Kriminalgericht
Rentner-Räuber polierte mit Banküberfällen in Meggen seine Finanzen auf

Ein heute 83-Jähriger muss sich wegen mehrfachen Raubs vor Gericht verantworten. Ihm drohen Gefängnis und Verfahrenskosten von 11'000 Franken.

Sandra Monika Ziegler
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Am Freitag kam es vor dem Luzerner Kriminalgericht zur Verhandlung. (Symbolbild)

Am Freitag kam es vor dem Luzerner Kriminalgericht zur Verhandlung. (Symbolbild)

Getty Images

Ein 75-jähriger Mann hat Geldsorgen und begeht einen Banküberfall. Das war im November 2012. Sein Vorgehen war laut seinem Verteidiger «cäsarmässig»: «Er kam, sah und siegte.» Ausgewählt hatte er eine Filiale in der Luzerner Gemeinde Meggen. Dunkel gekleidet, mit Wollmütze, Handschuhen, Plastikpistole, Zettel und Plastiksack betrat der Schweizer um 10.15 Uhr die Bankfiliale. Er kassierte 10'000 Franken und verschwand, wie er kam. Vom Täter fehlte damals jede Spur.

Fünf Jahre später: Der Mann ist 80 Jahre alt und ihn quälen wieder Geldsorgen - es kommt zum zweiten Banküberfall. Dieser fand wieder in Meggen statt, in einer anderen Bankfiliale. Dieser Überfall verlief jedoch weniger reibungslos: Sein Fahndungsfoto war danach in der Boulevardpresse zu sehen. Zehn Tage später kam es zur Verhaftung.

Laut dem damaligen «Blick»-Artikel klingelte die Polizei in einem Luzerner Vorort an der Wohnungstür des Rentners und zeigte den Haftbefehl. Daraufhin habe der bis dato unbescholtene Schweizer die Polizei zur Beute in den Keller geführt. Dort konnte ein Grossteil davon sichergestellt werden. Der Mann kam im Januar 2018 rund 19 Tage in Untersuchungshaft. Der Überfall von 2012 konnte ihm ebenfalls nachgewiesen werden. Er war geständig. Am Freitag kam es nun vor dem Luzerner Kriminalgericht zur Verhandlung.

Ein Kollege hätte ihn angestiftet

Aber beim Überfall im Jahr 2012 sagte er aus, nicht der Drahtzieher gewesen zu sein, sondern auf Geheiss eines Kollegen gehandelt zu haben. Vor Gericht sagte er: «Der Fahrer war Mauro, er hatte auch den Plan und die Idee dazu. Ich habe nur ausgeführt.» Darauf fragte ihn der Richter: «Laut Akten bekamen Sie aber den kleineren Teil der Beute. Ist das logisch?» Der Beschuldigte: «Nein, ich wollte für mich 6000 und ihm 4000 Franken geben, es kam aber umgekehrt.» Mauro sei ein Kollege gewesen, Näheres konnte er dazu nicht sagen. Der Richter zweifelte an seiner Aussage und fragte nach: «Den Mauro, gibt’s den wirklich?» Der Beschuldigte: «Ja, den habe ich nicht erfunden.»

Auch der Staatsanwalt glaubte nicht an die Existenz jenes Mauro und attestiert dem Täter hohe kriminelle Energie. Nicht so der Verteidiger, er sieht im Bankräuber eine Art Mister Bean. Er sei amateurhaft und mit wenig krimineller Energie zur Tat geschritten. Auch bemerkte der Verteidiger, dass es ihm von Seiten der Bankangestellten sehr einfach gemacht worden sei. Der Mann sei offensichtlich ein älterer Mann, der die Tat sehr langsam und wortlos beging. Ihn zu überwältigen, festzuhalten und die Polizei zu rufen wäre ein Einfaches gewesen.

Verteidiger beschönigt Überfälle

Dazu sagte der Staatsanwalt: «Der Verteidiger hat die Raubüberfälle sehr stark beschönigt, will uns weismachen, es habe sich um einen netten Raubüberfall eines liebenswürdigen Räubers gehandelt. Doch das gibt es nicht, dieser Überfall ist kein Sonderfall.» Er habe – auch mit Plastikpistole – Angst und Schrecken verbreitet, die Angestellten hätten um Leib und Leben gezittert. Er verlangte ein Strafmass von 36 Monaten, davon müsse ein Jahr abgesessen werden. Zudem müsse der Beschuldigte die Verfahrenskosten zahlen.

Den Vorwurf der Verniedlichung liess der Verteidiger nicht gelten und ging wieder ans Rednerpult: «Ich will nicht den Raub verniedlichen. Aber es stellt sich die Frage: Wie ist es abgelaufen?» Das solle in der Strafzumessung beachtet werden. Es sei eben nicht abgelaufen wie bei einem richtigen Bankräuber, wie bei einem Räuber, der tatsächlich bedrohlich wirkt. Sein Mandant sei heute 83 Jahre alt, nicht bei bester Gesundheit und auch geständig. Ein Gefängnisaufenthalt sei unverhältnismässig. Er will eine bedingte Strafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren.

Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.