Reigoldswil
Regierung kommt Gemeinden entgegen

Die Regierung will an den Sek-Standorten Reigoldswil, Zwingen und Arlesheim festhalten. Keine Freude haben die Bubendörfer Schüler: Sie müssen dann im hintersten Fünflibertal den Unterricht besuchen.

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Sekundarschule

Sekundarschule

bz Basellandschaftliche Zeitung

Hans-Martin Jermann

Reigoldswil unter Einbezug von Bubendorf beibehalten, Zwingen und Laufen sowie Arlesheim und Münchenstein zu gemeinsamen Schulkreisen mit je zwei Standorten fusionieren. Dies schlägt die Baselbieter Regierung dem Landrat im Rahmen der Revision des Bildungsgesetzes zu den Sekundarschulstandorten vor - und übernimmt damit im Wesentlichen die Ideen, die bereits in die Vernehmlassung gegeben wurden.

Langer Schulweg für Bubendörfer

«Unsere Strategie geniesst grossen Rückhalt», zieht Bildungsdirektor Urs Wüthrich Fazit. Er ist zuversichtlich, dass die Vorlage nun auch im Parlament eine Mehrheit findet. Sie ist dennoch nicht frei von umstrittenen Punkten: Noch zu reden geben dürfte etwa die Umteilung der Bubendörfer Sekundarschüler von Liestal nach Reigoldswil. Diese Massnahme sichert zwar das Überleben der kleinen Sekundarschule im oberen Fünflibertal, zwingt aber die Schüler aus Bubendorf zu einem längeren Schulweg. Ihnen verspricht Wüthrich «flankierende Massnahmen» wie sicherere Radwege und ein besser abgestimmter Busfahrplan.

Doch warum hält die Regierung am Standort Reigoldswil fest? «Aus pädagogischen, aber auch aus staatspolitischen Gründen», erklärt Wüthrich. Bei Aufhebung der Sek in Reigoldswil müssten Schüler aus abgelegeneren Dörfern wie Lauwil oder Bretzwil in Liestal den Unterricht besuchen - «was nicht zumutbar wäre», wie Wüthrich anfügt.

Eine pragmatische Lösung ist auch für die Sekundarschule Zwingen gefunden worden: Die kleinste Baselbieter Sek wird zwar organisatorisch in jene des grossen Nachbarortes Laufen integriert, bleibt aber als Standort erhalten. Allerdings werden in Zwingen keine Investitionen vorgenommen, die über Instandhaltungsarbeiten hinausgehen: «Wir lassen die Schule dort nicht verlottern», stellt Wüthrich klar. «Auf die geplante Schulhauserweiterung muss aber trotz abgeschlossenem Architekturwettbewerb verzichtet werden.»

Eine ähnliche Lösung ist für Arlesheim und Münchenstein gefunden worden: Auch dort werden unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach zwei Standorte geführt - «bis auf weiteres», wie Wüthrich in diesem Fall indes anfügt. Längerfristig würde der Kanton in Münchenstein gerne ein neues Schulhaus für beide Gemeinden bauen. «Wir werden ihnen aber nichts aufzwingen, sondern im Dialog nach einer Lösung suchen», stellt Wüthrich klar.

2016 noch 9700 Sek-Schüler

Hintergrund der Regierungspläne sind die sinkenden Schülerzahlen in den drei Niveaus A, E und P: Von 1996 bis 2007 haben diese bereits um rund 900 auf 11100 abgenommen. Bis 2016 prognostiziert die Bildungsdirektion einen weiteren Rückgang um 1400 auf 9700 Sek-Schüler. Hinzu kommt möglicherweise die Umstellung von vier auf drei Sekundarschuljahre, wie es Harmos vorsieht und andere Kantone kennen.

Die Vorlage schafft zudem eine wichtige Voraussetzung für die Übernahme sämtlicher Sekundarschulbauten durch den Kanton. Die Beibehaltung der drei gefährdeten Sek-Standorte soll für den Kanton vorerst nicht zu Mehrkosten führen: «Wir können auf Investitionen - und damit auf Abschreibungen verzichten. Das kompensiert den höheren Betriebsaufwand», erklärt Wüthrich.