Geht es nach der Naturschutzorganisation Pro Natura, bekommen die Bauern zu viel Geld. In der neusten Ausgabe ihres Magazins titelt sie «Die Bauernlobby und die Bundesmillionen». Nebst 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen erhalte die Landwirtschaft zahlreiche weitere Gelder aus der Bundesschatulle.

So übernehme der Staat Aufgaben des Schweizerischen Bauernverbands (SBV), indem die Landwirtschaftsämter in 14 Kantonen die SBV-Mitgliederbeiträge mit schriftlichem Einverständnis der Bauern von den Direktzahlungen abziehen würden. Dem SBV werde ein wesentlicher Aufwand «abgenommen», schreibt das «Pro Natura Magazin».

Das Bundesamt für Landwirtschaft hat diese Praxis überprüft und kommt zum Schluss, dass es keine rechtliche Grundlage brauche, wenn die Bauern eine schriftliche Zustimmung geben würden. Dem widerspricht aber Rechtsprofessor Markus Schefer. Ohne Grundlage in einem Rechtssatz sei die staatliche Dienstleistung «problematisch».

Von weiteren 2,2 Millionen Franken Bundessubventionen unter der Rubrik «Absatzförderung und Basiskommunikation» für den «mächtigen SBV» ist die Rede. 100 000 Franken gäbe es zusätzlich für «Agristat», den Statistikdienst des SBV. Auch die Proviande Genossenschaft, die Werbeplattform der Schweizer Fleischwirtschaft, erhalte insgesamt 12,4 Millionen aus der Bundeskasse. Daneben erwähnt Pro Natura ein «Supplement» von 335 000 Franken für Projekte und Gesellschaften in der Fleischwirtschaft.

Gelder für die Überproduktion

Auf Anfrage konkretisiert die Naturschutzorganisation ihren «Angriff auf die Bauern» und die Kritik am Geldregen für die Landwirtschaft. «Wir zeigen in unseren Berichten auf, dass sehr viele Geldmittel direkt, aber auch indirekt in die intensive Landwirtschaft fliessen», sagt Roland Schuler von Pro Natura. Gerade diese verursache ökologische Probleme, deren Kosten wieder die Allgemeinheit tragen müsse.

Für Pro Natura ist klar, dass Handlungsbedarf besteht. «Wir fordern, dass weniger Mittel pauschal einer Förderung der intensiven Produktion zufliessen. Es brauche in der Schweizer Landwirtschaft vor allem eine nachhaltige Produktion – auf einer für die Umwelt verträglichen und gesunden Basis.

Beim SBV kommt die Kampagne von Pro Natura gar nicht gut an. «Der Angriff von Pro Natura ist völlig daneben», sagt der stellvertretende Direktor Urs Schneider. Der SBV werde zu Unrecht kritisiert, damit Pro Natura besser dastehe. «Dafür haben wir absolut kein Verständnis.» Zu den Vorwürfen nimmt Schneider Stellung: Die Absatzförderungsmittel würden zu den effizientest eingesetzten Mitteln überhaupt gehören, weil sie einen Multiplikatoreffekt hätten und die Bauern über einen erfolgreichen Produkteverkauf Einkommen generieren könnten.

Zudem würden in der EU auch entsprechend Fördermittel gezahlt. «Es geht also auch um gleich lange Spiesse», sagt Schneider. Im übrigen erwähnt Schneider andere Bereiche in der Schweiz, die stark gefördert werden. «Etwa der Tourismus mit rund 280 Millionen Franken, was aber richtig ist», so Schneider.

Kein Geld für politische Projekte

Bezüglich seinen Bundesgeldern schaue der SBV akribisch darauf, dass nichts zweckentfremdet werde und den Absatzfördermassnahmen zugutekomme. «Bei uns wird von den 2,2 Millionen Franken kein Geld für politische Projekte aufgewendet. Da schaut auch die Finanzkontrolle sehr genau hin», versichert Schneider.

Zu den Geldern an «Agristat» hält er fest, dass ein klarer Leistungsauftrag bestehe. Vom Vorwurf, das Geld fliesse hauptsächlich in die intensive Landwirtschaft und Überproduktion hält der SBV auch wenig. «Wie kann man bei einem Selbstversorgungsgrad von unter 60 Prozent von Überproduktion schreiben. Im Gegenteil, mit dem Geld wird die Überproduktion abgebaut und die nachhaltige Produktion gefördert», sagt Schneider.