Pandemie

Quarantäne-Kontrollen werden strenger: Schweizweit betrifft das derzeit rund 20'000 Personen

Die meisten Verzeigungen gab es mit 14 im Kanton Zürich.

Die meisten Verzeigungen gab es mit 14 im Kanton Zürich.

Verschiedene Kantone setzten vermehrt auf Polizeikontrollen – mitunter sind Verzeigungen die Folge. Die meisten Kontrollen hat der Kanton Zürich vorgenommen.

Einen teureren Spaziergang hat der 44-Jährige Zürcher bestimmt noch nie unternommen: 2000 Franken Busse und 750 Franken Bearbeitungsgebühr muss der Mann berappen, weil er drei Stunden ausser Haus war. Und sich damit nicht an die verordnete Corona-Quarantäne gehalten hatte. Die Zürcher Kantonspolizei ertappte den Mann, der nach einer Reise nach Serbien eigentlich zehn Tage zu Hause hätte bleiben müssen, bei einer Kontrolle.

Der Fall, über den der «Tages-Anzeiger» berichtete, ist zwar immer noch eine Seltenheit in der Schweiz. Doch er zeigt auch exemplarisch, dass die Kantone bei der Quarantäne-Kontrolle heute strenger sind als noch zu Beginn der Pandemie. Schweizweit befinden sich derzeit rund 20'000 Personen in Quarantäne, weil sie aus einem Risikoland einreisten oder mit einer infizierten Person engen Kontakt hatten.

Der Kanton Zürich setzt auf Polizeikontrollen

Als der Zürcher Regierungsrat letzte Woche zu einer Pressekonferenz in Sachen Corona bat, brachte Sicherheitsdirektor Mario Fehr einen Stapel Zahlen mit, die eine Botschaft vermitteln sollten: Wir schauen genau hin. Der SP-Politiker berichtete von tausenden Kontrollen der Schutzkonzepte in Läden. Und auch von Polizeieinsätzen, um zu prüfen, ob sich die Leute an die Quarantänepflicht halten. Seit Anfang August hat die Zürcher Kantonspolizei 1500 solche Kontrollen durchgeführt.

Andere Kantone sind weniger offenherzig, was die genauen Zahlen betrifft. Doch eine Umfrage dieser Zeitung zeigt: Die Polizei wird nun deutlich häufiger beigezogen als noch im Mai. Damals gab nur ein Kanton – Basel-Stadt – an, dass es im Zusammenhang mit einer Quarantänekontrolle schon einmal zu einem Polizeieinsatz gekommen sei. Mittlerweile teilen diverse Kantone mit, dass die Polizei zur Kontrolle eingesetzt werde, wenn dies die Situation erfordere. Der Kanton Solothurn etwa hat mit der Kantonspolizei einen standardisierten Prozess erarbeitet. Kontrolliert werden in erster Linie Personen, bei denen ein Verdacht besteht, dass sie die Quarantänepflicht missachten. Daneben machen die Solothurner Behörden aber auch Stichprobenkontrollen. Meldungen aus der Bevölkerung gehe man «systematisch und konsequent» nach.

Generell gilt, dass der Corona-Föderalismus auch bei der Quarantäne-Kontrolle sichtbar wird. So intensiv wie die Zürcher kontrolliert kein anderer Kanton. Genf etwa gibt an, dass die Polizei seit Anfang August pro Wochentag durchschnittlich fünf Kontrollen durchführe. In der Waadt, einem anderen von der Pandemie stark betroffenen Kanton, kam es bisher insgesamt zu nur 16 Polizeieinsätzen.

Bern hat null Verzeigungen, der Kanton Glaurs elf

Wie vielen Schweizern es so erging wie dem Mann aus dem Kanton Zürich, lässt sich nicht genau eruieren. Fest steht aber, dass es in verschiedenen Kantonen zu Verzeigungen gekommen ist, weil sich Leute nicht an die Quarantänepflicht gehalten haben. Noch im Mai war das erst einmal – im Kanton Luzern – der Fall gewesen. Nun meldet Zürich 14 Verzeigungen, Glarus und Solothurn elf, Genf zwei und Basel-Stadt sowie Schaffhausen eine. Andere, etwa Zug, berichten von «einigen wenigen» Verzeigungen, Graubünden von «einzelnen» eröffneten Verfahren, während Verzeigungen im Wallis «sehr selten» sind. Verschiedene Kantone, darunter auch Zürich, betonen, die Quarantänedisziplin sei nach wie vor gut. Warum dann die stark ausgebauten Kontrollen? Weil der «konsequente Vollzug» Teil der Strategie zur Bekämpfung von Covid-19 sei, heisst es aus Zürich.

Während auch in kleineren Kantonen wie Glarus verzeigt wird, passiert das teilweise in den grösseren nicht. So geben etwa Bern oder St. Gallen, aber auch Freiburg und Baselland an, dass bisher niemand wegen einer Missachtung der Quarantänepflicht verzeigt wurde. Andere erteilen keine Auskunft.

Autor

Dominic Wirth

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