Presseschau
Reisen nur mit Impfung, Homeoffice-Verbot und Massenentlassungen – das schreibt die Sonntagspresse

Das Thema Coronavirus bestimmt auch diese Woche die Sonntagspresse. Dabei geht es nicht nur um eine allfällige Impfpflicht bei Auslandsreisen, sondern auch um den Detailhändler Coop und seinen Umgang mit Mitarbeitern, die im Homeoffice arbeiten wollen. Eine Übersicht.

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Das schreibt die Sonntagspresse

Das schreibt die Sonntagspresse

Keystone

Impfpflicht für Auslandreisen

Um die Impfbereitschaft der Schweizer zu erhöhen, arbeitet der Bund zurzeit an einer Impfkampagne, wie die Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit, Katrin Holenstein gegenüber der SonntagsZeitung bestätigt: «Wir wollen die Bevölkerung transparent informieren und für eine Impfung gegen das neue Coronavirus sensibilisieren.» Da bisher jedoch noch keine Details über die Eigenschaften und die Wirksamkeit des Impfstoffs bekannt seien, sie es für die Kampagne noch zu früh.

Etwas skeptisch ist Andreas Widmer von Swissnoso. Der Präsident der Vereinigung der Fachleute für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene glaubt nicht, dass Aufklärungskampagnen ausreichen werden. Stattdessen schlägt er zur Erhöhung der Impfbereitschaft Anreize vor: «Auslandsreisen per Flugzeug, Reisebus oder Kreuzfahrten sollen nur noch Personen erlaubt sein, die geimpft sind oder vor jeder Reise einen aktuellen negativen Test vorweisen können», sagt Widmer. «Impfen ist Ausdruck der Solidarität mit der Gesellschaft und dafür braucht es ein individuelles und kleines Opfer», sagt Widmer in der aktuellen SonntagsZeitung.

Kein Homeoffice bei Coop: Standpauke vom Chef Joos Sutter

Als im September die Corona-Zahlen in der Schweiz stark stiegen, machte bei Coop eine Petition die Runde. Mitarbeiter mit Bürojobs forderten, dass sie ihre Arbeit von daheim erledigen dürfen. Rund siebzig Personen unterschrieben. Diese wurden daraufhin von Coop-Chef Joos Sutter an zwei Morgen an den Hauptsitz in Basel zitiert – inklusive ihrer Vorgesetzten. Das berichtet die «NZZ am Sonntag» mit Verweis auf interne Quellen.

CEO Sutter stand vorne, die Home-Office-Befürworter sassen in der Mitte, zuhinterst deren Vorgesetzte. Als die Mitarbeiter dem CEO kontern, hielt dieser eine Standpauke. Home-Office blieb bei Coop verboten, bis der Bundesrat im Oktober eine entsprechende Empfehlung aussprach. Laut Anwesenden war das Gespräch von Misstrauen geprägt. Unterschwellig sei der Vorwurf im Raum gestanden, die Mitarbeiter würden es sich daheim nur gemütlich machen wollen. Der Vorfall sorgte Coop-intern für viel Frust. Die Medienstelle lässt durchblicken, dass man eine gewisse innerbetriebliche Solidarität erwarte. «Rund 90 Prozent unserer Mitarbeitenden arbeiten im Verkauf, in der Logistik und in der Produktion. Dort ist Home-Office grundsätzlich nicht möglich», schreibt Coop auf Anfrage der «NZZ am Sonntag».

Chaos in der Corona Taskforce: Mitglieder widersprechen sich

In der Corona-Taskforce herrscht Konfusion. Die Expertengruppe fände es sinnvoll, wenn sofort und für die nächsten acht Wochen alle Restaurants, Bars und Museen geschlossen sowie Konzerte abgesagt würden. Zudem sollen private Treffen auf Personen aus zwei Haushalten beschränkt werden. Diese Empfehlungen wurden gestern publiziert. Würden sie umgesetzt, befände sich die Schweiz faktisch in einem kleinen Lockdown und die Skigebiete könnten das Weihnachtsgeschäft vergessen.

Mehrere Task-Force-Mitglieder reagierten allerdings überrascht betreffend der zentralen Forderungen des Papiers. Ihnen zufolge sei man im Gremium zum Schluss gekommen, dass die flächendeckenden Schliessungen erst opportun sind, wenn sich in den nächsten zwei Wochen die Fallzahlen nicht deutlich reduzieren. Namentlich die Meinungen zur Notwendigkeit und zur Dringlichkeit der Schliessung der Restaurants gehen weit auseinander. Konfrontiert mit der Verwirrung zum Task-Force-Papier relativiert Präsident Martin Ackermann die Aussagen: Man plädiere dafür, dass sich «die Schweiz schon heute vorbereitet für Schliessungen» und dass diese eine Option bleiben müsse.

Kinder leiden unter Corona-Einschränkungen

Die Kleinsten leiden gleich mehrfach unter der Corona-Pandemie. Das zeigt ein Bericht des SonntagsBlicks. Demnach beobachten Kinderärzte, dass Eltern Spitäler und Kinderarztpraxen meiden – aus Angst, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Ulrike Brennan, COO des Kinderarzthauses, warnt: «Wenn Krankheiten nicht früh genug erkannt werden, kann das für Kinder lebensbedrohlich sein.» Viele Eltern zögerten einen Arztbesuch hinaus, sagt die Kinder­ärztin. Das Resultat: «Die Kinder, die zu uns kommen, sind kränker als sonst.»

Nicht weniger gefährlich: Auch Vorsorgeuntersuchungen und Impftermine werden häufig abgesagt. Wenn dann etwa eine Masernimpfung unterbleibt, sind die Kleinen einem höheren Infek­tionsrisiko ausgesetzt. Oft werden auch Entwicklungsschwierigkeiten wie Sprachstörungen nicht rechtzeitig erkannt. Aufhorchen lassen auch die Resultate einer neuen Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die dem SonntagsBlick vorliegt.

Die Untersuchung im Kanton Zürich ergab, dass die Zahl der Übergriffe gegen Kinder im Lockdown zugenommen hatte. Demnach gaben 3,3 Prozent der befragten Eltern an, dass sie ihre Kinder während des Corona-Stillstands im März und April häufiger «hart angepackt oder gestossen» haben. Hochgerechnet auf den Kanton sind das 5000 Familien, in denen solche leichten Übergriffe häufiger vorkamen. Die Studie kommt zum Schluss: «Die häufigere Präsenz der Kinder in den Haushalten, die mit dem Lockdown-bedingten Homeschooling einherging, scheint das Risiko zu erhöhen, Gewalt gegenüber Kindern zur Anwendung zu bringen.»

Amt für Wirtschaft und Arbeit prüft Entlassungen bei Knecht Reisen

Bei der aargauischen Knecht Reisegruppe herrscht Unruhe. Laut Recherchen der Sonntagszeitung ist im Zuge der Corona-Krise bereits die vierte Abbauwelle über die Bühne gegangen. Im Sommer sprach Knecht Reisen-Ceo Roger Geissberger noch von einem 20 Prozentigen Stellenabbau. Schon damals war nicht klar, wieviele Personen die Knecht Reisegruppe überhaupt noch beschäftigt. Man sprach in Zusammenhang mit den 20 Prozent von einem Abbau von 40 bis 46 Stellen. Inzwischen dürften es aber weit mehr sein. Insider berichten von einer Streichung von gegen 100 Jobs. Das hat nun auch das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau auf den Plan gerufen. Dieses prüft, ob bei Knecht allenfalls eine ungemeldete Massenentlassung im Gange ist.