AKW Leibstadt

«Probleme ungeklärt»: Grüne und Greenpeace warnen vor Wieder-Inbetriebnahme des Reaktors

Blick auf das AKW Leibstadt, das nahe beim Rhein liegt. (Archiv)

Blick auf das AKW Leibstadt, das nahe beim Rhein liegt. (Archiv)

Obwohl die Ursache für die Oxidationen an mehreren Brennelementen nicht geklärt ist, soll das AKW Leibstadt in zwei Wochen wieder ans Netz gehen. Für die Umweltorganisation Greenpeace und die Aargauer Grünen ist dies unverantwortlich – sie kritisieren die Kraftwerksbetreiber und die Atomaufsicht.

Für die Aargauer Grünen ist klar: Das AKW Leibstadt darf nicht in Betrieb genommen wird, bis «die Ursache der kritischen Siedezustände nicht restlos geklärt ist». Dies teilte die Partei am Donnerstag mit. «Der Betrieb einer Anlage, deren Prozesse nicht verstanden werden, kann nicht als sicher gelten», sagt Grünen-Präsident Daniel Hölzle. Es könne nicht sein, dass der Reaktor wieder angefahren werde und die detaillierten Ursachen für die Probleme mit den Brennstäben erst überprüft würden, wenn die Anlage laufe.

Im Abstimmungskampf rund um die Atomausstiegsinitiative sei der Bevölkerung versprochen worden, dass Atomanlagen nur laufen dürften, wenn sie sicher seien. «Das ist im Falle des AKW Leibstadt offensichtlich nicht der Fall», kritisiert Hölzle. Nun solle dieses Versprechen gebrochen und die Bevölkerung aus wirtschaftlichen Gründen einem unwägbaren Risiko ausgesetzt werden.

Die Grünen warnen zudem mit Blick auf das AKW Beznau – dort steht ein Reaktorblock wegen Problemen mit dem Druckbehälter ebenfalls still – vor der Schaffung eines Präzedenzfalls. «Wir werden auf gar keinen Fall hinnehmen, dass Beznau I mit vergleichbaren Argumenten wieder hochgefahren wird», so Hölzle.

Greenpeace: «Weltweit einzigartiges Problem»

Kritisch äussert sich nach dem «Rundschau»-Bericht zu Leibstadt auch Greenpeace: Die Umweltorganisation bezeichnet das Vorgehen der Atomaufsichtsbehörde Ensi als «unvorsichtig». Obwohl die Ursache für die Brennelement-Schäden noch nicht geklärt sei, habe das Ensi die Freigabe für die Kernbeladung erteilt. Dass die Atomaufsicht bald Grünes Licht für eine Wiederinbetriebnahme per Mitte Februar gebe, erscheine nur noch als Formsache.

SRF-Rundschau: "Leibstadt soll wieder ans Netz" (1. Februar 2017)

Die von den Oxidationen betroffenen Brennelement-Hüllen seien eine wichtige Schutzbarriere und dürfen keine derartigen Schäden aufweisen. «Solange man im Dunkeln tappt, sollte eine Wiederinbetriebnahme nicht in Frage kommen», sagt Florian Kasser, Atomexperte bei Greenpeace. Wie das Ensi selber mitgeteilt habe, wurde das Problem in Leibstadt bereits im Sommer 2015 entdeckt. «Gemäss Aussagen von Leibstadt-Kraftwerksleiter Andreas Pfeiffer im ‹Rundschau›-Beitrag ist der Grund für die Schäden noch immer nicht geklärt, trotz anderthalbjähriger Suche», hält Greenpeace fest.

Kasser betont, das Ausmass dieses Problems sei weltweit einzigartig. Somit gebe es keine Erfahrungswerte, auf deren Basis die Aufsichtsbehörde eine Wiederinbetriebnahme-Erlaubnis für Leibstadt rechtfertigen könne. «Die angekündigte Leistungsreduktion vermag das Problem vielleicht zu entschärfen, behoben ist es damit kaum», meint Greenpeace-Atomexperte Kasser. Die AKW-Betreiberin hat angekündigt, dass die Leistung von Leibstadt um 120 Megawatt gesenkt wird – das entspricht einer Reduktion um 10 Prozent.

Greenpeace ist der Ansicht, die AKW-Betreiber und die Atomaufsicht hätten «die Situation falsch eingeschätzt und Fehler gemacht». Die Umweltorganisation verlangt deshalb die Veröffentlichung aller Dokumente, welche dem Ensi in dieser Sache vorliegen.

Auch die Grünliberalen sind unzufrieden mit der Situation in Leibstadt. «Vom Grundsatz  ‹safety first› bei Atomkraftwerken darf nicht abgewichen werden», sagt Martin Bäumle, Präsident der Schweizer Grünliberalen. Die Partei verlangt vom Bundesrat die Festlegung eines Langzeitbetriebskonzepts.

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