Kinderschutz
Pro Juventute warnt mit Sado-Maso-Bildern vor Pornografie im Internet

Pro Juventute will Kinder besser vor Pornografie im Internet schützen und Eltern sensibilisieren. Dazu lanciert sie eine Aufklärungskampagne mit provokativen Bildern aus einem Sado-Maso-Keller.

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Pro Juventute im Sado-Maso-Keller

Pro Juventute im Sado-Maso-Keller

Pro Juventute

Ein Kind sitzt auf dem Boden eines Kellers. Erwachsene in Lack und Leder, ausgerüstet mit Peitschen nähern sich dem Kind an. Das Bild stammt nicht von einer perversen Porno-Seite aus dem Internet.

Es ist das Sujet einer Aufklärungskampagne von Pro Juventute mit dem Titel «Kinder landen im Internet schnell an die falsche Adresse». Die Kampagne startet heute Montag und soll Eltern für die Online-Risiken ihrer Kinder sensibilisieren. Pro Juventute bietet Eltern Informationen und Beratung zum Thema an.

Eltern sind heute bei der Sexualaufklärung ihrer Kinder neu gefordert. Denn mit der Verbreitung von Internet und Smartphones findet der erste Kontakt von Kindern mit Sexualität oft im Web statt. Dabei sind neue Risiken entstanden: online befinden sich Kinder und Jugendliche oft nur einen Klick entfernt von sexuellen Inhalten und geraten leicht an die falsche Adresse. Sexualaufklärung heute muss daher den Cyberspace miteinschliessen.

Fast jedes dritte Mädchen im Netz sexuell belästigt

Wie dringend die Problematik ist, zeigen aktuelle Studien für die Schweiz: Jedes vierte Kind hatte im Internet bereits Kontakt mit Unbekannten und fast jeder fünfte Jugendliche hat sich bereits mit einer Online-Bekanntschaft getroffen . Problematisch dabei ist, dass es im Internet für Pädokriminellen ein Leichtes ist, sich hinter falschen Profilen zu verstecken. Die Folgen sind fatal, sowohl online wie offline. So hat in der Schweiz fast jedes dritte Mädchen bereits negative Erfahrungen gemacht mit sexueller Belästigung im Internet und es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kinder zu Treffen gezwungen und dann sexuell missbraucht werden.

Eltern sind oft ahnungslos

Der Handlungsbedarf ist gross: Während es für viele Eltern selbstverständlich ist, dass ihre Kinder Informationen brauchen zu bekannten Risiken wie ungewollter Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten, fehlt häufig das Bewusstsein, dass Kinder Aufklärung zu Themen und Gefahren der Cyberwelt brauchen. Denn die heutigen Eltern von Teenagern kennen Risiken wie Grooming und Sextortion nicht aus der eigenen Jugend, und in der Schweiz fehlen bis heute Informationskampagnen. Daniela Melone hat darum grosses Verständnis für Eltern: «Sexualaufklärung ist sowieso schon ein heikles Thema für viele Eltern. Mit den Cyberrisiken ist es nun noch schwieriger geworden. Darum wollen wir Eltern Unterstützung anbieten.»

Oft können sich Eltern gar nicht vorstellen, womit ihre Kinder im Netz konfrontiert sind. Zwar wurden auch früher auf dem Pausenplatz Sexheftchen herumgezeigt. Im Unterschied dazu werden Kinder und Jugendliche aber heute im Internet viel früher und unkontrollierter mit sexuellen Bildern und Filmen konfrontiert, sehr oft in Pop-Ups. Und obwohl das vielen Kindern unangenehm ist, reden die wenigsten darüber. So weiss die Hälfte der Eltern nicht Bescheid, dass ihr Kind sexuelle Darstellungen im Netz gesehen hat.

Infos und Adresse zu Cyberbelästigung

Unter der Nummer 058 261 61 61 finden Eltern bei Pro Juventute individuelle Antworten auch auf Fragen rund um Sexualaufklärung, Cyberbelästigung und neue Jugendrisiken wie Grooming und Sexting. Neu steht die Elternberatung für alle Eltern und Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.

Fragen können telefonisch oder online per Mail zu jeder Tages- und Nachtzeit an die Fachberaterinnen und -berater gerichtet werden. (sda/roc)

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