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Roger Schawinski gewinnt Rennen um Radio 105 – Team bleibt bestehen

Der vor zwei Wochen in Konkurs gegangene Jugendsender Radio 105 geht an Roger Schawinski. Der Betreiber von Radio 1 hat in der letzten Bieterrunde am Dienstag den Zuschlag erhalten.

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Roger Schawinski gewinnt den Kampf um die 105-Radio-Konzession

Roger Schawinski gewinnt den Kampf um die 105-Radio-Konzession

Keystone

Nach Abschluss des Verfahrens zeigte sich Roger Schawinski höchst zufrieden. Die Übernahme von Radio 105 sei ein hartes Stück Arbeit gewesen und habe viel Nervenstärke erfordert. «Nun können wir loslegen», sagte Schawinski gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Durchsetzen musste er sich in der abschliessenden Bieterrunde gegen den Jugendsender Joiz und das Jugendportal Toasted.ch, die ihn beide überboten hatten. Zum Zug kam aber Schawinski mit seinem letzten Angebot, das er nach eigenen Angaben um 11 Uhr in einem Couvert Konkursverwalter Thomas Rüegg übergeben hatte.
Keine Angaben zum Preis

Wie viel er für Radio 105 bezahlt hat, wollte der Radio-1-Betreiber nicht verraten. «Darüber möchte ich im Moment nicht sprechen». Sein zweites Angebot sei jedoch erheblich höher gewesen, als das erste.

Mit der Ausschreibung des Notverkaufs im Schweizerischen Handelsamtsblatt vor einer Woche hatte Schawinski für den Jugendsender 784'534 Franken geboten.

Nun muss der neue Radio-105-Besitzer zusammen mit dem Konkursverwalter beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) das Konzessionsübertragungsgesuch einreichen. Es handelt sich dabei um einen Präzedenzfall in der Geschichte der Privatradios.

Bisheriges Team bleibt bestehen

Den regulären Sendebetrieb will Radio 105 bereits am Donnerstag mit der «Morning Show» aufnehmen. Bis dahin läuft ein Non-Stop-Programm mit Musik, angereichert mit einigen Informationen, die sukzessive hochgefahren werden, wie Schawinski sagte.

Programmleiter bleibt Jan Müller. Er und das gesamte Moderationsteam von Radio 105 haben bereits Arbeitsverträge mit der neuen Arbeitgeberin Radio 1 AG unterzeichnet. Insgesamt übernimmt Schawinski vom konkursiten Sender elf Programmleute sowie einen Werbeverkäufer.

Produziert und ausgestrahlt werden die Sendungen des neuen Radios 105 aus dem Räumlichkeiten von Radio 1 in der Nähe des Zürcher Schauspielhauses. Bereits am kommenden Montag könne für Radio 105 ein eigenes Studio in Betrieb genommen werden, sagte Schawinski.

Der Name Radio 105 bleibe bestehen, versicherte der Zürcher Privatradiopionier. Da die Lizenz für den Markennamen Ende Jahr auslaufe, müssten wohl Nachverhandlungen mit dem italienischen Lizenzgeber geführt werden.

Preis zu hoch für Energy

Um die Übernahme von Radio 105 war in den letzten Tagen hart gerungen worden. Als weiterer aussichtsreicher Anwärter galt bis am Montagabend Radio Energy. Der zu Ringier gehörende Sender nahm sich jedoch kurz vor Bieterschluss selbst aus dem Rennen.

«Wir hätten die Marke 105 gerne in eine sichere Zukunft geführt», sagte Energy-Gechäftsführer Dani Büchi. Nach intensiven Diskussionen und unter Abwägung der Vorkommnisse der letzten Tage habe man sich jedoch entschlossen, kein neues Angebot für Radio 105 abzugeben. Es habe keinen Sinn mehr gemacht, «die unvernünftig hohen Angebote» zu überbieten.

Die Marke 105 sei in den letzten Tagen stark beschädigt worden, Hörer und Werbekunden seien verunsichert. Ob man mit dieser Ausgangslage überhaupt noch Erfolg haben könne, sei mehr als fraglich. Jeder potenzielle Käufer müsse sich fragen, was er mit dem jetzt Verbliebenen noch erreichen könne.