Europaweite Aktion
Razzia im Bremgarten: Wo die Polizei sonst noch gegen G20-Chaoten vorging

Am G20-Gipfel kam es in Hamburg 2017 zu wüsten Ausschreitungen, nicht nur im Schanzenviertel, sondern auch an der bekannten Strasse Elbchaussee. Knapp ein Jahr später haben Polizeibeamte in einer koordinierten Aktion in vier europäischen Ländern Wohnungen und linke Szenentreffs durchsucht.

Stefanie Garcia Lainez
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So heftig wüteten die Chaoten im Schanzenviertel Gewalttätige Demonstranten zündeten in der Nacht auf den Freitag des G20-Gipfels Barrikaden im Hamburger Schanzenviertel an.
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Militante G20-Demonstranten setzen in der Hamburger Innenstadt auch ein Laser-Gerät gegen Polizisten ein.
Kopie von Kopie von G20-Gipfel in Hamburg – Krawalle im Schanzenquartier

So heftig wüteten die Chaoten im Schanzenviertel Gewalttätige Demonstranten zündeten in der Nacht auf den Freitag des G20-Gipfels Barrikaden im Hamburger Schanzenviertel an.

KEYSTONE

7. Juli 2017, zwischen 7.20 und 8.30 Uhr: Etwa 220 Vermummte vom Schwarzen Block verwandeln die noble Hamburger Elbchaussee in ein Schlachtfeld. Immobilien entlang der 8,6 Kilometer langen Strasse zählen zu den teuersten der Hansestadt. Autos brennen, Scheiben werden eingeschlagen, Polizeiautos werden angegriffen, laute Knalls und Schreie sind zu hören.

«Es war wie im Krieg», erzählt eine 42-jährige Mutter später gegenüber «Zeit.de». Sie, ihre beiden Kinder und ihr Mann mussten das Haus verlassen und standen im Pyjama auf der Strasse. «Das war ein ziemlicher Schock am Morgen.»

Innensenator (Stadtrat) Andy Grote rückte die Ausschreitungen in die Nähe des Terrorismus.

Fast ein Jahr später haben nun Polizisten am Dienstagmorgen in vier Ländern Razzien in Wohnungen und linken Szenetreffs durchgeführt.

Italien

Laut NDR durchsuchte die Polizei am Dienstag in Italien unter anderem Objekte in Rom und Genua, darunter auch die Wohnung eines Mannes, der in Hamburg bereits wegen Angriffs auf Polizeibeamte bei den Krawallen in der Sternschanze verurteilt worden sei. Inzwischen gingen die Hamburger Ermittler auch davon aus, dass er an den Krawallen an der Elbchaussee beteiligt war.

Spanien

In Spanien seien im Grossraum Madrid drei Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden. Insgesamt ermittelt die Sonderkommission dort gegen sieben Tatverdächtige, die am Abend des 7. Juli 2017 bei den schweren Krawallen im Hamburger Schanzenviertel Polizeibeamte angegriffen haben sollen.

Frankreich

In Frankreich wird nach einer Person mit europäischem Haftbefehl gefahndet. Der Mann ist laut Hamburger Morgenpost noch flüchtig.

Schweiz

In Bremgarten haben Beamte die Wohnung eines 27-jährigen Mannes an der Reussgasse sowie das Kulturzentrum Bremgarten zeitgleich durchsucht. Die Ermittler hatten sein Foto bereits im Zusammenhang mit den Elbchaussee-Krawallen am G20-Gipfel vom 7. Juli 2017 in Hamburg veröffentlicht. Der Mann wurde von zwei Polizeibeamten aus Hamburg einvernommen.

Die Aktion dauerte rund zwei Stunden, es wurden Computer zur weiteren Untersuchung mitgenommen. Laut dem Bundesamt für Polizei Fedpol war Bremgarten der einzige Ort in der Schweiz, an dem Razzien durchgeführt wurden.

Razzia in Bremgarten: Dieses Haus an der Reussgasse wurde frühmorgens von der Polizei durchsucht.
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Die Polizei führte auch im Kulturzentrum KuZeB eine Hausdurchsuchung durch.
Das Haus an der Reussgasse Die Durchsuchungen in Bremgarten gehörten zu einer europaweit koordinierten Aktion. Gesucht wurde nach G20-Chaoten.
Die Polizei schlug die Scheibe ein, um sich Zutritt zu verschaffen.
Der Briefkasten.
Der Briefkasten.
Hausdurchsuchung im Kulturzentrum KuZeB Um 6 Uhr morgens dringt ein Durchsuchungskommando der Kantonspolizeit Aargau ins Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) ein.
Hausdurchsuchung im Kulturzentrum KuZeB Vor dem Eingang haben sich Ermittler positioniert. Sie suchen einen 27-Jährigen, der als G20-Chaot in Hamburg randaliert haben soll am 7. Juli 2017.
Hausdurchsuchung im Kulturzentrum KuZeB Die Ermittler konfiszieren mehrere Gegenstände und nehmen mehrere Personen zur Einvernahme mit.
Die Aktion in Bremgarten gehört zu einer europaweit koordinierten Aktion.
Der Aktion vorausgegangen war ein Rechtshilfeersuchen aus Deutschland.
Spruchband am Kulturzentrum Bremgarten. (Archiv)
Die deutsche Staatsanwaltschaft hat nach den Ausschreitungen gegen den G20-Gipfel in Hamburg (7. und 8. Juli 2017) in 51 Fällen Untersuchungshaft angeordnet. (Archivbild)
Gewaltexzesse am Rande des G20-Gipfels im Juli 2017.
Um Krawalle wie am G20-Gipfel zu verhindern, fordern deutsche Politiker eine Extremistendatei. (Bild vom 7. Juli 2017)

Razzia in Bremgarten: Dieses Haus an der Reussgasse wurde frühmorgens von der Polizei durchsucht.

Peter Rippstein

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