Rauchverbot
Rauchverbot: Andere Kantone malen ein düsteres Bild

Am 1. April ist es so weit: In den meisten Basler Beizen darf nicht mehr geraucht werden. Einen Monat später zieht Baselland nach. Die Prognosen gerade für Kleinbetriebe sehen nicht gut aus.

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Bar vor dem Rauchverbot (Archiv)

Bar vor dem Rauchverbot (Archiv)

Keystone

Von Daniel Ballmer

«Gerade Quartierbeizen oder Bars mussten teilweise unheimliche Einbussen hinnehmen», sagt Peter Oesch. «Dort ging's ans Lebendige», stellt der Präsident von GastroSolothurn klar. So mancher Betrieb habe schliessen müssen, nachdem der Kanton Solothurn im Januar 2009 das Rauchverbot für Gastrobetriebe eingeführt hatte. Genaue Zahlen aber lägen dem Gastroverband nicht vor. Dennoch seien die Folgen nicht zu verharmlosen. Das Aus für Kleinbetriebe habe auch Konsequenzen für das Leben im Quartier oder im Dorf. Oesch: «Das Engagement dieser Beizen im sozialen Bereich wird schlicht unterschätzt.

Ähnlich im Kanton St.Gallen, wo das Rauchverbot bereits seit Anfang 2008 in Kraft ist. «Das Verbot belastet massiv», klagt der kantonale Gastroverband-Präsident Josef Müller. Manche Cafés hätten Umsatzeinbussen von bis zu 40 Prozent verzeichnen müssen. Es sei aber schwer abzuschätzen, ob geschlossene Betriebe nicht schon vorher wirtschaftliche Probleme hatten. «Das Verbot war allenfalls nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat», sagt Müller. «Die grösste Flurbereinigung aber haben wir wohl hinter uns.»

Dies sieht auch der Berner Gastro-Präsident Casimir Platzer so: «Gemäss einer repräsentativen Umfrage mussten die Lokale je nach Betriebstyp und Lage teilweise enorme Umsatzeinbussen verzeichnen.» Im Kanton Bern gilt das Rauchverbot seit Juli 2009. «Für die beizer ist die Situation damit nicht einfach geworden», sagt Platzer. «Es bildet nochmals eine weitere Einschränkung.» Betroffen seien auch hier vorab Kleinbetriebe. Speiserestaurants würden weniger leiden. Platzer prognostiziert denn auch für Basel-Stadt gerade für Quartierbeizen, Pubs oder Cafés Probleme. Erschwerend komme hinzu, dass die Basler Beizer ihre Gäste im Fumoir nicht bedienen dürfen. Dies im Gegensatz zu ihren Kollegen in Kantonen, in denen bereits ein Rauchverbot gilt: «Diese Möglichkeit hat die Situation für uns sicher etwas entschärft», sagt der Solothurner Peter Oesch.

Doch die Basler Wirte scheinen auch Vorteile zu haben. Darauf deutet das Beispiel Bern hin: «In städtischen Gebieten verzeichnen die Lokale durchschnittlich deutlich weniger Umsatzeinbussen», sagt Platzer. «Auf dem Land scheint die Ausgangslage viel schwieriger zu sein.» Aber auch in der Stadt hätten gerade Kleinbetriebe Mühe, die oft gar nicht die Möglichkeit hätten, ein Fumoir einzurichten.

Ein weiterer Vorteil für die beiden Basel: In den umliegenden Kantonen gilt zumeist bereits ein Rauchverbot. Die hiesigen Wirte werden nicht unter einem eigentlichen «Beizen-Tourismus» zu leiden haben. «Im Schwarzbubenland haben wir es enorm zu spüren bekommen, dass die Baselbieter Beizen noch kein Rauchverbot haben», sagt Oesch. Viele Gäste gingen über die Kantonsgrenze in die Wirtschaft. «Aus dieser Sicht sind wir froh, wenn die Konkurrenz in den Nachbarkantonen bald gleich lange Spiesse hat.»

Doch den Gastronomen droht bereits neues Ungemach: Mit der eidgenössischen Initiative «Schutz vor Passivrauchen» will die Lungenliga einheitliche Regeln für die gesamte Schweiz einführen. Öffentlich zugängliche Räume wie Restaurants, Bars, Schulen und Spitäler sowie alle Arbeitsplätze in Innenräumen sollen strikt rauchfrei werden, fordert die Initiative, die noch diesen Frühling eingereicht werden soll. «Mit dem jetzigen Gesetz haben wir doch eigentlich einen sinnvollen und praktikablen Schutz vor Passivrauch, der von der Bevölkerungsmehrheit auch akzeptiert wird», kommentiert GastroBern-Präsident Platzer. Das Rauchen völlig zu verbieten, gehe zu weit. «Damit würde sich die Situation für viele Beizer nochmals drastisch verschärfen», ergänzt der Solothurner Peter Oesch. «Doch der Lungenliga ist das völlig egal. Die Wirtschaftlichkeit der Gastronomie interessiert sie überhaupt nicht.»