Bundesratswahlen
Riesige Fussstapfen: Kann Viola Amherd die Lücke von Doris Leuthard füllen?

Die Walliserin Viola Amherd muss ausgerechnet im wichtigen Wahljahr 2019 die Lücke der populären Aargauerin füllen. Geht das gut für die serbelnde CVP?

Dominic Wirth
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Viola Amherd (links) gilt als kompetent und fleissig – die Strahlkraft Doris Leuthards geht der Walliserin aber ab.

Viola Amherd (links) gilt als kompetent und fleissig – die Strahlkraft Doris Leuthards geht der Walliserin aber ab.

Keystone/Montage_CH Media

Bevor es an die Wahl ihrer Nachfolgerin ging, gehörte die Bühne gestern noch einmal Doris Leuthard. «Als Grande Dame» würdigte sie Nationalratspräsidentin Marina Carobbio, dann applaudierte die Vereinigte Bundesversammlung so lange, dass Leuthard irgendwann klarmachen musste, dass es nun genug sei.

Viola Amherd, die Frau, die Leuthard bald als Bundesrätin beerben wird, sass da noch auf ihrem Platz im Nationalrat. Und bekam vorgeführt, welch grosse Fussstapfen sie auszufüllen hat.

Leuthard war eine populäre Bundesrätin, und das war für ihre Partei eine gute Sache; sie war das Gesicht, das die Leute mit der CVP verbanden. Doch auch die Aargauerin konnte den Niedergang ihrer Partei nicht stoppen. Niemand hat in den Kantonen seit 2015 mehr Sitze verloren. Und auch auf nationaler Ebene tut sich die Partei schwer. Bei den letzten Wahlen erreichte sie noch einen Wähleranteil von 11,6 Prozent; die Tendenz ist laut Umfragen weiter sinkend.

Von den Hearings bis zur Vereidigung – die Bundesratswahl in Bildern:

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.
45 Bilder
Kopie von Bundesratswahl 2018
Keller-Sutter, die Favoritin auf den FDP-Sitz, wird im ersten Wahlgang mit mit 154 Stimmen gewählt.
Der unterlegene FDP-Bundesratskandidat Hans Wicki macht 56 Stimmen.
Das Profil der St. Galler Ständerätin Karin Keller Sutter (54) galt als mehrheitsfähig. Hier winkt sie nach der Wahl Angehörigen zu.
FDP-Anhänger jubeln über die Wahl von Karin Keller-Sutter.
Karin Keller-Sutter (FDP) und Viola Amherd (CVP) waren die Top-Favoritinnen vor der Wahl – die Freude ist nichtsdestotrotz gross.
Karin Keller-Sutter erklärt Annahme der Wahl zum 119. Mitglied des Bundesrates.
Zuvor wird die Oberwalliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd (56) überraschend klar im ersten Wahlgang gewählt.
Viola Amherd erzielt mit 148 von 240 Stimmen ein Glanzresultat.
Die unterlegene Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen kommt gegen Amherd lediglich auf 60 Stimmen.
Viola Amherd erklärt Annahme der Wahl zum 118. Mitglied des Bundesrates.
Riesige Freude: Anhänger aus dem Wallis freuen sich über die Wahl von Viola Amherd.
Die Vereidigung: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter zwischen den Ratsweibeln Ivan Della Valentina und Peter Truffer.
Viola Amherd und Karin Keller-Sutter auf dem Weg zum Treffen mit dem Gesamtbundesrat.
Die neugewählten Bundesrätinnen Karin Keller-Sutter, 2. von rechts, und Viola Amherd, 3. von rechts, posieren mit dem Gesamtbundesrat – von links: Bundespräsident Alain Berset, Ueli Maurer, Simonetta Sommaruga, Guy Parmelin, Ignazio Cassis und Bundeskanzler Walter Thurnherr.
Karin Keller-Sutter mit ihren Brüdern Bernhard, Rolf, und Walter.
Karin Keller-Sutter posiert mit ihrem Ehemann Morten Sutter, links, und Keller-Sutters Bruder Rolf Sutter mit dessen Ehefrau Maria.
Viola Amherd winkt neben ihrer Weibelin auf der Treppe des Bundeshauses.
Auch Karin Keller-Sutter kommt die Treppe mit ihrem Weibel hinunter.
Karin Keller-Sutter nimmt auf dem Bundesplatz Glückwünsche entgegen.
Viola Amherd nimmt die Glückwünsche der Walliser Regierung entgegen. Von links die Staatsräte Frederic Favre, Jacques Melly, Esther Waeber-Kalbermatten und Christophe Darbellay.
Viola Amherd mit ihrer Cousine Denise Wasmer und ihrer Nichte Lia Amherd, von rechts, sowie mit Esther Waeber-Kalbermatten, Staatsrätin des Kantons Wallis, links.
Die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd geniesst das Bad in der Menge vor dem Bundesplatz in Bern.
Die Vereidigung: Blick von der Tribüne.
Die Vereidigung: Blick von hinten.
Auch die Blumensträusse liegen vor der Ersatzwahl bereit.
Vor der Wahl: Die Ratsweibel Nathalie Radelfinger und Ivan Della Valentina mit den Wahlurnen.
Zuvor wurden die abtretenden Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) verabschiedet.
Johann Schneider-Ammann sorgt bei seiner Abschiedsrede für einen Lacher, indem er über sich selbst witzelt: «Das Rednerpult gehört nicht zu meinen Lieblingsmöbeln.»
Arbeiten und Resultate bringen: So habe er das Amt als Bundesrat interpretiert, sagte Schneider-Ammann. Er habe sich stets als Vertreter des Konkreten verstanden, nicht als Publikumsliebling.
Marina Carobbio Guscetti: «Doris Leuthard wurde nie emotional» Doris Leuthard beweist während der Rede der Nationalratspräsidentin, dass sie den Sinn für Humor auch bis zur Verabschiedung nicht verloren hat.
«Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär»: Mit diesen Worten wird die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin von Carobbio gewürdigt.
Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann verlassen den Saal vor der Ersatzwahl. Beide wurden mit einer ausgiebigen Standing Ovation verabschiedet.
Jetzt folgen die Bilder vom Vorabend: Politiker und Medienschaffende treffen sich in der sogenannten "Nacht der langen Messer" im Hotel Bellevue in Bern.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Die Oberwalliser freuen sich auf "ihre" Bunderätin: Vor dem Bundeshaus hat sich Radio Rottu Oberwallis installiert – auf einem Anhänger. Am Dienstagabend ist Moderator Sebastian Voide (im roten Pulli) im Einsatz.
Nationalrätin Min Li Marti (SP, ZH) und Beat Walti (Fraktionspräsident FDP, ZH), sprechen an der Seite von Philippe Nantermod (FDP, VS, zweite-links) und Balthasar Glättli (Fraktionspräsident GP, ZH, zweite-rechts).
Nationalrat Duri Campell, BDP-GR, und Nationalrat Matthias Aebischer, SP-BE.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Das Bundeshaus in der Nacht.
Bilder vor der "Nacht der langen Messer": Karin Keller-Sutter (FDP) bei den Anhörungen der Parteien.
Viola Amherd (CVP) vor den Medien nach den Anhörungen der Parteien.
Heidi Z'graggen (CVP) nach den Anhörungen der Parteien.
Hans Wicki (FDP) nach den Anhörungen der Parteien.

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.

ANTHONY ANEX

«Es gibt keine zweite Leuthard»

Nun stehen die nächsten eidgenössischen Wahlen vor der Tür. Und für die CVP sitzt fortan Viola Amherd im Bundesrat. Die Zukunft der CVP hängt jetzt auch von der Walliserin ab. Denn wenn die Partei weiter Wähler verliert, gerät ihr Bundesratssitz in Gefahr.

Amherd erzielte gestern ein Glanzresultat, sie fertigte Heidi Z’graggen im ersten Wahlgang deutlich ab. Und erhielt mit 148 Stimmen fast gleich viele wie Karin Keller-Sutter, die als haushohe Favoritin ins Rennen um den FDP-Sitz gestartet war.

Die 56-jährige Walliserin gilt als kompetent und fleissig, und sie punktete gestern bei ihren ersten Medienauftritten als frisch vereidigte Bundesrätin mit ihrer Authentizität. Die Strahlkraft Leuthards geht der Walliserin aber ab. Die Frage ist nun, wie die CVP das im anstehenden Wahljahr verkraften wird.

Ihre Parteikollegen stärkten Amherd gestern demonstrativ den Rücken. «Es gibt keine zweite Doris Leuthard, aber natürlich kann Amherd sie auf ihre Art ersetzen», sagte etwa die Thurgauer Ständerätin Brigitte Häberli-Koller.

So oder ähnlich äusserten sich gestern viele CVP-Parlamentarier. Parteipräsident Gerhard Pfister plädierte dafür, der neu gewählten Bundesrätin Zeit zu geben. «Doris Leuthard war am Anfang auch nicht die Doris Leuthard von heute», sagte der Zuger. Er sei überzeugt, dass Amherd die Fussstapfen ihrer Vorgängerin ausfüllen werde.

Das gute Ergebnis von Amherd legt nahe, dass sie auch in ihrer eigenen Fraktion den Löwenanteil der Stimmen machte. Jene von Präsident Pfister dürfte aber nicht darunter gewesen sein. Der Zuger wollte gestern nicht verraten, wen er gewählt hatte, «als Parteipräsident hat man objektiv zu sein», sagte er. Aber auch, dass er sich über eine Zentralschweizer Vertretung gefreut hätte. Und man nur einen Namen auf den Stimmzettel schreiben könne.

Zwei, die sich finden müssen

Dass Amherd und Pfister politisch unterschiedlich ticken, ist hinlänglich bekannt. Die Walliserin gehört zum linken Flügel der Partei, gerade in gesellschaftspolitischen Fragen ist sie liberaler als Pfister. Diese Zusammenarbeit werde für die Partei «eine Herausforderung», prognostiziert Joachim Eder, Zuger FDP-Ständerat.

Und auch aus der CVP gibt es Stimmen, die sagen, dass die beiden sich finden müssten. Der Präsident selbst betonte gestern immerzu, dass es zwischen ihm und Amherd keine Probleme gäbe. Dass er schon «sehr gut» mit der Walliserin, die bis anhin Vizefraktionschefin der Partei war, zusammengearbeitet habe. Und diese keineswegs eine «linke CVPlerin» sei.