «Bei den allermeisten Kindern verläuft die Virusinfektion so harmlos, dass sie unbesorgt zu Hause von ihren Eltern gepflegt werden können.» Viele Kinder schicken er und seine Kollegen nach einer ersten Untersuchung wieder nach Hause, sie brauchen keine stationäre Pflege.

Kritisch kann eine RS-Infektion allenfalls bei ganz jungen Babys unter sechs Monaten werden, am häufigsten bei solchen von null bis drei Monaten: «Die Atemwege von Säuglingen sind noch sehr eng, deshalb kann es bei ihnen tatsächlich zu einer Sauerstoffunterversorgung kommen», erklärt der Kinderarzt. «Und weil Säuglinge hauptsächlich durch die Nase atmen, geraten sie manchmal wirklich in Atemnot. Manchmal können sie wegen ihrer stark verstopften Nase nicht mehr genügend trinken.»

Im Spital erhalten sie daher je nach Bedarf zusätzlichen Sauerstoff und eine Infusion für Flüssigkeit, wenn nötig auch eine Magensonde, mit der sie ernährt werden können. Mithilfe einer Nasenspülung aus einer Salzwasserlösung und Nasentropfen versuchen die Pflegenden, die Baby-Näschen zu entstopfen, und wenn nötig, verschreiben die Ärzte eine Inhalation mit einem Bronchien-erweiternden Mittel. «Sonst können wir gar nicht viel für unsere kleinen stationären Patienten tun, Medikamente gegen diese Virusinfektion gibt es nicht», sagt Markus Wopmann.

Nasentoilette und Nasentropfen

Ein Spitalaufenthalt ist daher auch bei Säuglingen nur in Ausnahmefällen nötig. Wie pflegt man die kleinen Patienten zu Hause richtig? Eltern können ihren Kindern mit einer sogenannten «Nasentoilette», einer Kochsalzspülung, Linderung verschaffen. «Das finden die Kinder zwar meist nicht angenehm, dafür hilft es gut», sagt Kinderarzt Wopmann. Auch Nasentropfen bei Bedarf oder Inhalieren mit ätherischen Ölen können die Symptome verringern. Nach einer Woche bis zehn Tagen ist dann meist das Schlimmste vorbei.

Alarmierend: Atempause, Apathie

Wann aber sollen Eltern mit ihrem Kind doch lieber einen Arzt aufsuchen? «Alarmzeichen sind starke Atemnot, vielleicht sogar mit einer leicht bläulichen Gesichtsfarbe, und bei Säuglingen bis drei Monaten kurze Atempausen zwischendurch», sagt Wopmann. «Auch wenn ein Baby sehr geplagt wirkt, immer schlechter trinkt und entweder sehr unruhig ist oder apathisch wird, empfiehlt sich eine Abklärung.» Starke Unruhe kann darauf hindeuten, dass das Kind unter einem Sauerstoffmangel leidet, Apathie kann einen Flüssigkeitsmangel anzeigen.

Verhindern lässt sich eine Ansteckung mit dem RS-Virus gemäss Wopmann kaum: «Die Epidemie überzieht den Kanton flächendeckend, und oft sind ganze Familien erkrankt.» Vitaminpräparate oder gesunde Lebensweise hin oder her: Davon lässt sich das Virus nicht beeindrucken, es taucht mit hartnäckiger Regelmässigkeit alle zwei Jahre wieder auf und verändert sich laufend, sodass die Menschen keine Immunität dagegen entwickeln können.

Der einzige Rat, den Wopmann und seine Kollegen jenen Familien mit früh geborenen Babys oder solchen, die soeben nach einem Spitalaufenthalt nach Hause entlassen wurden, mitgeben: «Meiden Sie Menschenansammlungen im Bus oder Einkaufszentrum, und fragen Sie Ihren Besuch, bevor er kommt, ob er schnupft oder hustet.»

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