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Rauchverbot in Beizen: «Kleine trifft es hart»

Die Restaurants haben ein halbes Jahr Zeit, den Nichtraucherschutz umzusetzen. Für solche, die Baugenehmigungen für Umbauten brauchen, wird es zeitlich knapp.

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Aargauer Zeitung

Mathias Küng

Über 20 000 Restaurants

In der Schweiz gibt es über 20 000 Restaurationsbetriebe. Rund 75 Prozent sind Kleinbetriebe: mit Chef/Chefin und 1 bis 2 Mitarbeitenden. Die trifft es laut Bruno Lustenberger am meisten. Im Aargau allein bestehen rund 1500 Restaurationsbetriebe. 400 davon sind laut Lustenberger heute schon rauchfrei oder bieten mindestens einen rauchfreien Raum an. 200 davon sind «klassische» Betriebe. (MKU)

Am 1. Mai 2010 gilt es in öffentlichen Gebäuden ernst mit dem Nichtraucherschutz. Hotels, Restaurants, Bars usw. in den Kantonen, in denen noch keine entsprechende Regelung in Kraft ist (zum Beispiel im Aargau), haben somit exakt ein halbes Jahr Zeit, um sich auf die neue Situation vorzubereiten.

Bruno Lustenberger, Mitglied des Geschäftsleitenden Ausschusses von Gastro Aargau und Hotelier in Aarburg, ist innerhalb des Verbandes Auskunftsperson für das neue Gesetz. Er schätzt den Zeitplan für die Inkraftsetzung als sehr ambitiös ein. Zwar nicht für diejenigen Restaurants, die rauchfrei werden. Die müssen bloss die Aschenbecher wegräumen. Doch wer ein Fumoir einrichten will, muss je nach Gegebenheiten einen Raum unterteilen, Türen einbauen oder andere bauliche Veränderungen vornehmen. Je nach Massnahme kann ein Baugesuch nötig werden. Falls so eins auch noch vom Kanton beurteilt werden muss, dann sei dieser Termin erst recht ambitiös, sagt Lustenberger. Sehr viele Gesuche für Raucherbetriebe erwartet er nicht, da sehr viel stimmen müsse, um eine Genehmigung bekommen zu können. Zudem seien Umbauten teuer, ohne dass es mehr Umsatz gibt. Gesuche stellen werden sicher Pubs und Bars. Die treffe das «rauchfrei» überproportional.

Überrascht von Tempo des Bundesrates

Natürlich wusste die Branche, dass der Nichtraucherschutz kommt. Im vom Grossen Rat verabschiedeten Gesetz war aber die Rede von einer Inkraftsetzung binnen zweier Jahre. Dass Pascal Couchepin die Neuregelung gewissermassen als letzte Bundesratshandlung noch durchbrachte, damit hatte die Branche nicht mehr gerechnet. Sie erwartete vielmehr, dass Nachfolger Didier Burkhalter nach entsprechender Einarbeitung das Gesetz bringen werde.

Mit Initiative gegen strenges Gesetz?

Wie geht es weiter? Klar, werden jetzt die Vorgaben aus Bern umgesetzt. In der Branche denken aber viele laut über eine nationale Initiative für eine mildere Regelung nach, etwa im Simmental. Die Aargauer wollen nichts allein unternehmen, würden sich laut Lustenberger aber anschliessen, falls Gastro Suisse eine solche Initiative unterstützen sollte. Hätte so eine Initiative eine Chance, nachdem das Volk den Nichtraucherschutz fast überall deutlich annimmt? Lustenberger hält entgegen, dass nach seiner Beobachtung in Kantonen mit restriktiven Regelungen wie Solothurn oder Bern «die Stimmung kippt» - nicht nur bei den Restaurantbetreibern. In Solothurn sei nach knapp einem Jahr von Umsatzeinbussen von 10 bis 20 Prozent die Rede. Es treffe weniger die «Grossen», dafür umso mehr «Kleine» und gerade Stammbeizen, in denen ein Feierabendbier getrunken und gern dazu geraucht wird. Lösen sich Stammtische jetzt nach und nach auf? In Kantonen mit Rauchverbot stelle man dies fest, sagt Lustenberger: «Diese Leute trinken ihr Feierabendbier künftig halt eher zu Hause und rauchen dort ihre Zigarette dazu.»