Puff wegen Deal auf DRGN-Bänkli

Der Strassendeal in der Berner Münstergasse verunsichert Anwohner und Gewerbler. Der Ärger konzentriert sich besonders auf eine Parkbank, die als Drogen-Bänkli für alle erkennbar angeschrieben ist.

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Parkbank

Parkbank

Keystone

«Hello, how are you?» - Der kollegiale Gruss in gebrochenem Deutsch unter den Lauben in Berns Weltkulturerbe ist freundlich. Doch er erfolgt mit Hintergedanken. Noch während man mit zügigem Schritt weiterzieht, ruft einem der knapp 30-Jährige, nordafrikanischer Herkunft, aufdringlich hinterher: «You need anything?» - Ein Handel derselben Person in einem Seitengässchen ein paar Minuten später auf dem Rückweg lässt den Schluss zu: Damit mussten Drogen gemeint sein.

Hektisch und weniger friedlich

Verzögerung bei den Berner «City Patrols»

Über Dealer beschweren sich nicht nur Vertreter aus Berns unterer Altstadt immer wieder. Letzten September buchte die Interessengemeinschaft Aarbergergasse beispielsweise einen Monat lang eine Protectas-Patrouille, um Randständige und Dealer aus der Gasse zu weisen. Die Kosten für diese «City Patrols» bezahlte die IG selber. Aufgrund der «positiven Erfahrungen» der Interessengemeinschaft wollte sich die Innenstadtvereinigung «BernCity» für «City Patrols» in der ganzen Innenstadt einsetzen. Private und die Stadt sollten diese bezahlen. «Bern City»-Geschäftsführer Martin Bühler sagte auf Anfrage, nicht alle Gespräche hätten bisher stattgefunden; noch sei kein Entscheid gefallen. Aufgrund der Berichte im Januar hätten aber weitere private Sicherheitsanbieter Interesse am Auftrag bekundet. Das Grüne Bündnis reichte zudem im Stadtrat einen Vorstoss ein, der Klarheit bringen soll, wie weit Aufgaben zur Wahrung der öffentlichen Ordnung an private Sicherheitsdienste abgetreten werden dürfen.

Trügt das Bild? Glaubt man Gewerbetreibenden in der Gasse, wird die Szenerie jeweils ab 18 Uhr hektisch. Und vor allem weniger friedlich als tagsüber. Nicht selten fühlten sich vor allem Touristen vom nahen Münster vom Drogenumschlag bedroht. Doch niemand mochte dazu viele Worte
verlieren. Fritz Gyger, Präsident der Vereinigten Altstadtleiste und Wirt im nahen Restaurant Harmonie, sagt: «Wir sind mit der Stadt zu diesem Thema seit längerem in intensiven Diskussionen. Mehr will und kann ich im Moment dazu nicht sagen.»

«Stoff» gibts auf dem DRGN-Bänkli

Hinter vorgehaltener Hand reden Anwohner und Gewerbler dann doch. Nebst dem, dass Touristen vor dem Deal schon in Läden geflohen seien und gar Mütter mit Kinderwagen von Dealern belästigt wurden, stösst am Münsterplatz vor allem das Bänkli mit den aufgesprayten Buchstaben «DRGN» (wohl eine Abkürzung für Drogen, wird gemunkelt) sauer auf. Denn dort postierten sich regelmässig Drogenhändler; warteten ab, bis sich jemand darauf niederlasse, was bedeute, dass derjenige auf der Suche nach «Stoff» sei. Dann kämen sie sofort hinter den Laubenbögen hervor und wickelten die Deals ab.

Die Geschichte mit dem DRGN-Bänkli mag man bei der Kantonspolizei so konkret nicht kommentieren. Mediensprecherin Rose-Marie Comte sagt, dass das Gebiet Münsterplatz/Münstergasse für die Kantonspolizei (Kapo) «seit längerem ein Brennpunkt» sei. Unter anderem in diesem Gebiet habe die Kapo jüngst «immer wieder Interventionen» durchgeführt. Details will sie indessen nicht preisgeben. Auf Klagen aus Anwohner- und Gewerbekreisen angesprochen, sagt Comte, dass sich die Situation laut den Erkenntnissen der Kapo «seit November objektiv gesehen nicht verändert» habe.

Warum putzt «Casablanca» nicht?

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) bestätigt die Gespräche mit Gewerbe- und Anwohnervertretern. Noch sei aber nichts spruchreif; «steigen die Temperaturen, werden wir beobachten, wie sich die Situation entwickelt». Er sei persönlich dagegen, öffentliche Sicherheitsaufgaben an Private zu delegieren (s. Text unten). Eine «bewährte Strategie» sei, Repression mit flankierenden Angeboten zu paaren. Auch wenn die untere Altstadt aufgrund ihrer Distanz von der Überlastung der Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse weniger stark betroffen sei, sei deren Ausbau ein wichtiges Anliegen (vergleiche Kasten).

Noch etwas fragt man sich in der Gasse. Warum Casablanca, die Wegputz-Aktion für Graffitis der Stadt und Hauseigentümer, das Bänkli nicht mindestens reinige. Dazu fehlte dem Verein bisher der Auftrag.