Im aargauischen Gebenstorf soll eine islamisch-albanische Gemeinschaft doch noch ein neues grösseres Vereinslokal erhalten. Inklusive Andachtsraum.

Die Aargauer Regierung hat die Gemeinde zurückgepfiffen, die das neue, grössere Lokal in einem ehemaligen Restaurant verhinderte. Der Gemeinderat zieht den Fall vor Verwaltungsgericht.

Zu ähnlichen Fällen kam es schon in Wil SG, Grenchen SO und Wohlen AG. Doch fehlt es Schweizer Muslimen überhaupt an Lokalen?

Ungefähr 200 islamische Zentren gibt es in der Schweiz. Rund 330 000 Muslime (über 15 Jahre) leben hierzulande. Gut 1700 Muslime teilen sich also eine Moschee. Das ist ein Annäherungswert.

Gemäss einem Bericht des Bundesrats praktizieren nur 10 bis 15 Prozent der Schweizer Muslime ihren Glauben. Maximal 50000 also. Der Bundesrat geht allerdings davon aus, dass dieser Anteil bei anderen Religionen nicht anders ist.

Moscheen am falschen Ort

Eine Moschee auf 1700 Muslime – das ist nicht schlecht, wenn man die Zahl mit derjenigen der katholischen und reformierten Kirchen vergleicht. Gut 2000 Reformierte teilen sich eine der 1000 reformierten Kirchen im Land. Rund 1500 Katholiken teilen sich eine der 1700 katholischen.

«Uns geht es nicht um mehr islamische Zentren, sondern um solche, die zentraler gelegen sind», sagt Hisham Maizar. Der gläubige Muslim steht einem der muslimischen Dachverbände, der Föderation islamischer Dachorganisationen, vor.

Das Problem: Vielerorts werden muslimische Kulturzentren an die Peripherie gedrängt. Nicht selten befinden sich die Lokale, zu denen manchmal eine Moschee, manchmal ein Gebetsraum gehört, in Industriequartieren.

Muslime wie Maizar wollen gut erreichbare Moscheen und islamische Kulturlokale. «Was nützt es älteren oder wenig mobilen Menschen, wenn die Moschee im Industriequartier liegt und nur mit dem Auto erreicht werden kann?», fragt Maizar.

Die ganze Schweiz spricht von Integration, Maizar dreht den Spiess um: «Wir möchten nicht nur uns, sondern auch die Gesellschaft integrieren. Wir wollen raus aus den Hinterhöfen und in die Öffentlichkeit.»

In Wil hatten die Muslime einen Neubau der Moschee geplant. Die Bauparzelle war gekauft, das Zentrum als Vorzeigeprojekt aufgegleist. Man habe alles versucht, so Maizar: Vorträge und öffentliche Veranstaltungen für die ganze Bevölkerung geplant. Transparenz geschaffen. Seit mehreren Jahren wird das Projekt in Wil durch Einsprachen vor Verwaltungsgericht blockiert.

Auch in Gebenstorf hat es noch nicht geklappt. Dort wollen die Muslime raus aus dem Gewerbegebiet und unter die Leute in einem Wohnquartier.