Rote Falken neu gegründet

Sie waren vom Aussterben bedroht. Nur in Zürich gab es noch eine letzte Gruppe. Doch heute marschieren im Aargau und in Bern frisch gegründete Rote Falken mit.

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Aargauer Zeitung

Sabine Kuster

Die Kinder, die heute Nachmittag ihr rot-schwarzes Transparent ausrollen mit der Aufschrift «Wir sind die Zukunft» und so in Baden den 1. Mai-Umzug anführen, sind Rote Falken. Jene Roten Falken, die es schon vor 80 Jahren in der Schweiz gab, eine Organisation, die Kinder und Jugendliche zu Solidarität erziehen möchte. Und doch sind die Roten Falken von heute nicht die Kinder von damals.

Die ersten Gruppen wurden 1925 von Anton Afritsch in Österreich gegründet. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche von Arbeiterfamilien sinnvoll zu beschäftigen. Es waren Kinder, denen es fehlte, was heute selbstverständlich ist: Spielplätze und Freizeitaktivitäten.

Verein mit sozialem Hintergrund

Heute ist das Angebot vom Fussballclub übers Kinderballet bis zur Waldspielgruppe schier unendlich. Wohl auch deshalb schrumpften im letzten Jahrhundert die Roten Falken von einst schweizweit 3000 Kindern (wie es auf der Internetseite www.rotefalken.ch heisst) auf eine einzige Gruppe in Zürich. In Baden war von 1987 bis 1992 eine Gruppe aktiv.

Warum wurden die Roten Falken nun in Baden und Bern wieder zum Leben erweckt? «Die Idee entstand an einem Winterabend anfangs Jahr», sagt Lea Schmidmeister, Präsidentin des neu gegründeten Vereins in Baden. Die Ziele sind die selben wie früher: «Wir wollen die Kinder sinnvoll beschäftigen und sie auf Themen wie Kinderrechte und Solidarität sensibilisieren», sagt die 25-jährige Jungsozialistin.

Eigentlich noch zu jung

Die ersten acht Kinder trafen sich bereits vergangener Samstag in Baden um T-Shirts für den Umzug zu malen. Sie waren zwischen zwei und sieben Jahren alt. Ursprünglich waren die Roten Falken jedoch Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren, welche zu alt geworden waren für den Landesverband Schweizerischer Kinderfreunde-Organisationen (LASKO, aufgelöst 1996). Da die neuen Roten Falken in Baden vorläufig eine Kinder- und keine Jugendgruppe sein werden, hat das fünfköpfige Gründerteam keine politischen Diskussionen geplant.

«Wir wollen den Kindern die sozialistische Idee in der Praxis vermitteln», sagt Lea Schmidmeister, «wenn nur ein Plastik-Auto da ist und zwei Kinder drauf fahren wollen, müssen sie eine Abmachung treffen.» Und: «Wir wollen bewusst nicht politisieren, sondern den Kindern zu einer freien Meinungsbildung verhelfen.»

Pfadi für Kinder von SP-Eltern?

Die neun Punkte des neu geschriebenen Falkenversprechens zeigen eine grosse Ähnlichkeit mit den zehn Punkten des Pfadiversprechens, wo es ebenfalls um Freundschaft und Engagement für die Umwelt geht. Sind die Roten Falken also einfach eine Pfadi für Kinder von SP-Eltern? «Von den Aktivitäten her, ist die Pfadi sicher ähnlich, aber wir wollen keine Jugendorganisation konkurrieren», sagt Schmidmeister. Das sei auch gar nicht möglich, denn vorläufig würden sich die Roten Falken nur vier bis fünf mal im Jahr treffen. Die Roten Falken seien ausserdem allen Kindern offen; es gehe nicht um die Verbreitung der SP-Ideologie.

«Ich bin gespannt, was aus der neuen Gruppe wird», sagt Martin Groves, Vater des jüngsten Roten Falken. Er und seine zweieinhalbjährige Tochter werden heute am Umzug mitlaufen und ein Lied der Roten Falken über die soziale Gerechtigkeit singen. Allerdings ohne blaues Hemd und rotem Halstuch - in dieser «Schlosserkluft», Symbol fürs Proletariat, traten die Roten Falken früher auf. - Am 1. Mai 2009 werden nur wenige Kinder von Handwerkern darunter sein.