Rekordfahrt des Kaufkandidaten

Für den Kantonsanteil am BBA interessiere sich nicht nur die Stadt Aarau, sagte am Rand der Generalversammlung der Leiter öffentlicher Verkehr.

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BBA Aarau

BBA Aarau

Zur Verfügung gestellt

Thomas Röthlin

Der Kanton Aargau will seine BBA-Aktien verkaufen, um nicht gleichzeitig Auftraggeber (Leistungsbesteller) und Auftragnehmer (Miteigentümer) zu sein. Dies bekräftigte Walter Zimmermann, Leiter öffentlicher Verkehr, nach der BBA-Generalversammlung (GV) am Donnerstagabend in Gretzenbach. Man halte am im April angekündigten Verkauf an den Meistbietenden fest. Wegen «laufender Abklärungen zur Eignerstrategie in Sachen Nebenbahnen», so Zimmermann, verzögere sich die Ausschreibung jedoch.

Jolanda Urech, BBA-Verwaltungsrätin und Aarauer Verkehrsministerin, informierte die Versammlung über die Absichten des Stadtrats. Dieser wollte Aaraus Aktienanteil eigentlich ebenfalls verkaufen, wurde im September 2008 von einer Volksinitiative allerdings gestoppt. Die Aarauer Stimmberechtigten befanden damals mehrheitlich, die öffentliche Hand solle die Aktien behalten und bei entsprechenden Angeboten neue dazukaufen.

Stadtrat Aarau wartet ab

Gemäss Urech wird der Stadtrat erst dann mit einer Kaufvorlage an den Einwohnerrat aktiv, wenn sich eine Aktienmehrheit für Aarau abzeichnet. Zurzeit hält die Stadt 32,4%, hinzu kommen 2010 dank der Fusion mit Rohr 3,5%. In Suhr (4,3%) beschloss der Souverän ein Verkaufsangebot, Erlinsbach AG (3,5%) entschied gestern Abend (die Gemeindeversammlung tagte nach Redaktionsschluss). Zusammen mit dem Kantonsanteil von 11% ergäbe sich eine Aktienmehrheit.

Für die zu verkaufenden Aktien interessierten sich nach wie vor auch Private, sagte Zimmermann. Selbst mit einer Aktienminderheit unter 20% wäre ihnen noch ein Sitz im Verwaltungsrat gesichert. Für den BBA hatten Eurobus-Knecht und Postauto Interesse angemeldet, wie AZ-Recherchen im Mai 2008 ergaben.

Mathias Grünenfelder, Direktor der BBA-Dachmarke AAR bus + bahn, berichtete der GV von den Rekordzahlen 2008: Anzahl Passagiere +6,9%, Verkehrseinnahmen +4,2% (AZ von gestern). Trotz Dieselpreisexplosion (45% über dem Budget) resultierte ein positiver Rechnungsabschluss. Bis April 2009 habe die Fahrgastzahl erneut um 4% zugenommen, sagte Grünenfelder.

Pensionskasse unterdeckt

Demgegenüber steht eine Unterdeckung der Pensionskasse, die im Berichtsjahr um 3 Mio. Franken von 3% auf 14% wuchs. Ein Niederschlag auf den Aktienwert sei wahrscheinlich, sagte BBA-Verwaltungsratspräsident Max Tschiri im Hinblick auf die sich verändernden Besitzverhältnisse.

Im Geschäftsbericht schreibt der Leiter Busbetrieb Beat Schneider: «Bestimmt kann ein privater Anbieter auch so gut sein, aber er müsste es im Fall von Aarau zuerst noch beweisen.» Ein Indiz dafür, dass die BBA-Belegschaft inklusive Chefetage ihren Betrieb lieber weiter im Eigentum der öffentlichen Hand sähe. Schneider wurde nach langjähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet - ebenso der Leiter Finanzen Jürg Bertschi nach 18 Jahren Treue zum BBA.