AZ Medien
«Privatradios haben eine langfristige Zukunft»

Es tut sich was im Schweizer Radiomarkt: AZ Medien, zu denen auch dieses Newsportal gehört, lancieren zwei neue Sender. Warum? Florian Wanner, Geschäftsführer von Radio Argovia, Radio 24 und Virgin Radio Switzerland, über die Gründe.

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Florian Wanner
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"Virgin Radio Switzerland Hits ist der neue Sender für junge Menschen", sagt Wanner.
Der Fokus des Senders liege auf der Musik und der Deutschschweiz-weiten Ausstrahlung.

Florian Wanner

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Die AZ Medien lancieren erstmals zwei Radiosender, die national ausgerichtet sind. Was für Hörer wollen Sie damit ansprechen?

Florian Wanner: Die beiden Sender haben zwei unterschiedliche Musikausrichtungen, der Fokus liegt aber bei beiden auf Musik. Virgin Radio Switzerland Hits ist der neue Sender für die jungen Radiohörerinnen und Radiohörer: Wir werden darauf ausschliesslich die neusten und aktuellsten Hits spielen und so eine Alternative für alle jungen Menschen schaffen, da sie diese Songs bereits von Spotify und Youtube kennen. Einen derart jungen Hitsender gibt es noch nicht wirklich in der Schweiz. Das Musikformat gehört aber zu den weltweit erfolgreichsten Formaten.

Virgin Radio Rock richtet sich an ein erwachsenes und eher männliches Publikum. Wir werden darauf die besten Rocksongs der letzten 50 Jahre spielen – von Poprock-Klassikern bis zu Modern Rock-Hits. Entsprechend wird das Musikrepertoire bei Virgin Rock im Vergleich zu Virgin Hits sehr gross sein. Ein solches, rockiges Radioprogramm vermisst die Schweizer Radiohörerschaft bis jetzt – Virgin Rock wird es ihnen endlich bieten.

Was unterscheidet "Virgin" von Ihren Regionalsendern Radio 24 und Argovia?

Der Fokus bei den beiden Virgin-Sendern liegt klar auf der Musik und auf der Deutschschweiz-weiten Ausstrahlung. Unsere beiden Regionalsender überzeugen hingegen mit ihrem Vollprogramm und der Stärke "Regionalität". Wir bieten auf Radio Argovia und Radio 24 kompakte und relevante Informationen aus der Region und der Welt. Unsere Moderatoren haben einen Bezug zur jeweiligen Region und sind für die Unterhaltung zuständig. Letztlich unterscheiden sich die beiden Regionalsender auch bei der Musik von den neuen Virgin-Sendern: Radio 24 und Argovia spielen den besten Musikmix mit aktuellen Hits und den grössten Hits aller Zeiten für ein breites Publikum, während Virgin Rock und Virgin Hits spezifischer ausgerichtet sind.

Warum investieren Sie in neue Stationen statt in die zwei reichweitenstarken Regionalsender?

Mit der zunehmenden Digitalisierung und der damit verbundenen Öffnung des Radiomarktes wollen wir im bisher nicht besetzten nationalen Radiogeschäft Fuss fassen. Die digitale Radionutzung über DAB+ und Web-Streaming liegt jetzt schon bei über 50 Prozent. Die UKW-Verbreitung wird ab 2020 in der ganzen Schweiz schrittweise abgeschaltet. 2024 solle der Radiokonsum dann ausschliesslich über DAB+ und Streaming geschehen. Diese Entwicklung öffnet neue Chancen, die wir nutzen wollen. Klar ist aber auch, dass gute Regionalsender immer ihr Publikum finden werden, da sie einfach näher an den Hörerinnen und Hörer in ihrer Region sein können. Entsprechend werden wir auch weiter in unsere beliebten und sehr gut verankerten Regionalsender Radio Argovia und Radio 24 investieren. Zum Beispiel haben wir in diesem Jahr die Webseiten und die Apps der beiden Regionalsender komplett erneuert.

Gleichzeitig organisieren Sie den Bereich Radio neu. Radio 24 und Argovia kommen unter eine einheitliche Führung. Führt das zu Einheitsbrei für die Hörer? Worin unterscheiden sich die Sender noch?

Wie bereits erwähnt ist der USP der Regionalsender der Bezug zur jeweiligen Region. Einen Einheitsbrei mit einheitlichem Programm zu senden wäre daher ein fataler Fehler, den wir sicher nicht machen werden. Wir nutzen Synergien in der Produktion von nationalen und internationalen Inhalten, was uns gleichzeitig erlaubt, die Lokalredaktionen an den beiden Standorten zu stärken. Da die nationalen und internationalen Inhalte nur noch einmal produziert werden, können sich die Lokalteams voll auf die Region fokussieren und so verstärkt die relevanten regionalen Geschichten recherchieren und produzieren. Zudem sind auch die getrennten Moderationsteams sehr wichtig, welche die Regionalität im Programm thematisieren und vor allem verkörpern können.

Dank Internet ist die Auswahl an Radiosendern heute riesig. Zudem boomen Streamingdienste wie Spotify. Haben Privatradios eine langfristige Zukunft?

Ja, auch der Radiomarkt wird durch die fortlaufende Digitalisierung fragmentiert und mit Konkurrenzprodukten wie zum Beispiel Spotify konfrontiert. Ich bin aber überzeugt, dass Privatradios eine langfristige Zukunft haben werden: Gerade in unserer immer individuelleren und globalisierten Welt sehnt sich der Mensch manchmal nach einer Stimme aus seiner Region, nach einem Moderator der zu einem spricht, im Auto, im Büro oder zu Hause. Zudem: Glücklicherweise für uns als Radiomacher mögen viele Menschen nach wie vor nicht jeden Tag eine eigene Musik-Playlist zusammenstellen, sondern überlassen diese Arbeit gerne ihrem Lieblings-Radiosender. So geht es auch mir selber. Entsprechend sehe ich die Streamingdienste vielmehr als ein komplementäres Angebot.

Was würde es bedeuten, wenn die "No Billag"-Initiative angenommen würde?

Viele lokale Privatradios in ländlichen Regionen oder mit nicht-kommerziell-ausgerichteten Programmen würden voraussichtlich nicht überleben, da diese Sender massgeblich durch Gebührengeldern finanziert sind. Daher wäre eine Annahme der "No Billag"-Initiative für die Vielfalt der Schweizer Radiobranche äusserst schädlich. Trotzdem muss sich bei der SRG etwas bewegen: Die Radiosender der SRG erreichen in der Deutschschweiz über 60 Prozent Marktanteil, indem sie neben ihrem Kernauftrag viele zusätzliche Programme und Sender anbietet, die die Privaten direkt konkurrenzieren. Das ist für die privaten Anbieter schädlich und damit äussert unbefriedigend. Es gibt zwar auch im Radiobereich Angebote im Informations- oder Kulturbereich, die nicht privat finanziert werden können und für welche die SRG auch in Zukunft mit ihrem Leistungsauftrag aufkommen soll. Dafür braucht es aber nicht Schweizweit 17 Radioprogramme. Entsprechend bin ich der Meinung, dass die SRG klar eingeschränkt werden sollte und damit weniger Gebührengelder erhalten sollte.

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