Kornhaus
Ricardo Lumengo und die Vineyard-«Verknüpfung»

Dass die Stadt Bern die ehemalige Probebühne des Stadttheaters im vierten Obergeschoss des Kornhauses zur Büronutzung an Vineyard Bern vermietet (s. Ausgabe vom 25. April), stösst der SP Stadt Bern sauer auf.

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Lumengo

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Berner Rundschau

Samuel Thomi

In einer dringlichen Interpellation im Stadtrat verlangt sie daher Antworten, weshalb eine Freikirche und nicht eine kulturelle Institution wie die ebenfalls an den Räumen interessierte «Junge Bühne Bern» zum Zug kam.

Nebst Fragen nach dem Vergabe-Prozess stört sich Interpellantin Giovanna Battagliero auch an den Inhalten der neuen Kornhaus-Mieter: «Tatsache ist, dass Vineyard eine klar missionarische Bewegung ist», schreibt sie. Deren Leiter in Bern «glaubt, wir lebten in einer widergöttlichen Gesellschaft», so Battagliero. Als Beispiel zitiert sie Aussagen von der Homepage, wo Vineyard Homosequellen nahelegt, «ihre ‹Entartung› wegzubeten».

«Immer für Minderheiten eingesetzt»

SP-Nationalrat Ricardo Lumengo, schon öfters an Vineyard-Anlässen aufgetreten, stösst sich auf Anfrage an der «intoleranten Haltung» der SP-Fraktionspräsidentin. Er kämpfe für die Akzeptanz aller Art von Minderheiten. Mit schwulen-feindlichen Äusserungen des Berner Gemeindeleiters Martin Bühlmann konfrontiert, reagiert Lumengo überrascht: «Ich habe mich immer für Minderheiten eingesetzt. Das gilt auch für Homosexuelle.» Man könne nicht im Alltag toleranz sein und in Glaubensfragen Unterschiede machen. Mitglied bei Vineyard sei er nicht, habe aber «Verknüpfungen». Selber gehe er «als gläubiger Christ regelmässig» in die Afrikanische Gemeinde Biel.

Nicht Teil der Reformierten Kirche

Von städtischer Seite wurde die Vermietung in einer Mitteilung so begründet, dass daraus keine übermässige, zusätzliche Nutzung der Infrastruktur resultiere. Vineyard, die sich bis vor zwölf Jahren noch zur Basilea-Bewegung zählten und an ihrem früheren Standort im Breitenrainquartier wiederholt Reklamationen aus der Nachbarschaft provozierten, verstehe sich als «ökumenisch-orientierte Laienbewegung innerhalb der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn», wurde die Freikirche beschrieben. Das lässt Thomas Gehrig, Sprecher der Reformierten Landeskirche, nicht im Raum stehen: «Wir pflegen zwar institutionalisierte Kontakte zu Vineyard, strukturell sind sie aber nicht Teil von uns», auch wenn sie der reformierten Landeskirche nahe stünden.

Von Vineyard war gestern am bisherigen Standort in der Zeughausgasse 14 für eine Stellungnahme niemand erreichbar.