Regionalpolizei im Frick bald fusioniert?

Der Kanton arbeitet derzeit neue Standards für die Gemeindepolizeien aus. Die Fricktaler Regionalpolizeien können die höheren Anforderungen, die sich abzeichnen, nicht ohne weiteres erfüllen. Deshalb prüfen sie eine Kooperation.

Merken
Drucken
Teilen
Regionalpolizei

Regionalpolizei

Aargauer Zeitung

Nicole Emmenegger
Bis vor kurzem galt die Regionalpolizei (Repol) Unteres Fricktal als die «einsame Regionalpolizei». Sie war die einzige von 18 regionalen Polizeien im Kanton Aargau, die nicht im Verband der Aargauer Gemeindepolizeien (VAG) vertreten war. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Zusammenarbeit: Wie der Verband am Mittwoch bekannt gab, tritt die Repol Unteres Fricktal dem VAG nun doch bei (siehe Infobox). Zudem prüft sie eine Zusammenarbeit im Bereich Pikettdienst mit der Repol Oberes Fricktal, wie Recherchen der AZ ergeben haben. Die Chefs der beiden Regionalpolizeien haben von ihren politischen Vorgesetzten den Auftrag erhalten, abzuklären, ob ein Schulterschluss sinnvoll wäre.

Höhere Anforderungen

Der Hintergrund dieser Abklärungen: Der Kanton ist daran, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden neue Standards für den Auftrag der Gemeindepolizeien - zu denen auch die Regionalpolizeien gehören - zu definieren. Zwar ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen und das Departement Volkswirtschaft und Inneres hat noch keine Weisungen herausgegeben, aber aus den Entwürfen des Kantons geht hervor: Unter anderem steht ein 24-Stunden-Pikettdienst zur Diskussion, bei dem stets zwei Polizisten auf Pikett sind, die im Team ausrücken können.

Partner gesucht

Im Fricktal wäre diese Anforderung mit der heutigen Situation nicht erfüllt. Im unteren Fricktal hält sich in drei Nächten unter der Woche nur ein Regionalpolizist zu Hause für einen Einsatz bereit, wie Repol-Chef Hansueli Loosli bestätigt. Im oberen Fricktal sind es laut Repol-Chef Rolf Graf gar drei bis vier Nächte unter der Woche. Ein Sicherheitsrisiko sei das allerdings nicht, betont Anton Mösch, Vorsitzender des Führungsausschusses der Repol Oberes Fricktal: «Die Kantonspolizei unterstützt die Repol bei Bedarf.»

Würde der Kanton dereinst einen 24-Stunden-Pikettdienst mit zwei Personen vorschreiben, wäre die Repol Oberes Fricktal mit ihren derzeit acht Polizisten überfordert. Die Kantonsregierung hat bereits darauf hingewiesen, dass Polizeikorps mit unter zwölf Polizisten kaum in der Lage sein werden, die geplanten Standards zu erfüllen. Die Repol in Frick müsste folglich neue Polizisten anstellen, «aber das ist nicht unser Ziel, weil die Mehrkosten von den Gemeinden bezahlt werden müssten», sagt Führungsausschuss-Vorsitzender Anton Mösch. Deshalb steht für ihn fest: «Wenn wir höhere Standards erfüllen wollen, brauchen wir einen Partner.»
Auch die Repol Unteres Fricktal würde bei höheren Standards an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stossen, sagt Repol-Chef Hansueli Loosli - dies, obwohl im unteren Fricktal zwölf Regionalpolizisten im Einsatz sind. «Wir sind zwar vorsichtig der Meinung, dass wir es im Alleingang schaffen würden, aber der Arbeitsdruck würde steigen. Deshalb wäre eine gemeinsame Lösung mit dem oberen Fricktal von Vorteil», so Loosli. Franco Mazzi, Rheinfelder Stadtammann und Vorsitzender des Führungsausschusses der Repol Unteres Fricktal, vertritt die gleiche Haltung: «Es ist gut, dass die Regionalpolizeien gemeinsam nach einer Lösung suchen.»

Viele Fragen noch offen

Die Idee hinter der möglichen Zusammenarbeit ist einfach: Die Regionalpolizeien erfüllen die kantonalen Vorgaben in ihrer Region nicht auf eigene Faust, sondern stellen zu gewissen Zeiten gemeinsam einen Pikettdienst mit zwei Polizisten auf die Beine, die dann für das ganze Fricktal zuständig sind. Weniger einfach ist die Umsetzung dieser Idee, denn das Fricktal ist weitläufig und laut vorgesehenen Richtlinien muss die Polizei spätestens 30 Minuten nach Einsatzbefehl am Einsatzort sein. Viele Polizisten der Repol Unteres Fricktal wohnen zudem im Baselbiet. Ihnen wäre es kaum möglich, in der Nacht innerhalb von 30 Minuten aufzustehen, die Ausrüstung anzuziehen, ins Auto
zu steigen und beispielsweise nach Schwaderloch zu fahren. Eine denkbare Lösung wäre eine mobile Pikettform. Die Polizisten würden ihren nächtlichen Einsatz nicht zu Hause abwarten, sondern zu zweit mit dem Dienstwagen im Fricktal unterwegs sein.
Ob dieses Modell oder andere Varianten eines gemeinsamen Pikettdienstes überhaupt umsetzbar sind, können die Verantwortlichen noch nicht sagen. «In den nächsten Wochen werde ich Hansueli Loosli von der Repol Unteres Fricktal treffen, damit wir die Sachlage gemeinsam analysieren können», sagt Rolf Graf von der Repol Oberes Fricktal.
Eines steht aber fest: Eine Fusion der beiden Fricktaler Regionalpolizeien ist derzeit kein Thema, wie die Verantwortlichen auf beiden Seiten bekräftigen.