Rauchverbot
Rauchverbot: «Unheimlich, wie die einem von Bern mit Vorschriften dreinfahren»

Beizer reagieren unterschiedlich auf das neue Gesetz: Die einen investieren, die andern räumen Aschenbecher weg, doch beiden rauchen die Köpfe.

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Vakuum um Fumoir – die Ungewissheit bei den Wirten

Vakuum um Fumoir – die Ungewissheit bei den Wirten

Michael Hunziker, Toni Widmer

Das Restaurant Postillion in Gränichen ist eines jener Restaurants, die ein paar Quadratmeter zu gross sind, um eine Sonderbewilligung für Raucherbeizen beantragen zu können. Wirtin Elisabeth Stirnemann wird spätestens heute um Mitternacht ein Rauchverbotskleber an die Tür ihres Lokals kleben müssen. Ab dann darf hier nicht mehr geraucht werden.

«Ich sitze in einem Vakuum», sagt sie, «niemand weiss, welche Auswirkungen das Gesetz für uns Wirte hat.» Vielmehr, als die Aschenbecher von den Tischen zu nehmen und auf die Treue ihrer Gäste zu vertrauen, kann sie nicht tun. Jede Investition in ein Fumoir oder in ein komplexes Lüftungssystem könnte für sie «in den Sand gesetztes Geld» sein. Denn: «Wer weiss, ob in zwei Jahren nicht das totale Rauchverbot eingeführt wird», gibt sie zu bedenken.

Zuversichtlich ohne Raucher

Anders sieht das Margrit Grüter vom Restaurant Kalthof in Staffelbach: «Wir sind ab 1. Mai komplett rauchfrei und glauben nicht, dass wir deswegen Gäste verlieren werden.» Sie rechne eher mit positiven Auswirkungen des Rauchverbots: «Wir sind keine typische Stammbeiz mit einer überwiegend rauchenden Kundschaft, sondern ein Ausflugsrestaurant. Zu unseren Gästen zählen vor allem auch Familien mit Kindern sowie ältere Leuten, die zum Essen zu uns kommen. Gut möglich, dass diese Kundschaft unser Lokal künftig vermehrt aufsucht, weil es gänzlich rauchfrei ist», hofft die Wirtin. Überlegungen, in einen Raucherraum zu investieren, habe man sich im «Kalthof» zwar auch gemacht, die Pläne aber wieder verworfen: «Die Investitionen dafür wären sehr hoch und dürfen sich wohl kaum lohnen. Dies umso weniger, weil wir ab dem 1. Mai unsere Öffnungszeiten reduzieren und nur noch von Freitag bis Sonntag offen haben», ist Mar-grit Grüter überzeugt.

Keine Ausnahme mit Glück

Rolf Häfeli vom Cinema 8 in Schöftland hingegen investiert rund 200 000 Franken in seine neue Raucherbar im
1. Stock: «Ich habe lange zugewartet und die Entwicklung an der Gesetzesfront ebenso verfolgt wie die Reaktionen unserer Gäste in Hinblick auf das Rauchverbot. Dann bin ich zum Schluss gekommen, dass ich investieren muss», sagt Häfeli.

«Schuld» sei die uneinheitliche Regelung: «Das Gesetz ist völlig verunglückt, weil es Ausnahmen zulässt. Bist du bei den Ausnahmen, hast du Glück. Sonst hast du Pech und läufst Gefahr, dass dir die Kundschaft davonläuft.» Die Gäste in seiner Bar seien zu 80 Prozent Raucher, schätzt Häfeli. Diese möchte er nicht verlieren, zumal Raucher erfahrungsgemäss auch anders konsumierten als Nichtraucher.

Ein grosser Umbau

Vor sechs Wochen hat Rolf Häfeli den Entscheid gefasst, die Terrasse im 1. Stock zu überdachen und zu verglasen und damit die bisherige Sommerbar zur ganzjahrestauglichen Raucherbar zu machen. Das neue Lokal ist erst im Juni bereit. Im Mai müssen Raucher im Cinema 8 noch nach draussen gehen, sofern sie nicht schon in der Gartenwirtschaft sitzen.

Wirtin Therese Humbel vom Restaurant Eintracht in Schafisheim steht zwischen Verkehrspylonen vor ihrer Wirtschaft. Hier soll bald ein Fumoir aufgebaut werden, jedoch mit zweiwöchiger Verspätung. Denn die Baubewilligung hat sie eben erst jetzt bekommen, bis zum ersten Mai wird es nun nicht reichen. Über 100 000 Franken wird der gesamte Umbau kosten. «Und das nur, weil man mit dem Essen nicht durch den Raucherbereich gehen darf», klagt die Wirtin.

Erwarteter Umsatzeinbruch

Neben dem 30-plätzigen Fumoir wird auch noch ein neuer Eingang gebaut, damit niemand der Gäste mit dem Rauch auch nur in Berührung komme. Die Wirtin befürchtet nach dem 1. Mai einen Umsatzeinbruch von bis zu 30 Prozent: «Vor allem die Stammgäste, die abends nur eins trinken und ‹tabäklen› kommen, werden wohl auf die Imbissbuden ausweichen.» Bis das Fumoir steht, werden ihre Gäste draussen rauchen müssen. «Unheimlich, wie die einem von Bern mit Vorschriften dreinfahren», meint sie. Das Rauchen jedenfalls scheint ihr zu vergehen: «Ab dem 1. Mai werde ich aufhören. Von täglich 40 Zigaretten auf null.»

Im Restaurant Einstein in Aarau bleibt man gelassen. «Wir begrüssen zwar die Gesetzesänderung nicht, stellen jedoch fest, dass bei unseren Gästen die Nachfrage nach Nichtraucherräumen besteht», sagt Barbara Schilling.

Das «Einstein» wird heute um Mitternacht zu einem kompletten Nichtraucherlokal. Und durch den Sommer würde man wohl von der Gesetzesänderung nicht viel merken, meint sie.

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