Raser
«Raser von Schönenwerd» ab nächsten Montag vor Gericht

Die heute veröffentlichte Anklageschrift gegen die drei Fahrer, welche im November 2008 am Unfall in Schönenwerd beteiligt waren, ist happig: Vorsätzliche Tötung, vorsätzliche schwere und einfache Körperverletzung, grobe Verletzung der Verkehrsregeln.

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Ein Jahr seit Raserunfall Schönenwerd vergangen (Archiv)

Ein Jahr seit Raserunfall Schönenwerd vergangen (Archiv)

Keystone

Die drei 20-jährigen Männer griechischer, kroatischer und türkischer Herkunft müssen sich ab kommenden Montag wegen des tödlichen Raserunfalls von Schönenwerd SO vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen hat für den Prozess sieben Verhandlungstage angesetzt. Knapp ein Dutzend Zeugen, die Opfer sowie mehrere Sachverständige sollen im Prozess Auskunft geben. Das Urteil wird am 27. Oktober verkündet.

21-jährige Schweizerin getötet

In der Nacht auf den 8. November 2008 hatten die damals 18- Jährigen laut Anklageschrift beschlossen, so schnell wie möglich von Aarau nach Schönenwerd zu fahren. Bei feuchter Fahrbahn und nebliger Sicht waren sie massiv zu schnell unterwegs und fuhren waghalsige Überholmanöver.

Mit 116 bis 129 Kilometern pro Stunde anstatt der erlaubten 50 km/ h passierten sie die Ortseinfahrt Schönenwerd. Kurz danach rasten sie in ein Auto, das aus der Gegenrichtung kam und zum Abbiegen die Fahrbahn überqueren wollte.

Eine 21-jährige Schweizerin verlor ihr Leben. Der damals 59- jährige Fahrer des Autos wurde verletzt - seine 62-jährige Ehefrau auf dem Beifahrersitz trug schwere Verletzungen davon. Gemäss Anklageschrift leidet sie bis heute unter den körperlichen und seelischen Folgen des Unfalls.

Hohes Tempo führte zu tödlichem Unfall

Wären die Angeklagten nicht zu schnell gefahren, wäre es nicht zum Zusammenstoss gekommen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Das verunfallte Fahrzeug hätte sich bereits aus dem Gefahrenbereich entfernt gehabt. Zudem hätte der vorderste Fahrer bremsen können.

Der abbiegende Fahrer habe keine Chance gehabt, die Autos rechtzeitig wahrzunehmen. Den drei ortskundigen Lenkern wird vorgeworfen, durch ihre massiv übersetzte Geschwindigkeit den Tod von anderen Verkehrsteilnehmenden in Kauf genommen zu haben.

Sollte ihnen vorsätzliche Tötung nicht nachgewiesen werden können, wird die Staatsanwaltschaft auf fahrlässige Tötung sowie fahrlässige schwere und einfache Körperverletzung plädieren.

Politik fordert schärfere Strafen

Der Unfall hatte schweizweit für Aufmerksamkeit gesorgt und grosse Anteilnahme geweckt. Neben den juristischen hatte er auch politische Folgen: So lancierte die Strassenopfer-Stiftung «RoadCross» eine Volksinitiative für eine härtere Bestrafung von Rasern.

Die im Frühling gestartete Initiative verlangt eine Mindeststrafe von ein bis vier Jahren Gefängnis für Raser, die das Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingehen. Am vergangenen Mittwoch reagierte der Bundesrat.
Unter anderem wegen der Raser-Debatte schlug er vor, die Strafandrohung für fahrlässige Tötung und fahrlässige schwere Körperverletzung von drei auf fünf Jahre Freiheitsentzug anzuheben. Dasselbe hatte eine Standesinitiative aus dem Kanton Solothurn gefordert. (jep/sda)