Corona-Virus

Rekruten missachten Abstandsregeln – wie sich der Brigadier das erklärt

Armeeangehörige mit Sack und Pack. (Symbolbild)

Armeeangehörige mit Sack und Pack. (Symbolbild)

Die Armee kennt strikte Hygieneregeln. Doch ein Video zeigt. Manche Armeeangehörige gehen sorglos damit um.

Die wichtigsten Verhaltensregeln zum Corona-Virus hält die Armee auf einem Flyer im Hosensackformat fest. Auch der Befehl des Oberfeldarztes ist klar. Alle Truppen müssen oberirdisch untergebracht sein. Wenn immer möglich sind zwei Meter Abstand einzuhalten, auch beim Essenfassen und im Schlafsaal. Zudem sind die Soldaten angehalten, sich regelmässig die Hände zu waschen –während mindestens 20 Sekunden und mit Seife.

Dumm nur: Bei einer Rekrutenschule in der Ostschweiz, in der mindestens eine Person positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, ging am Montagmorgen ausgerechnet die Seife aus, wie eine Leserreporterin berichtet. Damit nicht genug. Ein Video von der gleichen RS zeigt, wie sorglos die unter Quarantäne gesetzten jungen Männer mit den Hygieneregeln umgehen. Man hört ein Husten in der Kaserne, die Rekruten sitzen auf ihren Betten dicht nebeneineinander. Wegen Quellenschutzes verzichtet CH Media auf die Publikation des Videos.

Was sagt die Armee dazu? Brigadier Raynald Droz, Stabschef Kommando Operationen, fand für die Nonchalance eine mögliche Erklärung beim Hormonhaushalt. «Wir haben hier 15'000 testosterongeladene Personen an einem Ort», sagte er am Montagnachmittag an der Pressekonferenz des Bundes im Hinblick auf die Rekrutenschulen. Mit anderen Worten: Bei so vielen Männern auf engem Raum ist es in den Augen des Brigadiers unvermeidlich, dass einzelne die Regeln missachten.

Die Armee tue aber ihr Möglichstes, um solches Fehlverhalten zu korrigieren. Es sei auch durchaus möglich, dass am einen oder anderen Ort vorübergehend die Seife fehle. Die Armee verfüge aber über genügend Vorräte. «Wir haben die Logistik verstärkt, um die Hygie­ne­mass­nahmen strikt einhalten zu können.»

Appell an die Eigenverantwortung

Droz appelliert an die Eigenverantwortung der Armeeangehörigen. «Sie müssen verstehen, dass sie innerhalb von wenigen Tagen von einem Corona-Virus-Opfer zu einem Täter werden können», sagte er. Will heissen: Wer sich um die Hygienemassnahmen foutiert, gefährdet seine Kollegen.

Der Vorfall in der Rekrutenschule in der Ostschweiz scheint kein Einzelfall zu sein. Schon am Sonntag informierten CH-Media-Leserreporter unsere Redaktion über eine Szene auf einer Schiessanlage in Breitfeld. Dort standen mehrere Armeeangehörige in drei kleinen Gruppen dicht beieinander, zum Teil mehr als fünf Personen:

© Leserbild

Zur Erinnerung: Maximal so viele Menschen dürfen sich im Freien miteinander treffen.

Ein Sprecher erklärte, die Armee kläre ab, inwiefern die Fünferregel in der Armee überhaupt durchgesetzt werden könne. Bis jetzt verzeichnet die Armee 100 bestätigte Corona-Fälle. Mehr als 700 Armeeangehörige befinden sich derzeit in Quarantäne, 70 in Isolation.

Rekrutenschulen werden weitergeführt

Ein Abbruch laufender Rekrutenschulen oder Wiederholungskurse steht nicht zur Debatte. ­Allerdings prüft die Armee, noch nicht begonnene Wiederholungskurse zu verschieben. Total explizit mobilisiert zur Bekämpfung der Corona-Krise hat die Armee vorerst zwischen 2000 und 3000 Angehörige der Sanitätstruppen. Es handelt sich um den grössten Ernstfall seit dem Zweiten Weltkrieg.

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Autor

Kari Kälin

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