Roadcross
Raser-Initiative profitiert von Schönenwerd

Unterschriftensammlung des Strassenopfer-Vereins läuft heiss. Die erhöhte Aufmerksamkeit wegen des Raser-Prozesses in Schöenwerd kommt den Initianten gelegen. Es braucht nämlich einen Effort, um die Unterschriften zusammenzubekommen.

Benno Tuchschmid
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Die ganze Schweiz schaute nach Olten, als am 20. September der Prozess gegen die Raser von Schönenwerd (siehe Kontext) begann. «Raser von Schönenwerd wurden rückfällig», «Staatsanwalt fordert sieben bis acht Jahre», «Erneute Verhaftung spielt keine Rolle» – Schlagzeilen und Ereignisse überschlugen sich während des Prozesses. Dazu kam die Diskussion um den verurteilten Raser Bljerem S., den das Bundesgericht aus der Schweiz auswies. Raser waren mit einem Schlag wieder öffentliches Diskussionsthema Nummer eins. Noch hat das Amtsgericht Olten-Gösgen kein Urteil gefällt, doch schon jetzt gibt es einen grossen Profiteur vom Rummel um die Raser von Schönenwerd: die Strassenopfer-Vereinigung Roadcross und ihre Initiative «Schutz vor Rasern».

Die Emotionen gehen hoch

Valesca Zaugg, Geschäftsführerin von Roadcross, sagt: «Bei uns lief das Telefon heiss.» Zahlreiche Bürger riefen seit Beginn des Raserprozesses bei Roadcross an und verlangten Unterschriftenbogen. Und nicht nur das: «Wir spüren die erhöhte Aufmerksamkeit auch auf Facebook, wo die Diskussionen zunehmen.»

Ende April hat Roadcross die Initiative lanciert, etwas über 80000 Unterschriften sind mittlerweile zusammen. Jetzt hofft die Organisation auf einen Schub bei der Unterschriftensammlung. Die Hoffnungen sind offenbar berechtigt: «Wir erhalten täglich Briefe von Menschen, die Unterschriftenbogen bestellen, weil sie der Fall Schönenwerd so beschäftigt.» Auch die Ausschaffung von Rasern wird immer wieder thematisiert. Zaugg stellt aber klar: «Uns geht es um gezielte Massnahmen gegen Raser, Abschiebungen sind nicht unser Thema.»

Unterschriften werden beglaubigt

Die erhöhte Aufmerksamkeit kommt den Initianten gelegen: «Es braucht noch einen Effort, um die restlichen Unterschriften zu bekommen», sagt Zaugg. Die Organisation einer Initiative sei für eine kleine Organisation sehr aufwändig. So können die Initianten zum Beispiel nicht auf ein Netzwerk von Unterschriftensammlern zurückgreifen.

Umso mehr versuchen die Initianten nun, die Aufmerksamkeit zu nutzen: In den letzten Wochen versandte Roadcross in der ganzen Schweiz Unterschriftenbogen. Und nun wartet die Organisation auf den Rücklauf. Laut Zaugg wird derzeit rund ein Drittel der 80000 bereits gesammelten Unterschriften beglaubigt. Noch dieses Jahr will Roadcross die Zahl von 100000 beglaubigten Unterschriften erreichen und die Initiative einreichen.

Spätestens in drei Wochen wird die Schweiz wieder nach Olten ins Amtsgericht schauen. Und bei Roadcross werden die Telefone heiss laufen: «Wenn am 27. Oktober das Urteil gesprochen wird, erwarten wir nochmals einen Schub», sagt Valesca Zaugg.