Gemeinden

Programme statt Stückwerk für die Natur

Der ausgedolte Heuelmülibach in Schafisheim präsentierte sich den Teilnehmern des Workshops als neue, naturnahe Lebensader.

Landschaftsentwicklungsprojekt

Der ausgedolte Heuelmülibach in Schafisheim präsentierte sich den Teilnehmern des Workshops als neue, naturnahe Lebensader.

«Die Aufwertung der Natur ist Sache der Gemeinden», betonte Gabi Lauper, Präsidentin der Landschaftskommission der Repla Lenzburg. An einem Workshop wurde aufgezeigt, wie die Gemeinden diese Aufgabe mit kommunalen Naturkommissionen und Mehrjahresprogrammen effizient erfüllen können.

Von Peter Schmid

Für ihr Landschaftsentwicklungsprojekt (LEP) schloss der Regionalplanungsverband Lenzburg, zu der seit kurzem auch das Seetal gehört, vor drei Jahren mit dem Kanton einen Vertrag für ein Pilotvorhaben ab, in dem festgehalten wurde, dass die Repla all die Bemühungen, der Natur etwas von dem wieder zu geben, was man ihr einst genommen hat, koordinieren soll.

Ziel des LEP ist, in allen Gemeinden Naturkommissionen zu schaffen, jährliche Budgets locker zu machen und die Aktivitäten von Gemeinden, Naturschutzvereinen, Kulturlandschaft Aargau Seetal (KLAS), Landwirten, Förstern, Jägern, Schulen usw. unter einen Hut zu bringen, um die neuen Lebensräume miteinander zu vernetzen statt sie Stückwerk bleiben zu lassen.

Gemeinden sind nicht allein

Etwas für die Natur zu tun, hört sich einfacher an, als es ist. Massnahmen müssen sinnvoll sein. Das zu beurteilen, fällt dem Laien schwer. Dabei sind die Gemeinden nicht allein. Landschaftsarchitekt Victor Condrau, einer der Berater, die vom Kanton kostenlos zur Verfügung gestellt werden, leistet Unterstützung bei Vollzugshilfen in der Kulturlandplanung, in der Begleitung des regionalen LEP auf Gemeindeebene, bei der Erarbeitung eines kommunalen Mehrjahresprogramms Naturschutz und steht auch bei Einzelberatungen zur Verfügung. Der Erfolg stellt sich schnell ein, wie die Beispiele der Pilotgemeinden Seon (seit 2000) und Schafisheim (seit 2008) beweisen.

Menschen, Geld und Power

Für Christian Hauri und Trix Becker, Präsidenten der Naturkommissionen von Seon und Schafisheim, sind drei Voraussetzungen nötig, um der Natur tatkräftig unter die Arme greifen zu können. Erstens braucht es eine kommunale Naturkommission, in der sowohl betroffene Kreise wie Fachleute vertreten sind, zweitens muss umgehend ein Pilotprojekt erarbeitet und dessen Finanzierung sichergestellt werden.

Letzteres soll dazu führen, dass der Kommission von der Gemeinde alljährlich ein Budget zur Verfügung gestellt wird. Bund, Kanton und allenfalls Sponsoren leisten Beiträge, welche die Gemeinden massiv entlasten. So kosteten in Seon die in sechs Jahren getätigten rund 90 Massnahmen 420 000 Franken. Daran leistete die Gemeinde erstens 60 000 Franken über die jährlichen Budgets der Kommission von 10 000 Franken; zweitens verblieben ihr Eigenleistungen von 30 000 Franken.

Aus anderen Quellen floss somit der Löwenanteil von 330 000 Franken. Das ist nicht die Regel, sondern Gemeinden habenin etwa die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Und nicht zu vergessen: Es braucht vor allem Power, also Geduld, Kraft und Aufwand, um die guten Ideen zu realisieren.

Mit Start wächst der Erfolg

Die Beispiele von Seon und Schafisheim zeigen, dass sich nach einem gelungenen Start der Erfolg rasch einstellt, denn «mit dem Erfolg wächst der Appetit», wie es Condrau formulierte. Die Bandbreite der Massnahmen ist lang: Weiher, Tümpel, Magerwiesen, Hochstammobstbäume, Buntbrachen, gestufte Waldränder, Altholzinseln in den Wäldern, Ausdolen von Gewässern, Pflanzen von einheimischen Sträuchern, Bekämpfung der Neophyten (unerwünschte Einwanderer wie Ambrosia oder drüsiges Springkraut) usw.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. «Gute Naturschutzprojekte scheitern fast nie am Geld», machte Meinrad Bärtschi vom Baudepartement Mut. Ein Ziel darf nie aus den Augen verloren werden. Die neuen Lebensräume für Pflanzen und Tiere müssen miteinander vernetzt werden. Deshalb, so Gabi Lauper und Ruedi Baumann, Präsident der Repla Lenzburg: «Für die Repla ist es wichtig, alle Teile des Puzzles zu kennen. Jeder muss wissen, was der andere tut.» «Für die Repla ist die Natur seit rund zehn Jahren ein Thema», wie Baumann auf die kurze Erfolgsgeschichte zurückblickte.

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