Holz-Heizkraftwerk

«Projekt ist voller Widersprüche»

Das geplante Holz-Heizkraftwerk besteht aus Turbinenhaus (links), Kesselhaus (Mitte) sowie Schnitzelhalle

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Das geplante Holz-Heizkraftwerk besteht aus Turbinenhaus (links), Kesselhaus (Mitte) sowie Schnitzelhalle

Es brodelt im Eichledorf. Das geplante Holz-Heizkraftwerk in Würenlingen stösst auf Widerstand. «Wir sind besorgt und verärgert», sagen die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, die sich gegen zusätzliche Lasten wehrt.

Michael Hunziker

Sie sind enttäuscht und sie sind wütend: «So geht man nicht mit den Bürgern um», sagen Rolf Frei, Regula Schneider Frei, Claudius Fischer, Erich Hauser und Georg Schneider. Sie haben die Arbeitsgruppe Holz-Heizkraftwerk Würenlingen ins Leben gerufen. «Die Gruppe ist aus der Not heraus entstanden», halten sie fest. «Im Dorf herrscht Aufruhr und Verunsicherung.» Über die Pläne für das Holz-Heizkraftwerk sei die Bevölkerung erst kurz vor der Eingabe des Baugesuchs informiert worden. Zeit für eine Meinungsbildung sei nicht geblieben. «Wir wurden total überrumpelt und konnten uns nicht vorbereiten.»

Die Mitglieder ärgern sich nicht nur über das Vorgehen des Gemeinderates - «dieser muss sich für die Interessen der Öffentlichkeit einsetzen und die Bevölkerung vor Ungemach schützen». Befremdend sei auch, dass sie auf ihre Anfragen - unter anderem an die Refuna AG - weder eine Antwort noch eine Stellungnahme erhalten hätten.

Zielsetzungen missachtet

Die Arbeitsgruppe will gegen zusätzliche Belastungen - Feinstaub, Lärm, Verkehr - kämpfen und sich für die ursprünglichen Ziele der Refuna einsetzen. Denn: Mit viel Idealismus sei ein teures Fernwärmenetz aufgebaut worden. Die Bezüger hätten jahrelang hohe Beiträge bezahlt, weil sie etwas für die Umwelt tun wollten. Mit einem Holz-Heizkraftwerk würden die ursprünglichen Zielsetzungen missachtet und verraten. «Dann könnten wir genauso gut mit Öl oder Gas heizen.»

Die Refuna AG spricht auf ihrer Website übrigens von sauberer Energie, «ohne CO2 und Feinstaub». Das Holz-Heizkraftwerk sei am falschen Standort vorgesehen und völlig überdimensioniert, ist die Arbeitsgruppe überzeugt. «Für soviel Heizenergie besteht gar kein Bedarf.» Die Mitglieder sind der Meinung, dass die Bevölkerung schon genug Lasten zu tragen hat. Stichworte sind die Deponie Bärengraben, das Zwischenlager für radioaktive Abfälle oder das Zementwerk. «Wir sind bereit, einen Anteil zu übernehmen. Aber jetzt ist das Fass voll.»

Niemand habe die Kontrolle über die Emissionen oder einen Überblick darüber, wie viel schadstoffbelastetes Holz verbrannt werde. «Was passiert, wenn die vorgeschriebenen Werte überschritten werden? Wird das Werk abgestellt? Wer ist zuständig?», lauten die Fragen. Und: «Hat die Behörde bei seinem solch komplexen Vorhaben Fachleute beigezogen? Wurden die Pläne von einem externen Experten geprüft?»

Die Arbeitsgruppe spricht von einer grossen, leeren, stinkenden Kiste, die das ganze Landschaftsbild verschandle. Die voraussichtlich zehn Arbeitsplätze, die entstehen sollen, stünden in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Lasten.

Keine kalten Füsse

Nach Ansicht der Arbeitsgruppe wurde das Projekt unsorgfältig ausgearbeitet, die Informationen seien teilweise fragwürdig, die Fakten unvollständig. Bei der Axpo stehe der Profit im Vordergrund, sagen die Mitglieder. Der Stromkonzern erhalte für die Anlage Subventionen, die Bevölkerung dagegen werde übers Ohr gehauen.

Die Arbeitsgruppe wehrt sich nicht grundsätzlich gegen die Verwertung von Holz. Aber: «Wir sollten bessere Ideen haben, als mit dieser veralteten Technologie Holz zu verbrennen. Es gäbe gescheite und massgeschneiderte Lösungen.» Auch ohne diese Anlage müsse in Zukunft niemand befürchten, im Winter kalte Füsse zu haben. Bei Bedarf könne mehr Wärme vom Atomkraftwerk bezogen werden.

Die Arbeitsgruppe Holz-Heizkraftwerk Würenlingen hat sich zum Ziel gesetzt, zu agieren, die Allgemeinheit aufzurütteln und der Bevölkerung eine Stimme zu geben. In einem nächsten Schritt wird ein Flugblatt verteilt. Unterstützt wird auch die Petition, die von Lino Burkard und Martin Baggenstos lanciert wurde.

«In der Form, wie das Vorhaben heute projektiert ist, darf es nicht bewilligt werden», halten die Mitglieder fest. «Das Ganze ist voller Widersprüche. Der Betrieb dieser Anlage kann doch nicht im Sinn der Öffentlichkeit sein.»

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