Während die Gesamtzahl der Suizide in der Schweiz seit etwa 30 Jahren tendenziell rückläufig ist, zeigt sich bei der SBB ein anderes Bild: So genannte Schienensuizide nehmen seit rund zehn Jahren langsam aber stetig zu. Suizidale Menschen entscheiden sich somit vermehrt für diese Methode, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Im Jahr 2015 beendeten 126 Menschen ihr Leben auf diese Weise. Im langjährigen Durchschnitt sind es 112 pro Jahr, wie die SBB am Freitag in Zürich mitteilte. Im Durchschnitt ist die SBB somit jeden dritten Tag mit einem Schienensuizid konfrontiert. Dazu kommen zahlreiche Suizidversuche, bei denen die Menschen schwer verletzt überleben.

Schwer verkraftbare Situationen

"Im ganzen Unternehmen ist die Betroffenheit über dieses Thema sehr gross", sagte SBB-Konzernleitungsmitglied Kathrin Amacker vor den Medien. Lokführer und Zugpersonal würden oft mit schwer verkraftbaren Situationen konfrontiert. Betroffen seien aber auch Passagiere, Augenzeugen, Rettungskräfte und Polizisten.

Seit 2012 geht die SBB deshalb weg von der Situationsbewältigung, hin zur Suizidprävention. "Wir wollen, dass die Zahl der Schienensuizide abnimmt", sagte Amacker weiter. Die neue Kampagne "Reden kann retten" werde hoffentlich ihren Beitrag dazu leisten.

Die Kampagne, die am Freitag lanciert wurde, zeigt ein Familienfoto, auf dem der Vater ausgeschnitten ist. Ein Suizid hinterlässt Lücken und betrifft immer mehrere Leben - für den Fall des Schienensuizides mit seinen vielen Betroffenen gilt dies besonders.

Kernstück der Kampagne ist eine Website, auf der Suizidgefährdete und Angehörige Informationen und Hilfsangebote finden. Geworben wird vorwiegend digital, da Betroffene sich meist im Internet über Themen wie etwa Depressionen informieren und dort über Bannerwerbung direkt abgeholt werden können.

Im nächsten Jahr sind auch Fernsehspots geplant sowie eine eigene Kampagne für Jugendliche. "Reden kann retten" soll drei Jahre dauern. Mitentwickelt wurde die Kampagne unter anderem vom Kanton Zürich, der Dargebotenen Hand und der Gewerkschaft des Verkehrspersonals.