Werkhof
Provisorium soll ausgedient haben

Die Arbeitsbedingungen auf dem kantonalen Werkhof in Sissach sind «unbefriedigend» – und dies seit Jahrzehnten. Nun endlich soll wirklich etwas passieren.

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Werkhof Sissach

Werkhof Sissach

Schweiz am Sonntag

Von Daniel Ballmer

Polizei kann ihre Pläne nicht realisieren – noch nicht

«Ein Neubau für die Verkehrspolizei in Sissach ist kein ernst zu nehmendes Thema mehr und macht aus heutiger Sicht keinen Sinn mehr», erklärt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Hintergrund: Auch die Baselbieter Verkehrspolizei hat auf dem Autobahnwerkhof Sissach zu wenig Platz. Die Polizei hatte die Idee eines Neubaus neben dem bestehenden Gebäude lanciert. Das Projekt ist Bestandteil des Regierungsprogramms 2008-2011. Ziel wäre, die Hauptabteilung Verkehrssicherheit in Sissach zu konzentrieren. Ein Teil der Verkehrspolizei arbeitet noch in Lausen. «Auch ein Umzug der Verkehrspolizei weg von Lausen ist zur Zeit kein Thema», führt Stöcklin aus. «Wir werden uns allenfalls dann wieder damit auseinander setzen, wenn in Liestal dereinst neue, zentrale Verwaltungsgebäude erstellt werden und dann auch verschiedene andere dezentrale Amtsstellen allenfalls umziehen sollten.» Aber dies scheine noch in weiter Ferne zu sein. Nicht viel anders sieht es derzeit bei der seit langem geplanten Zusammenlegung von Alarm- und Verkehrsleitzentrale aus: «Dies wäre gewiss sinnvoll und würde ohne Zweifel etliche Synergien mit sich bringen», sagt Polizeisprecher Stöcklin. Im Moment dürfte dies räumlich allerdings schwierig sein. Und ein Standort ausserhalb des Polizeikommandos in der Liestaler Gutsmatte sei ebenfalls kein Thema. Stöcklins Fazit: «Eine Zusammenlegung ist wünschenswert und wird im Auge behalten, ist aber im Moment räumlich noch nicht realisierbar.» (db)

Oliver Jacobi hat nicht schlecht gestaunt. Vor fünf Monaten hat er das Amt des Baselbieter Kantonsingenieurs angetreten und dabei auch dem kantonalen Werkhof in Sissach einen Antrittsbesuch abgestattet: «Die dortigen Arbeitsbedingungen haben mich erstaunt. Ein optimaler Betrieb ist schlicht nicht möglich.» Noch gleichentags versprach er den Mitarbeitern, sich für eine rasche Besserung einzusetzen. Das Problem ist indes nicht neu. Schon vor drei Jahren hatte Jacobis Vorgänger Ruedi Hofer die Arbeitssicherheit als «sogar an der Grenze des Zulässigen» bezeichnet. Beim kantonalen Strassenverwaltungskreis 3 in Sissach bestehe schon lange grosser Sanierungsbedarf. Doch: Passiert ist nie etwas.

Der Werkhof ist nach dem Bau der Umfahrung T2 in den 60er-Jahren in einem ehemaligen Bauernhof neben dem heutigen Autobahnwerkhof untergebracht worden. Die Gebäude seien für Arbeitsabläufe und Betrieb eigentlich ungeeignet. Der Werkhof sei schon damals als Provisorium gedacht gewesen, so Christian Scholer vom kantonalen Tiefbauamt. «Mittlerweile ist es ein Providurium.» Büros und Logistik lägen weit auseinander. Material werde auf der schlecht zugänglichen Heubühne gelagert. Probleme gebe es auch bei der Unterbringung von Fahrzeugen und Geräten. Einige müssen im Freien abgestellt werden. Diese litten unter der Witterung und gingen kaputt.

Schon seit Jahren wird auf dem Tiefbauamt überlegt, wie eine Verbesserung zu erreichen ist. «Weil das Provisorium aber letztlich ja dienlich war, hat es im Grunde eine definitive Lösung bisher verhindert», sagt Jacobi. «Auf dem Werkhof selber aber wäre der Leidensdruck sicher gross genug gewesen, um rasch eine Lösung anzustreben.» Zur Debatte standen bisher eine Sanierung, ein Neubau vor Ort oder ein Neubau an einem anderen Standort. So ist im kantonalen Richtplan ein neuer Werkhof Ost enthalten, der im Raum Bubendorf - Liestal - Lausen entstehen könnte. Ein konkretes Projekt existiert bisher aber nicht. Zusammen mit dem Hochbauamt habe das Tiefbauamt nun eine externe Studie in Auftrag gegeben. «Der Fächer wird nochmals ganz aufgemacht», sagt Jacobi und vergisst nicht zu ergänzen: «Wichtig bleibt, mit den Steuergeldern vernünftig umzugehen.»

Lange seien rund um das Sissacher Gebiet Netzen viele Fragen offen gewesen. Mittlerweile ist klar: Der Bund, der seit 2008 für den Unterhalt der Autobahnen zuständig ist, hat den Autobahnwerkhof in Sissach beibehalten. Betrieben wird er von der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW). Und die Baselbieter Polizei hat für das Areal des kantonalen Werkhofs keinen Bedarf (vgl. Box). Jacobi: «Wir können jetzt also endlich loslegen.»

Und die Zeit drängt: Denn die NSNW hat für den Autobahnwerkhof bereits mehr Platzbedarf angemeldet. «Der Autobahnwerkhof Basel-Stadt wird aufgehoben. Die Geräte werden nach Sissach gebracht», weiss Jacobi. Im Frühling 2010 müsse der Kanton daher eine Winterdienst-Einheit vom Autobahnwerkhof auf den kantonalen Werkhof zügeln. Nur: «Wir haben gar keine Möglichkeit, die Fahrzeuge und Geräte unterzubringen.» Dies erhöhe den Druck auf die Planungen. «Im Lauf von 2010 muss etwas passieren.» Die Frage stelle sich einzig bei der Finanzierung. «Wir müssen mit Mass planen. Ich hoffe aber auf mehr als nur einen sanierten Bauernhof», betont Jacobi. «Dieses Mal wollen wir mehr machen als wieder nur ein Provisorium.»

Leg: Der kantonale Werkhof in Sissach ist seit den 60er Jahren «provisorisch» auf einem ehemaligen Bauernhof untergebracht. Die kleine Werkstatt ist im ehemaligen Stall eingerichtet worden. Die Arbeitssicherheit bewege sich hier «an der Grenze des Zulässigen».