Ralph Lewins Velohüsli wird legal

Velohäuschen Im vergangenen Jahr bewilligte das Bau- und Verkehrsdepartement 91 Veloabstellanlagen. Das muss sie künftig nicht mehr machen. Kenneth Nars

Velohüsli

Velohäuschen Im vergangenen Jahr bewilligte das Bau- und Verkehrsdepartement 91 Veloabstellanlagen. Das muss sie künftig nicht mehr machen. Kenneth Nars

Ab dem 1. Mai braucht es für Veloabstellanlagen vor dem eigenen Haus keine Bewilligung mehr.

Yen Duong

Es handelt sich nur um ein Velohäuschen im Vorgarten, doch genau dieses Häuschen kann das Leben eines Hausbesitzers in Basel-Stadt für einige Wochen schwerer machen. Für die gedeckte Veloabstellanlage (leichte Metallkonstruktion mit Kunststoffdach) braucht es nämlich eine Baubewilligung.

Der Hausbesitzer muss demnach ein Baugesuch beim Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt (BVD) einreichen. Danach folgt die Publikation im Kantonsblatt, eine grosse Affiche vor dem Haus, verwaltungsinterner Bewilligungsablauf und im idealen Fall letztendlich ein Eintrag in den Grundbuchplan. Sieben bis acht Wochen dauert ein solches Bewilligungsverfahren, 100 Franken kostet es den Hausbesitzer. Das BVD hat im vergangenen Jahr 91 Velohäuschen bewilligt. Damit soll jetzt aber Schluss sein, wie Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels der bz bestätigt.

«Ab dem 1. Mai braucht es für Velohüsli ausserhalb der Schutzzone keine Baubewilligung mehr», kündigt er an. Das BVD wolle jenen Personen, die «ja sowieso schon mit dem Velo unterwegs» sind, nicht unnötige Umtriebe bereiten. Das Velofahren solle schliesslich gefördert werden. «Mit dem Wegfall der Bewilligungspflicht für Velounterstände können wir auch den internen bürokratischen Aufwand verkleinern», begründet Wessels.

Unter Schneider klappte es noch nicht

Der BVD-Direktor wurde von einem Bürger, Lars Handschin, auf das Problem aufmerksam gemacht. Handschin kaufte sich letztes Jahr ein Velohäuschen für rund 3500 Franken. «Ich hätte nie gedacht, dass ich dafür eine Bewilligung brauche», sagt er der bz, «das ist ja auch völlig absurd.» Er wollte schliesslich ja kein Haus bauen, sondern bloss ein Velohäuschen aufstellen.» Als Handschin erfuhr, dass eine Bewilligung nötig ist, habe er im Nachhinein ein Gesuch eingereicht. Der Familienvater bekam aber negativen Bescheid: Sein Häuschen würde nicht ins Stadtbild passen, es müsse verkleinert werden, hiess es.

«Das Velohäuschen war etwas länger als die üblichen, wir sind nun mal eine sechsköpfige Familie. Ich habe mich dann so darüber geärgert, dass ich Hans-Peter Wessels eine nette Nachricht sendete und mich darüber beklagte», erklärt Handschin. Dass das BVD jetzt die Bewilligungspflicht für Velohäuser ganz streiche und er somit sein Häuschen behalten könne, damit hätte er nie gerechnet.

Veloabstellanlagen waren auch schon im Grossen Rat ein Thema. Im Juni 2006 reichte der ehemalige Grossratspräsident Roland Stark (SP) einen Anzug bezüglich Veloabstellanlagen ein: Die Regierung solle prüfen, ob das Bewilligungsverfahren für Velohäuschen nicht vereinfacht werden könne. Eine negative Antwort kam im April 2008 - der Anzug wurde stehengelassen. Damals war noch Barbara Schneider Baudirektorin.

Alt Regierungsrat Lewin ist erleichtert

Laut Wessels gebe es viele unbewilligte Velohäuschen. «Viele kommen nicht auf die Idee, dass es dafür eine Bewilligung braucht. Ich habe auch schon gehört, dass sogar ehemalige Regierungsräte ein illegales Velohäuschen haben», meint er schmunzelnd.

Und tatsächlich: Ein illegales Häuschen besitzt der ehemalige Wirtschaftsdirektor Ralph Lewin. «Das Velohäuschen habe ich schon seit Jahren. Ich habe erst später erfahren, dass es bewilligungspflichtig ist», sagt Lewin. Ein Gesuch habe er im Nachhinein dennoch nicht eingereicht. Er hätte aber sicher eine Bewilligung bekommen, da es sich um das übliche Velohaus-Modell handle. «Aber ich bin froh, dass sich ein solches Gesuch nun erübrigt», meint Lewin lachend.

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