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Probleme mit den neuen Doppelstöckern: «Behinderte stehen als Bremsklötze da»

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Die SBB haben bei Bombardier neue Doppelstockwagen bestellt. Bald sollten die ersten auf die Schiene. Endlich, denn die Züge haben schon jetzt über vier Jahre Verspätung. Nun droht eine weitere Verzögerung.

Der schweizerische Behindertendachverband Inclusion Handicap hat beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die SBB, den Hersteller Bombardier und das Bundesamt für Verkehr eingereicht. Dies hat die Organisation am Montagabend über die Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens SRF publik gemacht.

Grund für die Beschwerde ist unter anderem, dass der Ausstieg wegen einer Steigung bei der Tür für Rollstuhlfahrer nicht ohne Hilfe zu schaffen ist. Eine Schwelle verhindert das ebenerdige Hinausrollen. Ein weiteres Problem sind Handläufe, die nicht durchgehend bis zur Zugtür reichen, sodass Blinden der Ausstieg schwerfällt. Die Züge verstossen daher in den Augen von Inclusion Handicap gegen das schweizerische Behindertengleichstellungsgesetz.

Behinderte vom öV ausschliessen?

Entdeckt wurden die Mängel bei einer Besichtigung der Züge am 22. Dezember 2017. Mit dabei war auch der Thurgauer CVP-Nationalrat Christian Lohr, der selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Gegenüber der «Nordwestschweiz» bestätigt er die kritisierte Situation in den Zügen. «Nur sehr, sehr sportliche Rollstuhlfahrer kommen ohne fremde Hilfe über die Schwelle vor der Zugtür», so der Thurgauer.

Christian Lohr ärgert sich nicht nur über das Hindernis im Zug, sondern auch über dessen Aussenwirkung. «Nun stehen die Behindertenverbände wieder als Bremsklötze da, dabei sind es die SBB und Bombardier, die ihren Job nicht gemacht haben.» Lohr hat sich die Kommentare auf Nachrichten-Websites gestern angesehen und stellt fest, dass dort die Meinung vorherrscht, die Behinderten hätten Sonderwünsche. Doch er stellt klar. «Es geht nicht um ein Nice-to-have, sondern um die Frage, ob Menschen mit Beeinträchtigungen vom Bahnverkehr ausgeschlossen werden oder nicht.»

Bis zu drei Jahre Verzögerung

Er gibt zu bedenken, das Behindertengleichstellungsgesetz sei kein Katalog, «aus dem man einen Teil umsetzen kann und einen anderen Teil nicht». Er werde nun zuerst einmal das Gespräch mit den Verantwortlichen bei SBB und Bombardier suchen. Sollte dies keine Klärung bringen, werde er über Vorstösse im Nationalrat Druck machen. Lohr geht es vor allem darum, dass die Behindertenverbände früh einbezogen werden. Nur so könne verhindert werden, dass im letzten Moment geklagt werden müsse.

Unterstützung erhält Christian Lohr von seinem Aargauer Amtskollegen Ulrich Giezendanner. Der SVPler und Transportunternehmer ist ausser sich und spricht von einem «grossen Fiasko» beim Hersteller. «Die Behinderten haben in unserem Land zum Glück die gleichen Rechte wie alle anderen», sagt Giezendanner, der Mitglied der Verkehrskommission ist. Er rechnet damit, dass die Auslieferung der schon heute verspäteten Doppelstockzüge deswegen um weitere zwei bis drei Jahre verzögert wird, sollte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Behindertendachverbandes Inclusion Handicap gutheissen.

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