Wahlen in Riehen vom 7. Februar v
Riehener «Reise nach Jerusalem»

Viele Kandidaten für wenig Sitze: Die Riehener Gesamterneuerungswahlen vom 7. Februar geraten zum Sesseltanz oder zur «Reise nach Jerusalem». Vom Gemeindepräsidium über den Gemeinderat bis zum Einwohnerrat stehen viele Kandidierende zur Auswahl.

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Riehener «Reise nach Jerusalem»

Riehener «Reise nach Jerusalem»

Nicole Nars-Zimmer

Toprak Yerguz

Bis kurz vor Anmeldeschluss der Kandidaturen durfte sich Willi Fischer, der bisherige Gemeindepräsident Riehens, berechtigte Hoffnungen machen, dass das Wahlwochenende zumindest für ihn ruhig verlaufen würde: Er war bis zum letzten Tag der einzige Kandidat für das Amt. Kurz vor Ablauf der Anmeldefrist reichte jedoch Hansjörg Wilde ebenfalls seine Kandidatur ein und zwang Fischer in den Wahlkampf. Das war Mitte Dezember.

Seither betont Fischer bei jeder Gelegenheit Wildes Unerfahrenheit, während Wilde unablässig zu überzeugen versucht, dass er das Amt besser ausfüllen würde.

Gemeindepräsidium: Gegensätze

Es stehen zwei gänzlich unterschiedliche Personen zur Wahl: Auf einer Seite der erfahrene Kommunalpolitiker Fischer, dessen Partei EVP das Gemeindepräsidium seit Jahrzehnten inne hat. Auf der anderen Seite der Gewerbler Wilde, der als unabhängiger Kandidat antritt und aus seiner politischen Unerfahrenheit keinen Hehl macht.

Wilde tritt nach eigenen Aussagen an, weil sich unter den etablierten bürgerlichen Parteien keine Gegenkandidaten für das Amt gefunden haben. Er selbst ist keiner Partei zugehörig. Wilde wird von einzelnen Exponenten aus dem bürgerlichen Lager unterstützt. Von den Parteien hat einzig die SVP eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen, die anderen Parteien unterstützen Wilde offiziell nicht. Das hat den Vorwürfen, er sei ein «versteckter SVP-Kandidat», weiteren Auftrieb verliehen. Wilde stützt seine Chancen vor allem auf die Kritik an Politik und Kommunikation des Gemeinderats, die in den letzten Jahren in der Bevölkerung laut geworden ist und meistens von der SVP gesteuert wurde.

Fischer hingegen setzt auf Kontinuität. Als Unterstützung dient ihm auch seine Partei: Riehen ist eine EVP-Hochburg. Ein Angriff der anderen Parteien auf das Präsidium fand zuletzt 2005 statt, als für den verstorbenen Michael Raith (EVP) ein Nachfolger gesucht wurde. Fischer setzte sich gegen drei Konkurrenten durch.

Gemeinderat: Mindestens drei Neue

Für die sechs Sitze im Gemeinderat kandidieren zwölf Kandidaten. Die bisherigen Gemeinderäte Michael Martig (SP), Matthias Schmutz (EVP) und Marcel Schweizer (FDP) treten nicht mehr an. Christoph Bürgenmeier (LDP), Irène Fischer-Burri (SP) und Maria Iselin-Löffler (LDP) kämpfen um die Wiederwahl.

Um die Lücken aufzufüllen, schickt die SP Roland Lötscher, und die EVP Annemarie Pfeifer ins Rennen. Die FDP beschränkt sich nicht auf die Verteidigung ihres Sitzes und nominierte gleich zwei Kandidaten: Thomas Meyer und Andreas Zappala.

Einen Angriff auf die bisherige Sitzverteilung starten auch die Grünen mit Marianne Hazenkamp, die SVP mit Heinrich Ueberwasser und Ernst G. Stalder sowie CVP und Grünliberale mit einer gemeinsamen Liste und den Kandidaten Daniel Albietz (CVP) und Thomas Zangger (GLP). Bis auf Stalder und Zangger sind alle Kandidaten bisherige Mitglieder des Einwohnerrats.

Wie werden die Sitze verteilt?

Man darf gespannt sein, ob die bisherige Sitzverteilung (2 EVP, 2 LDP, 2 SP, 1 FDP) auch nach den Wahlen Bestand haben wird. Der Grünliberale Zangger versucht, den Erfolg seiner Partei bei den Grossratswahlen 2008 in einer kommunalen Personalwahl zu wiederholen. Albietz will für die CVP jenen Sitz im Gemeinderat zurückerobern, den man 1994 verloren hatte. Bei den letzten Wahlen fehlten der CVP dazu nur wenige Stimmen.

Die SVP ihrerseits sass noch nie im Gemeinderat. Ueberwasser, der seine bisherigen politischen Erfolge als EVP-Politiker verbuchen konnte, tritt nach seinem nicht ohne Zwischentöne erfolgten Übertritt erstmals für seine neue Partei an. Ihm werden mehr Chancen eingeräumt als Stalder, der sich bisher vor allem durch Frontalopposition hervorgetan hat.