Zwar sei das EU-Forschungsprogramm nicht Teil des Rahmenabkommens, sagte Joël Mesot, Präsident der ETH Zürich (ETHZ), am Dienstag gegenüber Journalisten am Rande einer Tagung in Brüssel.

Doch befürchten er, Martin Vetterli, Präsident der ETH Lausanne (EPFL) und Gian-Luca Bona, Direktor der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), dass ein Nein zum Rahmenabkommen Einschränkungen beim Forschungsabkommen "Horizon Europe" zur Folge haben wird.

Denn die EU-Kommission hat bei ihrem Entwurf zu "Horizon Europe" eine neue Kategorisierung für Drittstaaten vorgenommen. Neu ist die Schweiz nicht mehr wie bisher in der Kategorie eins mit Norwegen, Liechtenstein und Island, sondern in der Kategorie vier.

Einschränkungen möglich

Zwar dementierte Brüssel, dass dadurch Nachteile für die Schweiz entstünden. Bern könne ein Assoziierungsabkommen abschliessen "exakt wie es heute unter 'Horizon 2020'" der Fall sei, hiess es seitens der EU-Kommission.

Doch gibt die neue Kategorisierung gemäss Schweizer Experten der EU die Möglichkeit, die Beteiligung eines Landes aus der Kategorie vier einzuschränken oder an zusätzliche Bedingungen zu knüpfen.

Genau das befürchten die beiden ETH-Präsidenten und der Empa-Direktor bei einem Nein zum Rahmenabkommen. Zwar hat der Schweizer Forschungsstandort laut den drei Spitzenforschern in der EU einen ausgezeichneten Ruf.

Gehe es nach den Experten, wie etwa jenen in der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission, mit denen sich die drei am Dienstagmorgen getroffen hatten, dann müsste die Schweiz volle Beteiligung an "Horizon Europe" erhalten, sagten sie drei Schweizer.

Primat der Politik

Doch mehr und mehr würden bei der EU politische Überlegungen in den Vordergrund treten. EPFL-Präsident Vetter verwies an dieser Stelle an die Suspendierung von "Horizon 2020" nach dem Ja zur Zuwanderungsinititive im Februar 2014.

Damals hatte man den Forschern und Wissenschaftlern vorgeworfen, sich im Vorfeld nicht für ihre Interessen eingesetzt zu haben. Diesem Vorwurf wollen sich die Forscher kein zweites Mal aussetzen. "Wir haben gelernt", sagte Vetterli.