Hans Lüthi

Bevor der erste Luchs auf den Aargauer Jurahöhen gesichtet wurde, sagten ihm die Jäger vorsorglich den Kampf an. Ganz anders sieht es beim Rothirsch aus, der sich erst vereinzelt im Aargau wieder ansiedelt. Das vom Aargauischen Jagdschutzverein (AJV) beschlossene Moratorium wird gut eingehalten, im jüngsten Jagdjahr 2008/09 haben die Jäger keinen einzigen Hirsch erlegt. Die stolzen Tiere können bis 2,5 Meter Körperlänge und 250 Kilogramm Gewicht erreichen. Kurz nach einer Sichtung in Niederrohrdorf meldeten Pro Natura und die Aargauer Jäger letzten Herbst gemeinsam einen freiwilligen Jagdverzicht.

Nicht grundsätzlich ein Schädling

Die Aargauer Grünröcke bekräftigten am Sonntag in Möhlin ihre milde Haltung gegenüber dem Rotwild. Gemäss AJV-Geschäftsführer Otto Merki konnte Revierförster Heinz Studer aus dem Längwald im Oberaargau den GV-Besuchern beim Abbau ihrer Ängste helfen. Die Sektion Jagd und Fischerei, wegen des Flamingo-Abschusses in einen Hagel der Kritik geraten, vertritt ebenfalls die Ansicht, die Rothirsche seien vorerst zu schonen. «Die Jäger haben damit keine Mühe und sehen dem Rothirsch nicht grundsätzlich als Schädling entgegen, sondern gewähren ihm selbstverständlich eine vorübergehende Schonung, die er fairerweise auch verdient», schreibt Merki. Dies mit der Bemerkung, in den Nachbarkantonen Bern, Basel-Landschaft, Solothurn, Zug und Zürich werde die Tierart geschützt oder geschont.

Waldbesitzer fordern Massnahmen

Obwohl es erst ein Dutzend Rothirsche im Raum Zofingen und vereinzelte Waldkönige im übrigen Kanton gibt, schlagen die Waldbesitzer Alarm. «Einzelne Bäume sind schon geschält worden, wir befürchten eine rasche Einwanderung in den Jura, via Albis kommen sie in den Ost- und Südaargau», betont Geschäftsführer Theo Kern vom Aargauischen Waldwirtschaftsverband. Im Kanton Bern seien die Populationen rasant gewachsen, es gebe bereits 1000 Tiere und massive Schäden. «Der Hirsch muss jagdbar bleiben, der Kanton steht laut neuem Jagdgesetz in der Pflicht», verlangt Theo Kern. Jetzt müsse ein Massnahmenplan unter Leitung der Sektion Jagd und Fischerei erstellt werden, der neben den Interessen der Jäger auch jene der Waldeigentümer berücksichtige. Durch Abschälen der Rinde könnten auch 20 bis 30 Jahre alte Nadel- und Laubbäume absterben.

Fazit: Statt auf eine Schutzliste gehöre der Hirsch auf die Abschussliste. Nach dem Motto: Wenn man vor lauter Rothirschen den Wald nicht mehr sieht, ist es zu spät dafür!