Nationalrats-Kandidatur
Roger Köppel: «Vielleicht passe ich gar nicht in die SVP»

Passt der Intellektuelle in die Bauernpartei? «TalkTäglich»-Moderator Markus Gilli versuchte Roger Köppel am Dienstagabend aus der Reserve zu locken. Doch der Neu-SVPler wand sich gekonnt durch das Gespräch. Die Highlights.

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In Lackschuhen zwischen Kuhfladen. So stellt sich Markus Gilli Roger Köppel im Stall von Toni Brunner vor. «Das ist für mich wie Prinz Charles, der sich an an Hip-Hop-Konzert verirrt hat – lieber Roger, du passt nicht in diese Partei!»

Köppel bleibt cool. «Vielleicht ist das sogar so», sagt er zu diesem Vorwurf. Doch der SVP trete er ja nicht bei, weil er sich nach einem bestimmten gesellschaftlichen Umfeld sehne. Es gehe um die Inhalte. Solche «kleinkarierten Millieuvorbehalte», wie sie auch oft aus bürgerlichen Kreisen kommen würden, verstehe er hingegen nicht.

Den «gravierenden Entwicklungen in Bern» und der «linken Mehrheit» im Bundeshaus will Köppel entgegentreten. Nicht mehr zuschauen, sondern handeln, so das Motto des «Weltwoche»-Chefredaktors und -Verlegers. Seit vergangener Woche ist er als Nationalratskandidat für die SVP im Rennen.

«Als unabhängiger Chefredaktor nach Bern»

Mit dem Parteibetritt und einem eventuellen Nationalratsmandat verliere der Journalist Köppel und damit die «Weltwoche» ihre Unabhängigkeit, geht Gilli zum nächsten Angriff über.

«Ich verliere nichts», kontert Köppel erst kurz und knapp. Und führt dann weiter aus: Die SVP habe kein Weisungsbefugnis ihm gegenüber – er gehe als «unabhängiger, kritischer Chefredaktor» nach Bern und in die SVP. Dass ein Verterter des Journalismus nicht mehr im Miliz-Politsystem mitmachen kann, das könne nicht sein.

«Weiss nicht, wie ich diesen Zeitaufwand unterbringe»

Zu Beginn der Sendung konfrontiert Gilli Köppel mit einem Blocher-Zitat: «Das Mandat im Nationalrat ist weitgehend eine Zeitverschwendung», habe dieser beim Rücktritt aus dem Nationalrat gesagt.

Er sei leidenschaftlicher Verleger und Journalist und wolle dies auch bleiben, stellt Köppel klar. Aber er gibt auch zu: «Ich weiss ja nicht, worauf ich mich da einlasse. Ich weiss ehrlich gesagt noch gar nicht, wie ich diesen Zusatzaufwand in meinem jetzt schon relativ ausgefüllten Berufsleben unterbringe.»

Zudem zeige «so ein Satz offensichtlich dramatische Meinungsunterschiede» zwischen ihm und Blocher.

Über das Wichtige reden, nicht übers Privatleben

«Wie hat deine Frau reagiert, als du ihr gesagt hast, dass du doch nach Bern willst?», stochert Gilli weiter. «Schon einige haben das gefragt. Die versuchen jetzt auf die Nebengeleise abzulenken», sagt der dreifache Familienvater. Aber darum gehe es ihm nicht: «Ich hänge extrem an meiner Familie, aber wenn das Haus brennt, dann musst du erst das Haus löschen.»

Und dieses Haus, das ist für Köppel die EU-Frage. «Wir sollten endlich mal über die wichtigen und richtigen Themen in der Schweiz reden und nicht über solche Befindlichkeiten.» (smo)