«Region muss sich positionieren»

Christoph Mühlhäuser, Raffele Petrone und Jürg Baur. (Bild: Louis Probst)

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Christoph Mühlhäuser, Raffele Petrone und Jürg Baur. (Bild: Louis Probst)

«Region Brugg jetzt» will Entwicklungen aufzeigen und ein Abdriften ins Abseits verhindern.

Louis Probst

Mit dem Fachhochschulcampus eröffnet sich der Region Brugg-Windisch eine einmalige Chance für die Zukunft. Nach Ansicht von «Region Brugg jetzt» darf aber die Realisierung des Campus, die jetzt definitiv anläuft - Ende Juni wird das Baugesuch für die neue FH Markthalle eingereicht - nicht zum Anlass genommen werden, sich zurückzulehnen. Die Region müsse sich bewegen und mit einer Positionierung dafür sorgen, dass sie zwischen Aarau und Baden nicht ins Abseits gerät. «Region Brugg-Windisch im Abseits?» steht denn auch über einer Veranstaltung von «Region Brugg jetzt», an der Regierungsrat Peter C. Beyeler über die Strategien der Raum- und Verkehrsentwicklung sprechen wird.

«Region Brugg Windisch im Abseits?»: Das ist, trotz Fragezeichen, schon etwas provokant?
Raffaele Petrone: Wir wollen ja auch etwas provozieren. Tatsächlich stellt man eine Verlagerung vom Zentrum in die Agglomeration fest. Das gilt insbesondere für die Einkaufsmöglichkeiten. Ich denke da beispielsweise an die neuen Einkaufszentren, die in den letzten Jahren in Lupfig, Würenlingen und in Gebenstorf eröffnet worden sind. Das Zentrum von Brugg-Windisch ist vor allem von der Fachhochschule besetzt. Im Birrfeld ist ein Entwicklungsschwerpunkt für die Industrie vorgesehen. Auch die Verkehrsprojekte in der weiteren Umgebung sind im Auge zu behalten. Anderseits sind verschiedene Projekte zum Zusammenschluss von Gemeinden in Gang gekommen. Im Bezirk Baden hat man mit einer Studie zur Entwicklung der Gemeindelandschaft den Ball aufgenommen. In Brugg hat man bis jetzt zu wenig gemacht.
Christoph Mühlhäuser: Es gibt zudem Reformprojekte des Kantons. So will er die Bezirksämter abschaffen und die Zahl der Bezirksgerichte, Grundbuchämter und Regionalplanungsverbände reduzieren. Wenn das alles umgesetzt wird, ist der Bezirk Brugg bloss noch ein Wahlkreis. Angesichts der verschiedenen dynamischen Entwicklungen muss man gemeinsam eigene Ziele verfolgen.
Jürg Baur: Verschiedene Ideen und Konzepte sind zwar vorhanden. Aber wenn ich - beispielsweise bei der Brugger Stadtentwicklungsplanung 2025 - die Dauer einer möglichen Umsetzung sehe, erschrecke ich.

Wo müsste Ihrer Meinung nach denn angesetzt werden?
Petrone: Angesichts der Entwicklung in den Regionen Aarau und Baden muss man sich überlegen, wie sich die Region Brugg-Windisch für die Zukunft positionieren soll.
Baur: Der regionale Gedanke muss gestärkt werden. Es geht darum, Modelle zu finden, bei denen die Gemeinden eingebunden werden können.
Petrone: Es kann ja nicht sein, dass die Zentrumsgemeinden stranguliert und die Dienstleistungen abgesaugt werden. Man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass die Fachhochschule den Zentrumsgemeinden nicht allzu viel Steuerertrag bringen wird. Da muss man sich Gedanken machen.
Mühlhäuser: In der Badener Studie zur Gemeindelandschaft sind verschiedene Kooperationsmodelle untersucht worden. Die Studie zeigt aber auch auf, wo die Kooperationen an Grenzen stossen. Stichworte sind zersplitterte Aufgabenerfüllung und eingeschränkte Mitsprache.

Da bleibt nur noch die Fusion?
Petrone: Im Fall von Brugg und Windisch haben die Exekutiven versichert, dass 2009 die Frage eines Zusammenschlusses nochmals angeschaut werde. Wir wissen aber nicht, ob das der Fall sein wird. Man müsste die Bevölkerung einbinden und partizipieren lassen. Aber es fehlt auch an Grundlagen. Es ist die Aufgabe der Regionalplanung, das aufzunehmen.

Aber der Regionalplanungsverband Brugg Regio ist doch bereits auf verschiedensten Gebieten aktiv?
Baur: Dass in der Region etwas vorhanden ist, haben die Aktivitäten um das Erbe der Römer und die Veranstaltungen zum Habsburger Jubiläum deutlich gezeigt. Aber der regionale Gedanke ist noch zu wenig ausgeprägt. Weitere gemeinsame Projekte und Kooperationen zwischen Gemeinden sind dringend anzugehen.
Petrone: Der gute Wille ist vorhanden. Aber man muss ihn aktivieren. Es müsste das Ziel für die vier nächsten Jahre sein, die Leute an Bord zu holen.

Das tönt jetzt aber arg nach Wahlkampf. Versteht sich «Region Brugg jetzt» denn als eine Art Wahlhelfertruppe?
Mühlhäuser: Es geht uns nicht um die Wahlen. Es geht darum, die Entwicklungen aufzuzeigen. Uns liegt die Region Brugg am Herzen.
Petrone: Wir verstehen uns als überparteiliche Gesprächsplattform. Der regionale Gedanke ist effektiv unser Hauptmotor. Die Stossrichtung muss doch sein, dass wieder Bewegung entsteht. Man kann sich nicht hinter der Fachhochschule verstecken.

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