Schönenwerd

Raser: Jetzt gibt es Hausdurchsuchungen und Handyentzug

Nächtliche Polizeikontrolle (Archiv)

Nächtliche Polizeikontrolle (Archiv)

Heute eröffnet das Amtsgericht Olten-Gösgen die Urteile gegen die Raser von Schönenwerd. Eine Umfrage bei den Kantonen zeigt: Die Polizei greift bei Temposündern zunehmend härter durch.

So tragisch das Raserrennen durch den Nebel von Schönenwerd im November 2008 endete - für die Verfolgung von extremen Temposündern war es ein Wendepunkt.

Denn heute geht die Polizei zunehmend härter gegen Raser vor. Dies zeigt eine Umfrage bei den Kantonen.

Bei Aargauer Tempobolzern steht die Kantonspolizei seit einigen Monaten noch in derselben Nacht vor der Tür und entzieht ihnen den Fahrausweis: «Mit den neuen Lasermessgeräten können wir Schnellfahrer aus grosser Distanz erfassen, die Daten auswerten und die betroffene Person zu jeder Tages- und Nachtzeit aufsuchen», sagt Sprecher Roland Pfister gegenüber az aargauerzeitung.ch. Die Wirkung solcher Haus- oder Arbeitsortbesuche mit einem sofortigen Ausweisentzug sei natürlich abschreckend.

Auch die Kantonspolizei Zürich greift hart durch. «Wir prüfen jeweils in Absprache mit der Staatsanwaltschaft, ob eine Hausdurchsuchung oder eine Beschlagnahmung von PC oder Handy nötig sind», sagt Mediensprecher Stefan Oberlin.

Im Aargau wird das Handy praktisch immer konfisziert. «Es hilft uns, entweder die Unfallursache auszuwerten oder festzustellen, ob allenfalls andere Raserfahrten gefilmt wurden», so Pfister.

Luzern mit Standartvorgehen, Solothurn zieht nach

Besonders strikt geht der Kanton Luzern gegen Temposünder vor. Dort kommt seit Februar 2009 ein standardisiertes Vorgehen zu Zug. Dazu gehört der Entzug von Fahrzeug und Führerausweis. Extreme Fälle mit Verletzten oder Toten, oder Wiederholungstätern werden wenn möglich vor Gericht gebracht. «Zudem werden nach Rücksprache mit dem Amtsstatthalter bei mutmasslichen Rasern regelmässig Hausdurchsuchungen durchgeführt», sagt Simon Kopp, Informationsbeauftragter der Strafuntersuchungsbehörden Kanton Luzern gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Offenbar mit Erfolg: «Bei mehreren solchen Hausdurchsuchungen wurde belastendes Material gefunden mit dem man weitere Geschwindigkeitsexzesse nachweisen konnte.»

Auch im Kanton Solothurn ist ein solch standardisiertes Vorgehen geplant. Die Arbeitsgruppe Raser hat ein Paket mit 17 Einzelmassnahmen erarbeitet.

Keine Pläne im Baselland

Dieses enthält unter anderem eine Raserdefinition, eine Erhöhung der Radarkontrollen an ausgewählten Strecken, gezielte Kontrolle von Personen, denen der Führerausweis entzogen wurde oder die Überweisung von Rasern in Lernprogramme. Das überarbeitete Programm soll dem Regierungsrat spätestens Ende Dezember vorgelegt werden.

Noch keine solchen Pläne hat der Kanton Baselland. Sprecher Meinrad Stöcklin: «Wir haben kein Standardvorgehen vorgesehen. Jeder Fall wird einzeln beurteilt und allfällige Massnahmen werden dann in Absprache mit den zuständigen Untersuchungsbehörden besprochen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1