Als «tolle Demonstration» bezeichnete Oberbürgermeister Eberhard Niethammer den Publikumsaufmarsch von über 300 Personen im Bürgersaal des Rathauses von Rheinfelden Baden. Er wertete das grosse Interesse als weitere Unterstützung der Anstrengungen, die Stadtammann Franco Mazzi und er zusammen mit den Behörden beider Städte für die Rettung des alten Rheinkraftwerks unternehmen: «Wir sind bereit zu kämpfen», versprach Niethammer.

Es brauche aber den guten Willen von allen, niemand dürfe auf seiner Maximalforderung beharren. Vor wenigen Tagen seien sie, so Niethammer, beim Baudepartement des Kantons Aargau auf offene Ohren gestossen.

Im Wesentlichen geht es laut Niethammer jetzt darum, von Behördeseite aus dafür zu sorgen, dass Energiedienst als Besitzerin des alten Maschinenhauses von der Verpflichtung entbunden wird, dieses nach Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks (2010) abreissen zu müssen.
im einklang mit der Natur

«Es ist drei Sekunden vor zwölf», meinte Henri Leuzinger. Die Zeit spiele als dritter Faktor nebst den Kosten und der Umwelt eine entscheidende Rolle. Nachdem herausragende Fachleute die historische Bedeutung des Kraftwerks Rheinfelden vorgetragen hatten, kam er darauf zu sprechen, wie es erhalten werden könnte - und zwar im Einklang mit dem Naturschutz.

Die Überprüfung der Umweltverträglichkeit habe fünf Problemfelder zutage gefördert: Lockströmung, ornithologische Bedeutung, Flora-Fauna und terrestrische Durchlässigkeit könnten demnach auch bei Erhalt des alten Kraftwerkgebäudes mit einfachen Mitteln sichergestellt werden.

Ersatz-Gwild

Der Knackpunkt sei die terrestrisch-aquatische Vernetzung: Durch den Erhalt des alten Kraftwerks werde diese Durchlässigkeit im Vergleich zum aktuellen Projekt ebenso vermindert wie die Ökoausgleichsfläche, die durch den Abbruch entstehen würde. Die Lösung: Flussabwärts könnte im Raum Höllhaken rechtsrheinisch eine Ersatz-Gwild-Fläche geschaffen werden.

In hydraulischen Modellrechnungen kann dieses laut Leuzinger so optimiert werden, dass keine Beeinträchtigung des Abflussregimes des neuen Kraftwerks zu erwarten ist. Sein Fazit: Das Ersatz-Gwild ist machbar, aber teuer.

Steg wird nicht vergessen

Die IG Pro Steg, die heute rund 200 Mitglieder zählt (mehr Schweizer als Deutsche), hatte sich ursprünglich aus Sorge um den ebenfalls vom Abbruch bedrohten Kraftwerksteg über den Rhein formiert.

Stadtammann Mazzi versprach, dieses nebst dem immensen Maschinenhaus-Projekt inzwischen etwas in den Hintergrund geratene Anliegen nicht zu vernachlässigen: «Wenn wir das Kraftwerk erhalten können, ist auch der Steg gerettet; wenn das Kraftwerk nicht bestehen bleibt, werden wir einen neuen Steg in der Nähe planen.» Mazzi unterstrich, wie ernst es Rheinfelden mit diesem Flussübergang meint, damit, dass die Stadt dafür bereits einen Betrag im Budget eingestellt hat.