Bern
Prügelattacke an Anti-WEF-Demo: Auch SRF-Mitarbeiter und Bodyguards angegriffen

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Am Samstag demonstrierten mehr als 500 Personen in Bern gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos. Die unbewilligte Kundgebung verlief grösstenteils friedlich. Allerdings drohte der Anlass für kurze Zeit zu eskalieren.

Ohne Vorwarnung löste sich eine kleinere Gruppe aus dem Demonstrationszug und griff drei Personen an. Dabei schrien sie «Scheiss Faschos». Während der Flucht vor dem Mob musste einer der drei Männer einige Tritte und Faustschläge einstecken. Die Linksautonomen liessen erst beim Herannahen der Polizei von ihrem Opfer ab und tauchten im Umzug unter.

Brennendes Kartenhaus an der unbewilligten Anti-WEF-Kundgebung am Samstag in Berns Innenstadt.
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Auch viel farbiger Rauch war zu sehen.
Der Protest verlief überwiegend friedlich.
Die Polizei liess die Demonstranten gewähren, unter der Bedingung, sie sähen von Gewalt ab.
Auch in Lausanne wurde demonstriert: Hier ging es gegen die Präsenz von rechtspopulistischen Staatsführern am WEF.
"Bolsonaro, Netanyahu, WEF: not welcome!", lautete das Motto.

Brennendes Kartenhaus an der unbewilligten Anti-WEF-Kundgebung am Samstag in Berns Innenstadt.

Keystone/PETER KLAUNZER

SRF-Journalist in Begleitung von Ex-Pnos-Mitglied

Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» handelt es sich bei den Angegriffenen um einen Journalisten von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) und seine zwei Bodyguards. Einer davon, Stefan Wüthrich, ist bei Linksautonomen offenbar nicht ganz unbekannt. Er ist ehemaliger Ortsleiter der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) in Langenthal.

Wüthrich betreibt heute ein Selbstverteidigungs- und Fitnessstudio und hat laut eigenen Angaben keinen Kontakt mit der Pnos. Der 33-Jährige bestreitet, mit den Demonstranten Ärger gesucht zu haben, sondern sei als Personenschützer im Einsatz gestanden. Es gelang ihm, den Journalisten in Sicherheit zu bringen – Prügel einstecken musste der zweite Security.

SRF hat den Vorfall gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bestätigt. Mitarbeitende werden bei Demonstrationen bewusst nicht gekennzeichnet. Es gäbe aber schon länger Überlegungen, ob hauseigene Journalisten künftig mit einem sichtbaren SRF-Logo auftreten sollen. Nach dem Vorfall werde man sich mit der Sicherheitsfirma beraten.

Die Revolutionäre Jugendgruppe Bern (RJG), welche zur Kundgebung aufgerufen hat, veröffentlichte bereits am Samstagabend ein Statement. Der Angriff habe allein Wüthrich gegolten. (vom)

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