Schweiz

Rasanter Anstieg der Gesuche: 21'000 Betriebe wollen Kurzarbeit einführen

Hans-Peter Lenz, Chef Krisenmanagementzentrum beim EDA, spricht an der Medienkonferenz mit Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten vom Bundesamt für Gesundheit.

Hans-Peter Lenz, Chef Krisenmanagementzentrum beim EDA, spricht an der Medienkonferenz mit Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten vom Bundesamt für Gesundheit.

Zurzeit sind rund 315'000 Arbeitnehmende von Kurzarbeit betroffen. Die meisten Gesuche kommen aus dem Kanton Tessin.

(gb.) Der Anstieg an Gesuchen zur Kurzarbeit sei unvergleichlich zu früheren Krisenzeiten, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit SECO am Montagnachmittag an einer Pressekonferenz in Bern. Zuletzt seien in der Schweiz 2009 im Kontext der Finanzkrise Gesuche für Kurzarbeit gestellt worden.

Im Vergleich zum Februar hatten die Gesuche rasant zugenommen, wie Zürcher sagte. Wichtig sei, dass die Betriebe ihre Gesuche so rasch wie möglich einreichten. Rückwirkende Auszahlungen an die Betriebe seien nicht möglich, so Zürcher.

Zügeln ist weiterhin möglich

An der Pressekonferenz anwesend war auch Martin Tschirren, Direktor Bundesamt für Wohnungswesen BWO. Mit Blick auf den 31. März, der vielerorts ein regulärer Zügeltermin ist, äusserte er sich zum Thema Umzüge. Diese seien weiterhin erlaubt, sagte Tschirren.

Es müssten dabei aber die Hygienevorschriften des Bundes beachtet werden, von den Umzugsunternehmen als auch von den Reinigungsfirmen. Schlüsselübergaben könnten ausserdem auch ohne einen persönlichen Kontakt stattfinden, sagte Tschirren. Etwa, indem der Schlüssel der neuen Mieterschaft hinterlegt werde.

Noch unklar ist, wie mit drohenden Mietausfällen umzugehen ist. Tschirren sagte dazu, es fänden am Dienstag Gespräche zwischen Vertretern der Mieter und Vermieter statt. Dort soll unter anderem diskutiert werden, was passiert, wenn ein Geschäft seine Ladenmiete nicht mehr bezahlen kann.

Grösste Rückholaktion in der Geschichte der Schweiz

Derweil organisiert das Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) die «grösste Rückholaktion, die es in der Schweiz je gegeben hat», sagte Hans-Peter Lenz, Leiter des Krisenmanagementzentrums beim EDA. Übers Wochenende hätten sich 7500 Reisende beim EDA gemeldet. Priorisiert würden Touristinnen und Touristen, aber auch Auslandschweizer könnten sich um eine Rückführung bemühen, sagte Lenz.

Weil vielerorts Flüge ausfallen oder Flugverbindungen gar eingestellt wurden, sitzen Schweizer Reisende zurzeit in den verschiedensten Orten der Welt fest. Viele von ihnen würden sich an abgelegenen Orten aufhalten, sagte Lenz. Die Vertretungen vor Ort unterstützten diese dabei, nach Hause zu kommen.

Wie das konkret ablaufen kann, schilderte Lenz an einem Beispiel aus Südamerika. Das EDA hat dort Inland-Charterflüge organisiert, um rund 750 Schweizer Passagiere in San José (Costa Rica), Bogotá (Kolumbien) und Lima (Peru) abzuholen. Sämtliche Reisende müssten sich nach ihrer Rückkehr in die Schweiz einer zehntägigen Quarantäne bei sich zu Hause unterziehen, sagte Lenz.

Über 8000 Fälle positiv getestet

Bei der Pressekonferenz wurden auch die aktuellen Fallzahlen mitgeteilt. In der Schweiz gibt es zurzeit 8000 Menschen, die positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. 70 Menschen seien daran gestorben, sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit.

Meistgesehen

Artboard 1