Aussagen von Zeugen und gesichtetes Material erlaubten die Schlussfolgerung, dass das Institut Fogazzaro Hand dazu geboten habe, die Matura ohne die erforderliche objektive Bewertung der Kompetenzen der Schüler zu erwerben, wie das Bildungsdepartement am Donnerstag mitteilte. Sie sprach von einem Rechtsmissbrauch.

Das Institut habe die ihm von der Kantonsregierung erteilte Bewilligung missbraucht, um die Matura regelwidrig in einer Schule im Grossraum Neapel abzulegen. Das Bildungsdepartement hat nun nach seinen eigenen Worten "rigoros durchgegriffen".

Den Weg zur dank Schummelei "praktisch garantierten" Matura in Neapel ans Licht gebracht hatte das Tessiner Fernsehen (RSI) mit einer Recherche. Die Rede war darin von den Kandidaten "unter dem Tisch" übergebenen Lösungen für die Prüfungsaufgaben. Daraufhin mussten die Behörden reagieren.

Bereits im Januar hatte die Bildungsdirektion der Schule vorerst für ein Jahr die Bewilligung entzogen. Dies sei nötig, um den guten Ruf der bewilligten Privatschulen im Kanton nicht zu gefährden, die sich an die Vorschriften hielten, schrieb das Departement damals.

Die Bildungsdirektion hat ausserdem der Staatsanwaltschaft einen Bericht zu dem Fall übergeben. Ebenso wurden die zuständigen Behörden in Italien informiert. Die Schule war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Das Institut Fogazzaro wurde nach eigenen Angaben im Internet 1996 gegründet, von Lehrkräften aus Italien. Ihr Ziel: junge Tessinerinnen und Tessiner auf die italienische Matura vorbereiten.