Rauchverbot
Rauchverbot hat kuriose Folgen

Das Rauchverbot, das nächsten Frühling in beiden Basel in Kraft tritt, tangiert nicht nur Beizen sondern auch Privatfeste – wenn eine Cateringfirma mit mehreren Angestellten angeheuert wird.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Daniel Aenishänslin

Am 1. Mai 2010 tritt im Kanton Baselland das Rauchverbot in Kraft, bereits am 1. April geht es den Rauchern in der Stadt an den Kragen. Das Verbot gilt in allen geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder mehreren Personen als Arbeitsplatz dienen. Dieser letzte Punkt stellt die in beiden Basel tätigen Catering-Firmen vor einige Probleme: Je nach Anlass müssen sie sich künftig warm anziehen. Wie sollen sie den Gästen im Festzelt am Grümpelturnier erklären, dass der Glimmstängel nach draussen gehört? Oder noch kontroverser: Jemand richtet in seinem eigenen Haus eine Feier aus, bucht aber einen Cateringservice und muss seinen Gästen das Rauchen verbieten. Obwohl er das vielleicht gar nicht will.

Hier sieht Thomas Anliker, Geschäftsführer von Berchtold Catering in Basel, ein «grosses» Problem. Und zwar nicht nur, was private Anlässe und Volksfeste betrifft. Neben anderen Restaurants betreibt Berchtold Catering die Sportbar Hattrick im St. Jakob-Park. An Spieltagen des FC Basel ist das Lokal rappelvoll. «Wenn ich den Gästen nächsten Winter vor einem FCB-Spiel sagen soll, sie dürften im Hattrick nicht mehr rauchen, muss ich mich schnell aus dem Staub machen.»

Diese Probleme sind dem Gesetzgeber bekannt. Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Sicherheitsdirektion, verweist zwar auf das Ziel der Verordnung, den Schutz der Arbeitnehmenden. Er gibt aber auch unumwunden zu: «Wir können gerade private Anlässe nicht überwachen». Um einzuschreiten, müsse schon eine Reklamation vorliegen. Die nötige Überwachung legt der Gesetzgeber in die Hände der Gemeinden und - wie das Pass- und Patentbüro in seinem Informationsschreiben ausführt - in jene der Wirte: «Wir sind überzeugt, dass die Gastronomiebetriebe sehr genau darauf achten werden, ob die gesetzlichen Bestimmungen bei ihrer Festwirtschaftskonkurrenz eingehalten und durchgesetzt werden.»

Das Rauchverbot im Cateringbereich könnte zudem von Schlaumeiern umgangen werden. Dann nämlich, wenn der Anlass nicht als öffentlich deklariert wird und nicht mehreren Personen als Arbeitsplatz dient. «Bediente Fumoirs sollten möglich sein, wenn die Arbeitnehmenden mit den Arbeitsbedingungen einverstanden sind», findet deshalb Roland Tischhauser, Hotelier und Gastgeber im Bad Bubendorf. Er bietet auch Catering an. Mit Umsatzeinbussen durch das Rauchverbot rechnen weder Tischhauser noch Thomas Anliker von Berchtold Catering. Beide sehen denn dem Rauchverbot trotz der genannten Probleme gelassen entgegen. «In unseren Restaurants halten wir das schon seit vier Jahren so. Ich finde, in öffentlichen Räumen, wo gegessen wird, ist das okay.» Auch seine Hotelzimmer sind allesamt rauchfrei.

Thomas Anliker pflichtet ihm bei: «In einem Speiselokal betrachte ich die Verordnung als problemlos umsetzbar, ja sogar wünschenswert.» Weniger gut gefalle ihm, wie absolut diese durchgesetzt werden soll. «In einer Bar, Disco oder in der Stammbeiz sollte frei wählbar sein, ob geraucht wird oder nicht», sagt Anliker. «Die Leute sollten nicht immer mehr bevormundet werden.»